100 Jahre Börsengeschichte: Was die Vergangenheit uns für heute lehrt

Wolfgang Staudinger
Autor: Wolfgang Staudinger
Aktualisiert am 19. Juni 2026
Ein Überblick über langfristige Marktrenditen, die SpaceX-Bewertungsfrage und sieben Regeln für turbulente Zeiten.

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Entspannt investieren, aber aus der Geschichte lernen

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Langfristig kannst du in der Hängematte liegen. Es gibt aber Zeiten, in denen du genauer hinsehen solltest.

100 Jahre Börsengeschichte liefern eine klare Botschaft: Wer investiert bleibt, wird belohnt – trotz Kriegen, Crashs und Krisen. Seit 1928 hat der S&P 500 eine durchschnittliche Rendite von rund 10 % pro Jahr erzielt. Wer nur die 10 besten Handelstage verpasste, halbierte seinen Gewinn.

Heute stellt sich die Frage, ob wir uns in einer neuen Dotcom-Blase befinden. Der SpaceX-Börsengang mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 96 übertrifft selbst die irrationalsten Bewertungen des Jahres 2000 – und mahnt an Isaac Newtons berühmten Verlust in der South-Sea-Bubble: Auch der klügste Kopf ist vor Marktwahn nicht gefeit.

Was bedeutet das konkret? Nicht Panik, sondern Differenzierung. Günstig bewertete Qualitätsunternehmen werden derzeit ignoriert, während Kapital einseitig in hochbewertete Tech-Titel fließt – ein Muster, das wir schon kennen. Wer seinen Investitionsmix überdenkt, einen Liquiditätspuffer aufbaut und Panikverkäufe vermeidet, ist für das gerüstet, was unweigerlich kommen wird: die nächste Krise.

Die Beruhigungspille: Warum ein langer Zeithorizont alles verändert

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Krisen ist das Normal an der Börse (und unserer Gesellschaft)

Wer die Börsenkurse der letzten hundert Jahre vor sich sieht, erkennt auf den ersten Blick zwei Dinge: Das Auf und Ab ist brutal – und der langfristige Trend zeigt trotzdem nach oben.

Seit 1928 hat der S&P 500, der Index der 500 größten börsennotierten Unternehmen der USA, mehr als 30 Krisen und Kriege überstanden: zwei Weltkriege, den Kalten Krieg, Vietnam, den Golfkrieg, die Terroranschläge vom 11. September, die Finanzkrise 2008, die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg.

Der Markt hat sich jedes Mal erholt. Und er hat Anlegerinnen und Anlegern, die investiert blieben, eine durchschnittliche jährliche Rendite von rund 10 % beschert.

Börsencrashs seit 1950

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Trotz regelmäßigen Crashes 10 % Rendite pro Jahr

Das klingt nach einer einfachen Botschaft – und ist es im Kern auch. Die Schwierigkeit liegt nicht im Verstehen, sondern im Aushalten. Wer etwa von 1950 bis 2020 investiert war, erlebte in sieben Jahrzehnten 21 Kurseinbrüche von mehr als 20 %.

Darunter ein Minus von 48 % während der Dotcom-Blase um das Jahr 2000, ein Minus von 57 % in der Finanzkrise 2008 und ein Minus von 34 % im Corona-Crash 2020. All das ist der Normalzustand an der Börse. Und trotzdem: Wer durchhielt, erzielte im Schnitt mehr als 10 % pro Jahr.

Dieses Wissen wirkt wie eine Beruhigungspille – aber nur dann, wenn man es wirklich verinnerlicht hat und entsprechend handelt.

"Wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen, der hat sie auch nicht, wenn sie steigen."– André Kostolany

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Wenn man die 10 besten Tage an der Börse verpasst hat, halbierte sich der Gewinn

Einer der hartnäckigsten Irrtümer beim Investieren ist die Überzeugung, man könne durch kluges Ein- und Aussteigen den Markt schlagen. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache dagegen.

Wer zwischen 2003 und 2022 – also 20 Jahre lang – 10.000 USD in einen breiten Aktienindex investiert hätte und durchgehend dabei geblieben wäre, hätte vor Kosten und Steuern ein Endvermögen von rund 65.000 Dollar erzielt. Hätte dieselbe Person jedoch nur die 10 besten Handelstage verpasst, wäre das Endvermögen auf rund 30.000 USD geschrumpft – eine Halbierung des Gewinns. Wer die 30 besten Tage verpasst hätte, wäre kaum noch im Plus gewesen. Wer 60 Tage gefehlt hätte, hätte unterm Strich verloren.

