Finanzprodukte prüfen: Schritt für Schritt Anleitung
Mit einem Klick direkt zum Thema
- Die 8 relevantesten Produktgruppen
- Rechne immer mit der Inflation
- Aktien, Anleihen, Sparbuch im 50-Jahres-Vergleich
- So läuft die Prüfung bei fynup – der Kauf entscheidet
- Aktien, Gold und Immobilien im Vergleich
- Doppel-Nettopolizzen vs. Nettopolizzen: ETFs
- Doppel-Nettopolizzen vs. Nettopolizzen: aktive Fonds
- Fazit
In drei Schritten zum optimierten Finanzprodukt
Die meisten Menschen verbringen mehr Zeit mit der Auswahl eines Fahrrads als mit der Prüfung ihrer Geldanlage. Dabei steht bei einem durchschnittlichen Sparplan mehr auf dem Spiel als bei jedem Autokauf. Die gute Nachricht: Du brauchst kein Finanzstudium, um dein Produkt zu verstehen. Du brauchst drei Schritte:
- Wie du die Grundstruktur deines Produktes verstehst.
- Wie du Qualität und Kosten misst und optimierst.
- Welche konkreten Schritte deine Situation sofort verbessern.
Genau diese drei Schritte hat Wolfgang in diesem Webinar „Finanzprodukte optimieren und 60.000 Euro sparen“ durchgerechnet – mit echten Produkten, echten Kosten und echten Zahlen.
Am Ende dieses Artikels weißt du, zu welcher Produktgruppe dein Vertrag gehört, wo du Geld verlierst und was du dagegen tun kannst.
Die 8 relevantesten Produktgruppen
Bevor du ein Produkt bewerten kannst, musst du wissen, was du eigentlich besitzt. In Österreich werden hauptsächlich acht Produktgruppen verkauft – und „verkauft“ ist hier das richtige Wort, denn wir leben in einem Verkäufermarkt: Die meisten Produkte werden nicht bewusst ge-kauft, sondern von Banken, Versicherungen oder Vermögensberatern ver-kauft.
Die acht Gruppen lassen sich in drei Kategorien einteilen:
Geldwertbasierte Produkte: Banksparen, Bausparen, Sparbücher und Festgeld, klassische Lebens- und Rentenversicherungen sowie die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge. Ihr gemeinsames Merkmal: Sie investieren überwiegend in Geldwerte und hängen damit an den Zinsen. Der Gegenspieler der Zinsen ist die Inflation – und die ist derzeit meist höher. Nach Kosten und Steuern verlierst du mit diesen Produkten real Geld. Trotzdem liegt hier der größte Teil der österreichischen Ersparnisse.
Sachwertbasierte Produkte: Edelmetalle und Immobilien. Die Besonderheit: Dafür brauchst du weder Bank noch Versicherung. Gold kannst du direkt bei der Münze Österreich kaufen, Immobilien direkt, über Fonds oder als Vorsorgewohnung erwerben.
Kapitalmarktbasierte Produkte: Die Fondspolizze (fondsgebundene Lebensversicherung) und das Wertpapierdepot. Hier hältst du Fonds und ETFs – entweder über eine Versicherungshülle oder direkt im Depot. Langfristig sind das die interessantesten Produktgruppen, weil du flexibel in verschiedene Anlageklassen investieren kannst.
Mehr Details zu den einzelnen Gruppen:
Rechne immer mit der Inflation
Der wichtigste Rechenfehler bei der Geldanlage: die Inflation zu ignorieren. In den letzten sechs Jahren haben wir kumuliert rund 30 % des Geldwertes durch Inflation verloren. Wer vor sechs Jahren 100.000 Euro am Sparbuch hatte, besitzt heute real nur noch etwa 70.000 Euro.
Das Tückische daran: Man sieht es nicht. Die nominale Zahl am Sparbuch bleibt gleich. Teurer geworden ist alles andere – Wohnen, Betriebskosten, Treibstoff, Lebensmittel. Und für die Zukunft rechnen wir eher mit 3 % Inflation als mit 2 %.
Deshalb gilt für jede Prüfung: Ein Finanzprodukt ist erst dann gut, wenn es nach Inflation, Kosten und Steuern real Gewinn bringt. Alles andere ist ein Verlustgeschäft mit freundlicher Verpackung.
Aktien, Anleihen, Sparbuch im 50-Jahres-Vergleich
Was heißt das konkret? Schauen wir uns eine Einmalanlage von 10.000 Euro über die letzten 50 Jahre an:
- Sparbuch: nominal rund 11.000 Euro Gewinn – aber die Inflation hat 30.000 Euro abgerieben. Realer Verlust: rund 20.000 Euro.
