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Gute Geschichten, schlechte Geschäfte in 30 Jahren der Geldanlage

Wolfgang Staudinger
Autor: Wolfgang Staudinger
Aktualisiert am 17. September 2026
In 30 Jahren in der Finanzbranche habe ich viele gute Geschichten erlebt, die für Anlegerinnen und Anleger zu einem schlechten Geschäft wurden. Der rote Faden ist immer derselbe: Nicht die These war falsch, sondern der Preis. Hier die wichtigsten Beispiele aus drei Jahrzehnten und was du daraus für heute lernen kannst.

30 Jahre gute Geschichten - ich war dabei

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In diesem Artikel schauen wir uns an, was in den letzten 30 Jahren aus guten Geschichten der Geldanlage geworden ist und was wir daraus für heute lernen können. Ich versuche auch zu vermitteln, wie es sich angefühlt hat, denn ich war live dabei. Es macht einen Unterschied, ob man Geschichten hört, bei denen man dabei war, denn der Mensch erinnert sich an Emotionen und an das - im nachhinein erkennbare - ignorante, gierige und unreflektierte Verhalten der Massen - und von sich selbst.

Wir kommen zur aktuellen Top-Geschichte, das ETF-Weltportfolio als unschlagbare Anlagestrategie. Es scheint so, als sei der "heilige Gral der Geldanlage" gefunden worden, weil unzählige wissenschaftliche Studien dies belegen und die Börsen diese These bis heute (17. September 2026) bestätigen. Warnsignale, wie zunehmende Konzentration der Marktkapitalisierung in immer weniger Unternehmen mit zunehmend hohen Kurs-Gewinn-Verhältnissen, aberwitzige Preise bei Neuemissionen und viele weitere werden dabei (wieder?) ignoriert.

Wir zeigen dir auch, wo wir aktuell stehen und wie du dich jetzt positionieren kannst.

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1997 bis 2003: Aufbau und Platzen der Dotcom-Blase

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Beginnen wir im Jahr 1997: Die ersten Technologie-Branchenfonds (Rot) wurden aufgelegt, nachdem immer mehr Tech-Unternehmen, wie die Deutsche Telekom (siehe nachsehend) an die Böse kamen um sich frisches Geld für Investitionen zu beschaffen.

Beginn und Euphorie

Die Grafik zeigt den extremen Anstieg zu Beginn: Wer im Dezember 1997 10.000 Euro in diesen Tech-Fonds (Rot) investierte, durfte sich zweieinhalb Jahre später,  zum Höhepunkt der Blase im Sommer 2000, über 30.000 Euro Gewinn freuen. Der Kapitaleinsatz wurde in kurzer Zeit vervierfacht.

Ich kann mich deshalb sehr gut daran erinnern, weil ich selbst genau in diesen Fonds Anfang 1999 einen kleinen Betrag investierte und in nur einem Jahr rund 200 % Gewinn machte. Wie viele andere auch, sahen wir angesichts dieser "einfachen" passiven Einkommen sehr positiv in unsere finanzielle Zukunft. Einige meinten, nicht mehr lange Arbeiten zu müssen, die Euphorie war riesig.

Die Faszination des damals neuen Internet und der Telekomminikation erfasste alle Branchen, auch breit gestreute, globale Fonds (Gelb) verdoppelten das Kapital der Anleger in nur 2,5 Jahren.

Höhepunkt und Enttäuschung

Ich kann mich aber auch sehr gut daran erinnern, dass es zu Beginn viele Skeptiker gab und wie diese Skeptiker nach und nach weniger wurden und ebenfalls begannen zu investieren. Der Blick war rückwärts gerichtet, es gab immer mehr Geschichten vom schnellen Reichtum (auch wenn es nur meist kleine Summen waren, es zählten die Prozente, nicht die Eurobeträge).