Das Perfide daran: Die besten Tage an der Börse fallen fast immer mitten in Krisenzeiten. Am 13. Oktober 2008, dem schwersten Börsenjahr der jüngeren Geschichte, legte der Markt an einem einzigen Tag um 11,6 % zu – politisch ausgelöst durch staatliche Eingriffe in die Finanzmärkte. Wer zu diesem Zeitpunkt nicht investiert gewesen wäre, hätte diesen Rebound komplett verpasst.

Die Schlussfolgerung ist klar: Es ist wichtiger, investiert zu sein, als zum vermeintlich richtigen Zeitpunkt ein- oder auszusteigen. Noch niemand hat das Market Timing dauerhaft und zuverlässig geschafft.

Aber Achtung: Man sollte auch Statistiken wie diese immer kritisch hinterfragen und aus einer anderen Sicht sehen: Wer Tage von Kursgewinnen verpasst hat, hat auch Tage mit Verluste verpasst. Damit relativiert sich die Rechnung wieder. Denn um einen Verlust von 50 % auszugleichen, benötigt man einen Gewinn von 100 %.

Was die Dotcom-Blase uns lehrt – und warum SpaceX relevant ist

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Im Jahr 2000 erreichte die Dotcom-Blase ihren Höhepunkt. Unternehmen, die das Internet als ihre Bühne nutzten, wurden zu astronomischen Preisen gehandelt. Sun Microsystems etwa war damals mit dem Zehnfachen seines Jahresumsatzes bewertet. CEO Scott McNealy fasste die Absurdität dieser Bewertung rückblickend in Worte, die bis heute nichts an Schärfe verloren haben:

"Beim 10-fachen Umsatz muss ich dir, um dir in 10 Jahren dein Geld zurückzuzahlen, 10 Jahre lang 100% des Umsatzes als Dividende ausschütten. Null Kosten. Null Forschung. Null Steuern. Null Mitarbeiter. Was habt ihr euch dabei gedacht?"

Er erklärte damit, warum es wahnsinnig gewesen war, diesen Preis überhaupt zu zahlen.

Nach dem Platzen der Dotcom-Blase brach der Gesamtmarkt um rund 50 % ein. Unternehmen wie Sun Microsystems oder die Deutsche Telekom verloren bis zu 90 % ihres Wertes. Was folgte, waren für viele Anlegerinnen und Anleger drei Jahre der Durstrecke – lehrreich, aber schmerzhaft.

Warum ist das heute relevant?

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Anderes Jahrzehnt. Gleiche Mathematik: SpaceX und Tech-Giganten heute. KI-Generiert: Werte ohne Gewähr! Für eine Bewertung müssen auch andere Kennzahlen einbezogen werden, wie KGV, KBV, etc.

Am 12. Juni 2025 ging SpaceX an die Börse – mit einer Marktkapitalisierung von 1,8 Billionen Dollar und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 96. Was Scott McNealy beim Zehnfachen des Umsatzes als irrational bezeichnete, ist bei SpaceX das 96-Fache.

Das Unternehmen erwirtschaftete 2025 zwar einen Umsatz von 18,7 Milliarden Dollar – ein Plus von 33 % gegenüber dem Vorjahr –, machte aber unter dem Strich einen Verlust von rund 5 Milliarden Dollar. Haupttreiber des Verlustes ist die KI-Sparte, die allein 6,35 Milliarden Dollar in die Miesen schrieb.

Besonders bemerkenswert ist die Eigentümerstruktur: Nur 5 % der Aktien wurden an die Börse gebracht. Rund 85 % der Stimmrechte kontrolliert Elon Musk, damit behält er die volle Kontrolle über das Unternehmen. Die Führungsstruktur ist so gestaltet, dass er als Geschäftsführer nicht abgesetzt werden kann. Klagen sind nur vor einem privaten Schiedsgericht möglich, nicht öffentlich. Das hat bereits mehrere institutionelle Investoren und Pensionsfonds dazu bewogen, einen Kauf vorerst abzulehnen.