- Anleihenfonds (Beispiel: Erste Bond Combi-Rent, den es seit 50 Jahren gibt): Über den gesamten Zeitraum konnte die Inflation ausgeglichen werden. In den letzten 20 Jahren ist das allerdings kaum mehr gelungen – und die Erwartung für die Zukunft bleibt verhalten.
- Globaler Aktienfonds, kosten- und steuereffizient in einer Doppel-Nettopolizze gehalten: rund 1,2 Millionen Euro Gewinn bei durchschnittlich über 11 % Rendite pro Jahr.
Warum macht das nicht jeder? Weil man die Schwankungen aushalten muss. Von 2000 bis 2003 verlor der globale Aktienmarkt 50 %, erholte sich bis 2007 – und verlor in der Finanzkrise erneut 50 %. Wer langfristig investiert und entnimmt, für den werden diese Schwankungen zunehmend bedeutungslos. Entscheidend ist die durchschnittliche Rendite. Für die Zukunft rechnen wir konservativ mit 7 % – das reicht, um die Inflation gut auszugleichen.
Die Frage ist immer der Preis
Aber Vorsicht beim Einstieg. 2002, nachdem Sun Microsystems um 90 % eingebrochen war, sagte CEO Scott McNealy diesen berühmten Satz über die eigene Aktie zum 10-fachen Umsatz:
„Beim 10-fachen Umsatz muss ich dir, um dir in 10 Jahren dein Geld zurückzuzahlen, 10 Jahre lang 100 % des Umsatzes als Dividende ausschütten. Null Kosten. Null Forschung. Null Steuern. Null Mitarbeiter. Was habt ihr euch dabei gedacht?“
Er erklärte damit, warum es wahnsinnig war, diesen Preis überhaupt zu zahlen.
Heute stellt sich dieselbe Frage neu: SpaceX ist mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von nahezu 100 an die Börse gegangen – ein Vielfaches der Bewertungen aus der Dotcom-Zeit. Das Unternehmen kann großartig sein und der Preis trotzdem falsch. Die Deutsche Telekom existiert bis heute, zahlt Dividende – aber wer im Jahr 2000 nahe dem Höchststand von 88 Euro gekauft hat, hat 26 Jahre später noch immer keine Freude mit dieser Aktie.
Deshalb unsere Einschätzung: nicht alles in passive ETFs, sondern selektiver vorgehen. Aktive Fondsmanager können überteuerte Einzeltitel gezielt meiden und trotzdem in Qualitätsunternehmen investiert bleiben. Eine ausgewogene Mischung: rund 50 % aktives Management, 50 % passive ETFs.
- Beispiel: Deutsche Telekom
- Artikel & Webinar: 100 Jahre Börsengeschichte / SpaceX
- Artikel & Webinar: ETF: Risiken erkennen und Chancen nutzen
So läuft die Prüfung bei fynup – der Kauf entscheidet
Die beste Beratung nützt nichts, wenn das Produkt teuer ist. Der entscheidende Moment ist der Kauf: Welches Produkt du wählst und was es kostet, bestimmt dein Ergebnis über Jahrzehnte. Deshalb haben wir die Prüfung so gebaut, dass du sie selbst durchführen kannst:
Produktsuche: Unter fynup.at/p/ findest du alle neun Produktgruppen mit Renditeerwartung, Risiko, Kosten sowie Vor- und Nachteilen. Neun statt acht, weil wir die Fondspolizze in Provisionsprodukte und Doppel-Nettopolizzen bzw. Nettopolizzen unterteilen – die Unterschiede sind zu groß, um sie in einen Topf zu werfen.
Schnellprüfung: Unter fynup.at/pruefen gibst du Gesellschaft und Produkt ein. Du erhältst eine erste Aussage deines Produktes. Im Anschluss kannst du dein Produkt mit unserer KI selbst im Detail prüfen oder durch unsere Finanzexpert:innen in einer persönlichen Online-Beratung konkret prüfen lassen.
KI-Prüfung: Unter portal.fynup.at/c/pruefen lädst du einfach deine Polizze oder deinen Depotauszug als PDF hoch – oder gibst Gesellschaft und Produkt manuell ein. Du erhältst einen Bewertungsscore mit Detailanalyse zu Stärken, Schwächen und Handlungsoptionen. Ist dein Produkt nicht in der Datenbank, schick uns die Unterlagen an office@fynup.at – wir pflegen es ein.
Persönliche Beratung: Für alles, was die KI nicht beantworten kann. Ob Prämienfreistellung, Kündigung oder Prämienreduktion bei einem Altvertrag sinnvoll ist, hängt von deiner Gesamtsituation ab – Einnahmen, Ausgaben, Vermögen, Ziele. Der Quick-Check als Erstberatung ist einmalig kostenlos. Als Honorarberater verdienen wir keine Provisionen an Produkten – wir sind vom Produktverkauf unabhängig. Die Beratungsangebote von fynup findest du hier.
