Für sich genommen ist diese Operation eine technische Devisenmaßnahme mit einer diplomatischen Ungeschicklichkeit. Interessant wird sie erst, wenn man sie in eine Reihe stellt.
Denn sie steht nicht allein. Die Bewertungen am US-Aktienmarkt liegen auf Niveaus, die historisch selten waren und in der Vergangenheit meist magere Folgejahrzehnte ankündigten. Indizes nehmen Unternehmen mit gewaltigen Bewertungen auf, deren Geschäftsmodell noch beweisen muss, dass es diese Bewertung trägt. Der bekannteste Investor der Welt sitzt auf einem Bargeldberg in Rekordhöhe, statt zu kaufen. Die privaten Kreditmärkte sind in einem Jahrzehnt auf eine Größe gewachsen, die kaum jemand vollständig überblickt, weil dort nicht nach Marktpreisen bewertet wird, sondern nach Modell.
Jede einzelne dieser Beobachtungen lässt sich erklären. Zusammen ergeben sie ein Bild: Die Finanzmärkte sind angespannter und anfälliger, als es die ruhige Oberfläche vermuten lässt.
Das Besondere an der Yen-Intervention ist nicht ihre Größe, sondern woher die Bestätigung kommt. Über Bewertungen kann man streiten, Bargeldberge kann man deuten. Hier aber hat der Akteur mit dem besten Informationsstand und dem stärksten Anreiz zu schweigen durch sein Handeln gezeigt, wie er die Lage einschätzt. Und er war bereit, dafür einen erheblichen Preis zu zahlen: das Vertrauen eines Partners, den er beim nächsten Mal wieder brauchen wird.
Aus einer Position echter Stärke wäre nichts davon nötig gewesen. Man verkauft nicht fremde Währung und verstimmt keine Verbündeten, wenn man den einfacheren Weg gehen kann.
Panik wäre trotzdem die falsche Antwort, und zwar aus einem nüchternen Grund: Sie ändert nichts. Niemand weiß, wann etwas passiert, und wer aus solchen Signalen Zeitpunkte ableitet, verliert mehr, als er schützt.
Was bleibt, ist eine unbequemere Aufgabe. Der Unterschied zwischen jemandem, der einen Einbruch übersteht, und jemandem, der ihn nicht übersteht, entsteht nicht am Tag des Einbruchs. Er entsteht in den Jahren davor: bei der Frage, wie viel Währungsrisiko man unbemerkt trägt, wie konzentriert man tatsächlich veranlagt ist, und wie viel von der Rendite Jahr für Jahr an Kosten abfließt, bevor überhaupt etwas passiert.
Diese Fragen kann man heute beantworten. Den Zeitpunkt nicht.