Der SpaceX-Börsengang ist der größte in der Geschichte

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Der größte IPO der Geschichte.

Der SpaceX-Börsengang ist der größte in der Geschichte. Allein die 5 % Streubesitz entsprechen einem Emissionsvolumen von rund 90 Milliarden Dollar – mehr als der bisherige Rekordhalter Saudi Aramco (2019: 26 Mrd.) und die Alibaba Group (2014: 22 Mrd.) zusammen. Im Jahr 2000, auf dem Höhepunkt der Dotcom-Ära, kamen rund 300 Unternehmen an die Börse und sammelten insgesamt rund 120 Milliarden Dollar ein. SpaceX hat das allein und an einem einzigen Freitag übertroffen.

Quelle: finanzfluss

Isaac Newton und der unvermeidliche Wahnsinn

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Es gibt eine Geschichte aus dem Jahr 1720, die sich liest wie ein Kommentar auf die Gegenwart. Damals gründete England die South Sea Company – eine Handelsgesellschaft mit staatlicher Beteiligung, an der sich die Fantasie der Investoren entzündete. Der Börsenkurs explodierte. Isaac Newton, einer der größten Geister seiner Zeit, stieg ein, machte einen erheblichen Gewinn und stieg rechtzeitig aus.

Dann aber sah er, dass die Kurse weiter stiegen. Er stieg erneut ein – kurz vor dem Höhepunkt, kurz vor dem Zusammenbruch. Die South Sea Company wurde nahezu wertlos. Newton verlor ein Vermögen, das heute mehrere Millionen Euro entspräche.

Was blieb, ist einer der berühmtesten Sätze der Finanzgeschichte:

„Ich kann die Bewegung der Himmelskörper berechnen, nicht jedoch den Wahnsinn der Menschen." - Sir Isaak Newton 1720

Niemand weiß, wie die Geschichte von SpaceX endet. Die Vision ist überzeugend, das Unternehmen real, die Technologie beeindruckend.

Benjamin Graham, Mentor von Warren Buffett und Autor des Klassikers Der intelligente Investor, hat es präzise formuliert: „Der intelligente Investor ist ein Realist, der an Optimisten verkauft und von Pessimisten kauft.“ Und Buffett selbst ergänzt: Vergiss nie zu fragen, wie viel. Auch die überzeugendste Idee ist kein Freifahrtschein für jeden Preis.

ETFs und die neue IPO-Welle: Wer kauft SpaceX – und wer nicht?

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Für Anlegerinnen und Anleger, die in breit gestreute Indexfonds investieren, stellt sich eine praktische Frage: Kauft man SpaceX nun automatisch mit?

Die Antwort hängt vom jeweiligen Index ab. Nasdaq und FTSE haben ihre Aufnahmeregeln eigens für große Neuemissionen gelockert: kein Mindest-Streubesitz mehr, Aufnahme bereits ab dem dritten bis fünften Handelstag. MSCI macht für besonders große Titel eine Ausnahme von der bisherigen 15-%-Streubesitzgrenze. Der S&P 500 hingegen behält seine Grenze von 10 % Streubesitz bei und nimmt SpaceX vorerst nicht auf.

Auswirkung auf Indizes

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Die konkreten Gewichtungen bei vollständiger Aufnahme: Wer in einen MSCI World investiert, hält SpaceX mit rund 0,1 % seines Portfolios. Beim FTSE All World sind es etwa 0,09 %, beim Nasdaq 100 rund 0,5 %. Das sind überschaubare Größenordnungen – kein Grund zur Panik. Allerdings gilt: Bislang wurden nur 5 % der Aktien platziert. Sollte der Streubesitz künftig ausgeweitet werden, könnten sich diese Gewichtungen deutlich erhöhen.

SpaceX ist nicht allein

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Neben SpaceX planen auch OpenAI und Anthropic für Herbst 2025 ebenfalls Börsengänge, jeweils mit Bewertungen von rund einer Billion Dollar. In Summe könnten damit in kurzer Zeit über vier Billionen Dollar an frischem Kapital eingesammelt werden – grob vergleichbar mit dem kombinierten Bruttoinlandsprodukt von Deutschland und Frankreich.