Aktien, Gold und Immobilien im Vergleich
- Blau: Aktien
- Gelb: Gold
- Rot: Immobilien
In der Gesamtbetrachtung liegt der Aktienmarkt langfristig vorne. Gold verhält sich unterschiedlich zu Aktien und kann als Beimischung sinnvoll sein – gerade in den letzten Jahren ist Gold stark gestiegen. Der Vorteil der Honorarberatung: Wir müssen dir kein teures Goldprodukt verkaufen, sondern können einfach empfehlen, Gold physisch zu kaufen. Immobilien haben im Vergleich weniger gut abgeschnitten, sind aber ein eigenes Kapitel mit eigenen Regeln. Hier zwei Artikel-Empfehlungen:
Doppel-Nettopolizzen vs. Nettopolizzen: ETFs
Ein Unterschied, der zuletzt immer öfter nachgefragt wird. Zum Verständnis: Es gibt zwei Provisionsebenen. Ebene 1 ist die Provision an den Vermittler. Ebene 2 sind Provisionen, die aus den investierten Fonds an Anbieter oder Vermittler fließen. Eine Nettopolizze streicht Ebene 1. Eine Doppel-Nettopolizze streicht beide.
Wer ausschließlich in ETFs investiert, sieht in der Grafik: Die Ergebnisse von Doppel-Nettopolizze und Nettopolizze sind sehr ähnlich – ETFs zahlen keine Fondsprovisionen, Ebene 2 fällt also ohnehin weg.
Warum wir trotzdem zur Doppel-Nettopolizze raten? Wegen der Flexibilität. Die Zeichen deuten darauf hin, dass aktives Management in den nächsten 5 bis 10 Jahren wieder an Bedeutung gewinnt. Solche Produkte sind auf Jahrzehnte ausgelegt – da lohnt es sich, die Option offenzuhalten, ohne Kostennachteil umschichten zu können.
Doppel-Nettopolizzen vs. Nettopolizzen: aktive Fonds
Sobald aktive Fonds ins Spiel kommen, wird der Unterschied dramatisch. Ein konkretes Beispiel aus dem Webinar: der Comgest Growth Global, ein und derselbe Fonds.
- Bei der ÖBV: laufende Kosten 2,21 % pro Jahr
- Bei der Standard Life: laufende Kosten 1,11 % pro Jahr
Dieselbe Veranlagung, dieselbe Qualität – aber 1,1 % Kostenunterschied pro Jahr. Über 30 Jahre macht das rund 45.000 Euro aus.
Der Grund: Fondsgesellschaften verrechnen bei manchen Anbietern höhere Gebühren und geben die Differenz als Provision weiter. In der Doppel-Nettopolizze fließen stattdessen Clean-Shares ein – provisionsfreie Anteilsklassen aktiv gemanagter Fonds, bei denen keine versteckten Provisionen dein Ergebnis schmälern.
Fazit
Es ist tatsächlich möglich, mit einem 300-Euro-Sparplan allein durch die Optimierung von Kosten, Steuern und Qualität über 30 Jahre rund 60.000 Euro mehr herauszuholen. Als Faustregel gilt: Pro 100 Euro Monatssparplan über 30 Jahre bei 7 % Marktrendite sind es rund 20.000 Euro Unterschied – dasselbe gilt für einen Einmalerlag von 10.000 Euro.
Die drei Schritte dorthin:
- Grundstruktur verstehen: Hast du Mitspracherecht bei der Veranlagung? Bist du zinsabhängig? Wie verhält sich dein Produkt zur Inflation?
- Qualität und Kosten messen: Kosten sind das am besten messbare Kriterium – und der größte Hebel. Prüfe beide Provisionsebenen.
- Konkret handeln: Handlungsoptionen für einzelne Produkte prüfen oder mit einer Gesamtanalyse Strategie und Finanzplan aufsetzen.
Unser Ziel bleibt dasselbe: aus dem Verkäufermarkt Österreich einen Käufermarkt zu machen – mit Konsumentinnen und Konsumenten, die selbstbewusste Entscheidungen auf Basis von Preis und Leistung treffen.
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Häufige Fragen
Vermeide bei der Geldanlage hohe Kosten
Österreicher*innen sparen fleißig, verlieren aber im Schnitt 50 % der Gewinne durch hohe Kosten und Steuern. Leider wird dieses Problem durch intransparente Provisionen und unvollständigen Berechnungen nicht erkannt. Erkenne und vermeide hohe Kosten.