Auch diejenigen, die sehr früh "dabei waren" kauften meist nahe am Höhepunkt nach, womit sich der durchschnittliche Einkaufspreis verteuerte. Es gab auch viele "mutige", die bei den ersten Kurseinbrüchen nachkauften in der Erwartung, dass es nur ein kurzer Einbruch wäre und die Kurse bald wieder in gewohnter Manier steigen werden.

Als Anfang 2001 die Kurse der Tech-Aktien implodierten war die Tech-Party vorbei, das Ereignis von 9/11 war dann noch die Draufgabe, die Dotcom-Blase war geplatzt. Anleger:innen, die auf in Tech-Fonds investierten, verloren 90 % und mehr, diejenigen die in breit gestreute Aktienfonds investierten und im Jahr 2000 zu Höchstständen eingestiegen waren, verloren ebenfalls bis zu 60 % im März 2003.  

Zuversicht und Durchhaltevermögen

Eines zeigen die beiden Charts oben aber auch deutlich: Diejenigen, welche nicht nur auf den Tech-Boom (Rot) gesetzt, sondern weltweit und in allen Branchen breit gestreut investiert haben (gelb) UND die an den Börsen nötige Zuversicht und Durchhaltevermögen hatten, haben trotz teurer Kaufkurse  im Jahr 2000 bis heute gute Gewinne eingefahren. Diejenigen, welche mit einem Sparplan investierten oder nicht nur an den teuersten Momenten gekauft haben, dürfen sich über noch viel höhere Gewinne freuen.

Damit möchte ich lediglich zu verstehen geben, dass wir immer beide Seiten der Medaille betrachten sollten. Dazu gegen Ende des Artikels mehr.  

Die Volksaktie Deutsche Telekom

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Die Geschichte stimmte, der Preis nicht

Schauen wir eine Ebene unter Fonds und ETFs und betrachten wir die Unternehmen dahinter. Der Aufstieg und Fall der Volksaktie Deutsche Telekom wurde im Oktober 2003 im Manager Magazin sehr gut beschrieben. Die Stimmung war euphorisch, sämtliche Medien und auch die Politik sprachen von der Volksaktie und übernahmen die Glaubenssätze der Manager.

"Die  T-Aktie wird so sicher wie eine vererbbare Zusatzrente sein." Ron Sommer, CEO T-Aktie 1995 bis 2002

Beginn und Euphorie

Im November 1996 ging die T-Aktie zu 14,57 Euro an die Börse, fünffach überzeichnet. 1,9 Millionen Privatanleger waren dabei, 650.000 (fast ein drittel) investierten davon zum ersten Mal überhaupt in Aktien. 1999 folgte die zweite Tranche zu 39,50 Euro, im Jahr 2000 die dritte zu 66,50 Euro emittiert, und selbst die war noch 3,5-fach überzeichnet. Diese enorme Begeisterung wurde auch intensiv angefeuert: Rund 600 Millionen D-Mark flossen allein in Werbung.

Die Geschichte war richtig, der Preis war zu hoch

Die Geschichte war inhaltlich richtig: Das Internet kam, der Mobilfunk kam, die Telekom gibt es bis heute. Gewinne wurden erwirtschaftet, nur nicht in dem Ausmaß, das der Preis vorweggenommen hatte.

Viele haben damals in den Rückspiegel geschaut und nur den steilen Anstieg der Kurse der Vergangenheit gesehen: 400 % in vier Jahren. Kaum jemand hat gefragt, ob der Preis noch zum Wert des Unternehmens passt. Der Kurs stieg auf 103 Euro und fiel bis 2002 auf 8,42 Euro, im Tief auf 7,71 Euro. Heute (2026) liegt er bei rund 30 Euro.

Die Auswirkung für Privatanleger

Ich kann mich wirklich sehr gut daran erinnern, wie die Stimmung nach dem Platzen der Dotcom-Blase war: Niemand, wirklich Niemand hat über Aktien gesprochen, die einhellige Meinung war: NIE WIEDER AKTIEN! Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass alleine bei der Telekom 650.000 Konsument:innen zum ersten mal eine Aktie kaufen mit der sie 90 % verloren nach wenigen Jahren. Das traurige dabei ist, dass diese Verlierer von den enorm positiven Entwicklungen der Folgejahre bis heute nichts hatten.