Nicht alle Aktien sind gleich teuer: Ein nüchterner Bewertungsvergleich

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Qualitätsunternehmen mit wenig Aufmerksamkeit sind an der Börse derzeit günstig bewertet

Die mediale Aufmerksamkeit gilt derzeit fast ausschließlich Tech-Unternehmen aus den USA. Das verzerrt den Blick. Unternehmen wie Nestlé, Coca-Cola oder Autobauer wie VW, Mercedes oder Toyota werden sehr günstig bewertet. Die Probleme der Autohersteller sind bekannt – aber die Chance, dass VW & Co in zehn Jahren noch Autos verkaufen und sich an veränderte Bedingungen angepasst haben, ist durchaus vorhanden.

Ähnliches gilt für andere Unternehmen außerhalb des Technologie-Sektors, welche derzeit gemieden werden, weil das Interesse des Marktes woanders liegt. Das ist kein neues Phänomen – und es ist in der Vergangenheit regelmäßig eine Einladung für selektive Käufer gewesen.

Strategie: Das Sowohl-als-auch-Modell

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Eine breite Debatte in der Finanzwelt dreht sich um die Frage: aktiv oder passiv? ETFs oder aktiv gemanagte Fonds? Wissenschaftliche Studien schneiden aktives Management schlecht ab – zu Recht, denn der Hauptgrund dafür sind überhöhte Kosten, die großteils für Vertriebsprovisionen aufgewendet werden.

Die Antwort muss aber nicht Entweder-oder lauten.

Sogenannte Clean Shares – provisionsfreie Fondsklassen – sind eine Möglichkeit, aktives Management zu fairen Kosten zu nutzen. Bislang waren diese Klassen institutionellen Investoren ab rund 5 Millionen Euro vorbehalten. Inzwischen gibt es erste Anbieter, die sie auch für Kleinanleger ab 100 Euro monatlich oder 10.000 Euro Einmalerlag zugänglich machen.

fynup-Portfolios, die seit 2014 einen Mix aus 50 % passiven ETFs und 50 % aktiv verwalteten Clean Shares einsetzen, konnten reine ETF-Portfolios nach Abzug aller Kosten und Steuern um rund 30.000 Euro auf eine Ausgangsinvestition von 100.000 Euro übertreffen. Das ist eine Vergangenheitsbetrachtung, die sich nicht zwingend wiederholt – aber sie zeigt, dass die Kombination grundsätzlich funktionieren kann.

Ein Argument für aktives Management ist die Selektivität: Ein Fonds, der nur in 30 sorgfältig ausgewählte US-Unternehmen investiert, muss nicht automatisch Nvidia zum 20-Fachen des Umsatzes kaufen, weil er im Index vertreten ist. Er kann abwägen. Das ist gerade dann wertvoll, wenn Marktbewertungen historisch hoch sind.

Vergleich zwischen Berkshire Hathaway und dem S&P 500

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Besonders aufschlussreich ist der Vergleich zwischen Berkshire Hathaway und dem S&P 500. Warren Buffetts Unternehmen, das in solide Geschäftsmodelle wie Versicherungen, Eisenbahnen, Coca-Cola und Alphabet investiert, hält derzeit 30 % seiner Marktkapitalisierung in Cash – ein deutliches Zeichen, dass man intern mit erhöhter Volatilität rechnet.

In den letzten 12 Monaten hat Berkshire rund 40 % schlechter abgeschnitten als der S&P 500. Historisch war genau das – eine starke Underperformance von Berkshire gegenüber dem Tech-getriebenen Markt – ein Vorbote größerer Korrekturen: vor der Dotcom-Blase erlebte Berkshire dasselbe Muster, und wer damals umschichtete, profitierte anschließend erheblich.

Mehr Infos dazu in den folgenden Artikel:

Staatsschulden: die stille Gefahr im Hintergrund

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Aktien sind riskant – das ist bekannt. Weniger im Bewusstsein ist, dass auch die scheinbar sichere Alternative, Staatsanleihen, derzeit mit erheblichen strukturellen Risiken behaftet ist.

Die ursprünglich vereinbarte Staatsschuldenobergrenze für europäische Länder lag bei 60 % des Bruttoinlandsprodukts. Die Realität liegt bereits bei über 80 % im Durchschnitt, mit deutlich höheren Werten in mehreren Ländern. Die Prognosen sind ernüchternd: Selbst im günstigsten Szenario, in dem Reformen gelingen, werden die Staatsschulden laut aktuellen Berechnungen auf 148 % des BIP steigen. Scheitern die Reformen, könnten es 250 % werden.

