Zu früh oder zu spät? 4 Lehren über den richtigen Zeitpunkt beim Investieren

David Pohl
Autor: David Pohl
Aktualisiert am 30. Juni 2026
„Zu früh“ und „zu spät“ fühlen sich völlig verschieden an – kosten dich aber beide. Gerade ist der Markt teuer wie selten, getrieben von der KI-Euphorie. Warum die erfahrensten Investoren in solchen Phasen lieber zu früh vorsichtig sind, was Mark Cuban dabei goldrichtig gemacht hat – und wie du dich aufstellst, ohne den perfekten Zeitpunkt erraten zu müssen.

Kurz vor der Krise oder noch ewig Zeit?

fynup der richtige zeitpunkt
Selbst eine Glaskugel verrät dir nicht den richtigen Zeitpunkt

Gerade läuft an der Börse etwas, das es selten gibt: Fast alles wird teuer gehandelt. Wer dabei ist, fühlt sich klug – die Kurse steigen ja. Genau in solchen Phasen stellt sich aber die unbequemste Frage überhaupt: Bin ich zu früh, genau richtig, oder schon zu spät dran?

Das ist kein Grund zur Panik – aber ein guter Moment, kurz innezuhalten. Denn „zu früh“ und „zu spät“ fühlen sich entgegengesetzt an, können dich aber beide viel kosten. Dieser Artikel zeigt, was der richtige Zeitpunkt wirklich bedeutet – und warum die ehrlichste Antwort lautet: Niemand kennt ihn.

Die Ausgangslage: Der Markt ist teuer wie selten

Ein nüchternes Maß für „teuer“ ist das Shiller-KGV: eine Kennzahl, die den Kurs des Aktienmarkts ins Verhältnis zum inflationsbereinigten Gewinn der letzten zehn Jahre setzt. Sie zeigt, wie teuer der Markt im langen Schnitt bewertet ist.

Aktuell steht es bei rund 41 – fast so hoch wie in der Dot-Com-Blase im Jahr 2000. Warum breite ETFs diese teure Bewertung automatisch mitkaufen, haben wir zuletzt ausführlich beschrieben: unser Artikel zum Shiller-KGV.

Und einer der bekanntesten Investoren der Welt sagt dazu einen klaren Satz: Raus aus US-Aktien! Aber wer ist dieser Mann – und warum hört man ihm überhaupt zu?

Wer ist Jeremy Grantham – und warum man ihm zuhört

Jeremy Grantham

Jeremy Grantham ist Mitgründer der Investmentfirma GMO und seit Jahrzehnten dafür bekannt, große Übertreibungen früh zu erkennen. Er warnte vor dem Einbruch in Japan 1989, vor dem Platzen der Dot-Com-Blase 2000 und vor der Finanzkrise 2007 – jedes Mal, bevor es krachte.

Heute nennt er den US-Markt die größte Blase der amerikanischen Geschichte. Sein Vergleich: Künstliche Intelligenz sei eine bahnbrechende Idee – genau wie die Eisenbahn und das Internet. Und gerade das macht sie gefährlich. Denn die größten Blasen entstehen rund um die wichtigsten Ideen: Alle sehen, dass die Sache groß wird, alle wollen rein – und investieren viel zu viel auf einmal.

Der Vorwurf: „zu früh“

Hier kommt der Haken. Grantham warnt nicht erst seit gestern – er warnt seit Jahren. Und in diesen Jahren ist der Markt einfach weitergestiegen. Wer auf ihn gehört hat, stand zwischenzeitlich wie jemand da, der die Party zu früh verlassen hat.

Das ist ihm schon einmal passiert: Vor dem Crash 2000 hielt seine Firma die teuren Aktien für gefährlich – und verlor in den zwei Jahren davor die Hälfte ihrer Kundengelder, weil der Markt erst noch weiterstieg und viele Kunden die Vorsicht für einen Fehler hielten. Erst danach kam der Absturz, und er behielt recht.

Der Held dieser Geschichte ist also gleichzeitig ihr Mahnmal: Selbst wer am Ende recht hat, kann lange „zu früh“ wirken.

Was „zu früh“ heißt – die Sicht der Optimisten

Damit es fair bleibt: Die Optimisten haben gute Argumente. In einem starken Markt wird enorm viel Geld verdient. Jeder will dabei sein. Im Kaffeehaus reden plötzlich alle über ETFs, und auch wer noch nie etwas mit Börse zu tun hatte, legt sein Erspartes an.

Und für viele ist das richtig. Wer langfristig und regelmäßig investiert, fährt über Jahrzehnte meist gut – Schwankungen inklusive. Auch Grantham bestreitet nicht, dass KI die Welt verändert. Die Eisenbahn hat sie schließlich auch verändert. Nur: Trotzdem gab es danach einen brutalen Absturz, weil zu viel Geld zu schnell hineingeflossen war.

Genau das ist der Punkt, an dem aus „dabei sein“ ein Risiko wird.

Die andere Gefahr: „zu spät“

Denn man kann auch zu spät dran sein – und dann verliert man richtig. Wenn alle schon drin sind, zahlen die letzten Käufer den höchsten Preis. Und die Erholung dauert oft viel länger, als man denkt.

