Das eindrücklichste Beispiel liefert ausgerechnet jenes Land, das als Musterschüler der bargeldlosen Gesellschaft galt.
In Schweden bezahlten zuletzt nur noch rund fünf Prozent der Befragten ihren letzten Einkauf im Geschäft mit Scheinen und Münzen. Praktisch alles läuft über Karte oder den Bezahldienst Swish. Und genau dort gilt seit 1. Juli 2026 ein neues Gesetz: Lebensmittelgeschäfte und Apotheken müssen Bargeld wieder annehmen.
Die Begründung der Regierung hat zwei Teile. Erstens sollen Menschen ohne digitale Zahlungswege weiterhin Lebensmittel und Medikamente kaufen können – es geht also um Teilhabe. Zweitens soll das Zahlungssystem widerstandsfähiger werden. Verwiesen wird dabei auf die veränderte geopolitische Lage, technische Ausfälle und Cyberangriffe: Im Frühjahr 2025 waren die zentralen Dienste BankID und Swish mehrfach durch Angriffe gestört.
Parallel dazu empfiehlt die schwedische Zentralbank seit März 2026 jedem Haushalt, rund 1.000 Kronen pro erwachsener Person in verschiedenen Stückelungen zu Hause zu haben – gedacht als Reserve für notwendige Einkäufe über etwa eine Woche.
Zur Ehrlichkeit gehört die Einschränkung: Das Gesetz ist schwächer, als die Schlagzeile klingt. Es gilt nur für Güter des täglichen Bedarfs und Geschäfte mit besetzter Kassa, kennt Ausnahmen für automatisierte Läden, begrenzt die Zahl der Münzen pro Zahlung und sieht keine klaren Sanktionen vor. Der schwedische Gesetzesrat hielt die Regelung deshalb für wenig wirksam.
Trotzdem bleibt die Richtung bemerkenswert. Und Schweden steht nicht allein: Im US-Bundesstaat New York untersagt seit März 2026 ein Gesetz Lebensmittel- und Einzelhandelsgeschäften, Barzahlung zu verweigern.