Das bedeutet nicht, dass Aktien die einzige sinnvolle Anlage sind. Es bedeutet aber, dass die Entscheidung „nichts tun und in Staatsanleihen investieren" keine risikofreie Alternative mehr darstellt. Die Inflationsfrage ist damit ebenso verbunden: Wer sein Vermögen real erhalten will, kommt an Sachwerten kaum vorbei.

7 Regeln für turbulente Zeiten

Die Märkte befinden sich derzeit in einer Phase, in der echte Turbulenzen noch weitgehend ausgeblieben sind. Kurskorrekturen wurden schnell aufgeholt, Sparer haben in den letzten Jahren kaum gelitten. Aber die Geschichte lehrt: Das wird sich irgendwann ändern. Die Frage ist nicht ob, sondern wann. Wer vorbereitet ist, kann ruhig schlafen.

1. Wisse, was du hast. Es reicht nicht, einen ETF oder einen Fonds zu besitzen – man sollte verstehen, was darin steckt und wie er sich in Krisenzeiten verhält. Es ist kein Expertenwissen nötig, aber ein grundlegendes Verständnis der eigenen Portfoliostruktur schützt vor Überraschungen.

2. Keine Panikverkäufe. Wer in einer Krise verkauft, realisiert Verluste und verpasst die Erholung. Das ist eine der teuersten Entscheidungen, die man als Anleger treffen kann – und eine der häufigsten.

3. Qualitätsunternehmen überstehen Krisen. Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen und soliden Bilanzen haben in der Vergangenheit nicht nur Krisen überlebt, sondern sind gestärkt aus ihnen hervorgegangen – weil sie Marktanteile von schwächeren Wettbewerbern übernehmen konnten.

4. Sparpläne durchhalten. Wer regelmäßig investiert, kauft in fallenden Märkten automatisch günstiger ein. Das Stoppen eines Sparplans in einer Krise ist psychologisch verständlich, aber finanziell kontraproduktiv.

5. Liquiditätspuffer aufbauen. Eine Reserve von mindestens sechs Monatsgehältern gehört zur Grundausstattung jedes Finanzplans. In einer Krise können Einkommenseinbußen und fallende Märkte gleichzeitig auftreten. Wer dann gezwungen ist, Aktien oder Fondsanteile zu verkaufen, verkauft im schlechtesten Moment.

6. Staatschulden im Blick behalten. Die Schuldendynamik in Europa und den USA ist ein strukturelles Risiko, das sich langfristig auf Zinsen, Inflation und Kapitalmarktstabilität auswirken wird. Wer das ignoriert, trifft keine vollständig informierten Anlageentscheidungen.

7. Geduld ist das entscheidende Asset. Warren Buffett hat es auf den Punkt gebracht: „Der Aktienmarkt ist ein Instrument, das Geld von den Ungeduldigen zu den Geduldigen transferiert." Ein heute 50-Jähriger darf damit rechnen 90 Jahre alt zu werden und hat damit einen Investitionshorizont von 40 Jahren. Selbst schwere Krisen sind im Kontext solcher Zeiträume Episoden, keine Endpunkte.

Fazit: Entspannt bleiben – aber nicht naiv

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100 Jahre Börsengeschichte lehren eine doppelte Lektion. Die erste: Wer langfristig investiert und investiert bleibt, wird belohnt. Die zweite: Wer nicht fragt, was er kauft und zu welchem Preis, riskiert, genau dann einzusteigen, wenn andere aussteigen.

Die aktuelle Marktlage verbindet beide Lektionen auf ungewöhnlich dramatische Weise. Historisch hohe Bewertungen bei Tech-Unternehmen treffen auf einen SpaceX-Börsengang, der alle bisherigen Maßstäbe sprengt – während günstig bewertete Qualitätsunternehmen kaum Beachtung finden. Das muss kein Vorbote einer Katastrophe sein. Aber es ist eine Einladung zur Differenzierung.

Wer heute informiert, selektiv und mit einem klaren Plan investiert, ist besser gerüstet als jemand, der einfach dem Markt folgt – egal, was die nächsten Jahre bringen.

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Autor: Wolfgang Staudinger

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