Zwei nüchterne Zahlen: Nach dem Platzen der Dot-Com-Blase fielen viele Technologiewerte um über 90 Prozent. Und der japanische Markt brauchte nach seinem Hoch von 1989 rund 35 Jahre, um sich wieder zu erholen. Wer zum falschen Zeitpunkt voll dabei war, hat ein halbes Anlegerleben verloren.

„Zu spät“ fühlt sich im Moment großartig an – und schlägt am härtesten zu.

Was ist besser – zu früh oder zu spät? Die Geschichte von Mark Cuban

Mark Cuban Shark Tank Yahoo

Die schönste Antwort auf diese Frage liefert ein Mann, den du vielleicht aus „Shark Tank“ kennst, der US-Version von „2 Minuten, 2 Millionen“: Mark Cuban, Unternehmer und langjähriger Besitzer eines NBA-Basketballteams.

1999 verkaufte Cuban seine Internetfirma Broadcast.com an Yahoo – für 5,7 Milliarden Dollar. Der Haken: Er bekam kein Bargeld, sondern Yahoo-Aktien. Und er durfte sie ein halbes Jahr lang nicht verkaufen. Sein ganzes Vermögen hing also an einer einzigen, völlig überhitzten Aktie.

Cuban schaute sich um, sah lauter Firmen, die nur Geld verbrannten, und ahnte: Das kann nicht halten. Also baute er eine Art Versicherung um seine Aktien – ein Konstrukt, das nach unten absicherte und im Gegenzug einen Teil der möglichen Gewinne nach oben abgab. Kostenpunkt: praktisch null.

Eine Zeit lang sah er damit aus wie ein Narr. Yahoo stieg weiter, und Cuban hatte seinen Gewinn freiwillig gedeckelt. „Zu früh“, sagten die anderen. Einige seiner Freunde, die ebenfalls Yahoo-Aktien hielten, machten nicht mit – und verloren später viel Geld.

Denn dann kam der Crash. Yahoo stürzte ab, von über 200 Dollar auf rund 13. Wer einfach gehalten hatte, verlor rund 86 Prozent. Cuban dagegen war geschützt und behielt über eine Milliarde – das Fundament für alles, was danach kam, inklusive seines Basketballteams.

Sein Satz dazu ist legendär: Schweine werden fett, gierige Schweine werden geschlachtet. Man muss nicht den letzten Cent mitnehmen.

Und jetzt das Entscheidende: Cuban ist nicht in Panik geflohen. Er ist investiert geblieben – aber abgesichert. Das ist der Unterschied zwischen Panik und Plan.

Die ehrliche Wahrheit: Niemand kennt den Zeitpunkt

Was lernen wir daraus? Den perfekten Zeitpunkt kennt niemand. Nicht du, nicht dein Berater, nicht einmal Jeremy Grantham – der ja selbst regelmäßig „zu früh“ ist. Im starken Markt wirkt ohnehin jeder wie ein Genie.

Die Schlussfolgerung ist deshalb nicht: „Sag den Crash voraus.” Sondern: „Stell dich so auf, dass du keinen perfekten Zeitpunkt brauchst.”

Granthams Empfehlungen für genau diese Lage lassen sich auf vier Punkte bringen:

  1. Breit streuen – nicht alles auf eine Karte legen, schon gar nicht auf einen einzigen Markt.
  2. Weg von der US-Lastigkeit – mehr außerhalb der USA, etwa Europa und Schwellenländer.
  3. Ein wenig Gold oder Silber als Puffer für unruhige Zeiten.
  4. Anleihen mit ordentlicher Verzinsung als Gegengewicht zu den Aktien.

Was heißt das für dich in Österreich?

Ein wichtiger Zwischenruf: Granthams Tipps sind für US-Anleger gedacht. Du kannst sie nicht eins zu eins kopieren – er verweist zum Beispiel direkt auf US-Staatsanleihen.

Was bleibt, ist das Prinzip dahinter: streuen, absichern und dabei Kosten und Steuern im Griff haben. Und es steckt ein unbequemes Signal darin: Wenn plötzlich gefühlt jeder „ETF im Depot“ haben will, ist genau dieses Gedränge ein Grund, sich ein Stück weit anders aufzustellen als die Masse.

Das ETF-Problem, das viele nicht sehen

Ein breiter ETF klingt nach maximaler Streuung. Aber er kauft nach Größe, nicht nach Preis. Dadurch steckt in einem „breiten“ Welt-ETF heute ein erstaunlich großer Anteil weniger, sehr teurer US-Technologiewerte – also genau die Wette, vor der Grantham warnt. „Breit gestreut“ ist damit zu einem guten Teil eine Illusion.

Streuen heißt deshalb auch: nicht nur ETF. Sondern bewusst ergänzen.

Das ist kein Grund, ETFs zu verteufeln – sie bleiben eine sinnvolle Realoption. Aber gerade jetzt lohnt eine Beimischung, die anders funktioniert.

Die Alternative: aktiv gemanagt, kostengünstig, steuerklug

Laufzeit 15 Jahre, 4 Monate - Einmalzahlung: € 100.000,00
CHART
Externer Link Im fynup-Rechner öffnen

In Rot siehst du einen europäischen ETF (MSCI Europe SRI UCITS) in einem günstigen Online-Depot, in Blau die Alternative, eine europäische Clean-Share-Klasse.

Ein passiver ETF muss die teuren Werte mitkaufen, weil er den Index abbildet. Ein aktiv gemanagter Fonds kann sich gezielt anders aufstellen – etwa weg von der Übertreibung, hin zu günstiger bewerteten Märkten. Das ist kein Selbstläufer, aber genau die Beweglichkeit, die ein Index nicht hat.

Der Haken bei klassischen aktiven Fonds sind die Kosten. Genau hier setzen Clean-Shares an: Clean-Shares sind provisionsfreie Anteilsklassen aktiv gemanagter Fonds – die Fonds, die dir niemand verkauft, weil an ihnen niemand mitverdient. In Österreich sind sie nur über die Doppel-Nettopolizze zugänglich – wie in Blau gezeigt.

Und die Doppel-Nettopolizze ist ein provisionsfreier Versicherungsmantel, der die Kosten gleich auf zwei Ebenen senkt – beim Fonds und bei der Versicherung – und dabei den Steuervorteil der Lebensversicherung nutzt.

Der Kernsatz dazu: Clean-Shares können einen ETF schlagen, wenn die Kosten niedrig bleiben. Niedrige Kosten plus Steuervorteil machen aus der Beweglichkeit des aktiven Fonds erst einen echten Vorteil.

Warum gerade jetzt ein unabhängiger Blick zählt

Und hier ist Granthams vielleicht wichtigster Satz – einer, der direkt dein Geld betrifft: Von deinem Berater wirst du in der Regel niemals den Rat bekommen, rechtzeitig vorsichtig zu werden. Nicht, weil er ein schlechter Mensch ist, sondern weil es für das übliche, provisionsgetriebene Geschäft schlicht nicht gut wäre. Das ist ein strukturelles Problem, kein persönliches.

Deshalb zählt ein wirklich unabhängiger Blick – eine Beratung, die nur dir verpflichtet ist und nicht der Provision. Genau das ist Honorarberatung. fynup digitalisiert diese Honorarberatung und macht sie so für alle leistbar. Denn gerade jetzt braucht es mehr als nur den günstigsten ETF.

Drei Möglichkeiten für deine nächsten Schritte:

  • Du hast schon eine Geldanlage? Prüf deine Geldanlage – auf Kosten und Steuer, ehrlich und mit Marktvergleich. Oft zeigt sich erst dabei, wie viel an versteckten Kosten dir wirklich abgezogen werden.
  • Du willst dich auf turbulente Zeiten vorbereiten? Hol dir eine unabhängige Honorarberatung – und je mehr Know-how du vorher schon hast, desto effizienter wird sie. Das nötige Wissen findest du hier.
  • Du besitzt bereits ETF? Informiere dich jetzt näher über Clean-Shares und wie du sie am besten beimischt – oder dir zumindest die Option offenhältst.

Kein Grund zur Panik. Aber ein guter Grund für einen Plan.

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Häufige Fragen

Ist es besser, an der Börse zu früh oder zu spät dran zu sein? Beides hat einen Preis: „Zu früh” kostet entgangene Gewinne, "zu spät" kann einen großen Teil des Vermögens kosten. Den perfekten Zeitpunkt trifft ohnehin niemand – entscheidend ist nicht das Timing, sondern Streuung und Absicherung.

Kann man den richtigen Zeitpunkt an der Börse vorhersagen? Nein. Selbst sehr erfahrene Investoren liegen beim Timing regelmäßig daneben und sind oft Jahre „zu früh“. Sinnvoller ist, sich so aufzustellen, dass man keinen perfekten Zeitpunkt braucht.

Was sind Clean-Shares? Clean-Shares sind provisionsfreie Versionen aktiv gemanagter Fonds – die Fonds, die dir niemand verkauft, weil an ihnen niemand mitverdient. In Österreich sind sie nur über die Doppel-Nettopolizze zugänglich.

Was ist die Doppel-Nettopolizze? Ein provisionsfreier Versicherungsmantel, der die Kosten auf zwei Ebenen senkt – beim Fonds und bei der Versicherung – und dabei den Steuervorteil der Lebensversicherung nutzt.

Informationen in diesem Artikel sind allgemein und nicht als Beratung oder Empfehlung zu verstehen. Trotz größter Sorgfalt können wir keine Gewähr für die Eignung, Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität und Verfügbarkeit der unverbindlich zur Verfügung gestellten Informationen übernehmen. Eine Haftung der fynup GmbH ist daher in jedem Fall ausgeschlossen. Performanceergebnisse der Vergangenheit, Berechnungen und Aussagen über Gewinn und Rendite basieren auf Annahmen und lassen keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Jede Veranlagung bringt hohe Verlustrisiken – bis hin zum Totalverlust - mit sich. Es gelten alle Haftungsbegrenzungen der Funktionsbeschreibung.
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