Cisco: kurzzeitig das wertvollste Unternehmen der Welt

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Gibt es Parallelen von Nvidia zu Cisco?

Cisco stieg am Höhepunkt auf über 200 Dollar und fiel dann auf 8,70 Dollar. Aus dem Internetausrüster von damals ist längst ein breit aufgestelltes Unternehmen mit Cloud, Sicherheit und KI-Software geworden.

Wer zwischen 2003 und 2015 gekauft hat, hat ein sehr gutes Unternehmen zu einem günstigen Preis bekommen. Wer 1999 oder 2000 am Höhepunkt eingestiegen ist, hat für dasselbe Unternehmen ein Vielfaches bezahlt. Auch hier war nicht die Geschichte falsch, sondern der Preis.

2003 bis 2015: Die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge

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2003 war das Wort Aktie nicht mehr positiv besetzt. Es begann das Zeitalter der Garantie-Produkte.

Genau da kam unter Schüssel/Grasser die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge. Die Geschichte war wieder gut: staatliche Förderung, Steuerfreiheit, Kapitalgarantie, Modellrechnungen mit Renditen bis 9 Prozent. Das Produkt galt als eierlegende Wollmilchsau und wurde millionenfach verkauft.

Der Konstruktionsfehler zeigte sich erst nach 2008

Nach der Finanzkrise wurden die versprochenen Aktienquoten von bis zu 40 Prozent über Devisen-Termingeschäfte einseitig auf bis zu 0 Prozent zurückgefahren. Wer 25 Jahre lang 100 Euro monatlich eingezahlt hat, hat 30.000 Euro eingezahlt und steht bei vielen Verträgen nominell noch immer im Minus oder knapp im Plus.

Warum die Kapitalgarantie das eigentliche Problem ist

Entscheidend ist die Inflation. Um die Kaufkraft zu erhalten, wäre bei diesem Sparplan ein Gewinn von knapp 14.000 Euro nötig gewesen. Das gilt für Kapitalgarantieprodukte generell: Die Garantie bezieht sich immer nur auf den nominellen Wert, nie auf den inflationsbereinigten. Rechne dabei eher mit 3 Prozent realer Inflation als mit den 2 Prozent, welche die EZB anstrebt.

Die Uniqa hat das Produkt vor Jahren eingestellt, die Wiener Städtische verkauft es bis heute. Für die langfristige Altersvorsorge ist es aus meiner Sicht nach wie vor nicht geeignet. Der große Gewinner war die Finanzindustrie mit sehr hohen Gebühren. Für sie stimmte die Rechnung, für die Konsumentinnen und Konsumenten nicht.

Hast du auch so eine PZV?

Gut möglich, dass du auch betroffen bist – finde jetzt kostenlos raus, was du tun kannst.

2003 bis 2007: Die "sicheren " Immobilienaktien

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Immofinanz und Meinl European Land waren der Verkaufsschlager in Österreich

Ebenso wurden Immobilienaktien immer beliebter. Hier überwog der Wortteil "Immobilie", der zweite Teil "Aktie" wurde ausgeblendet.  Grund dafür war die gleichmäßige, stetige Kursentwicklung: Diese und andere Immobilienaktien konnte das Platzen der Dotcom-Blase offensichtlich nichts anhaben, die Kurse (der Preis) stiegen von 2000 bis 2007 bei hohen Renditen gleichmäßig. Wer 2005 oder 2006 warnte, wurde ignoriert. Genau das ist das Muster: Je länger eine positive Vergangenheit dauert, desto schwerer fällt es, sich davon zu lösen.

Die Geschichte war die stabile Immobilie, nicht die Aktie. Bei einer Immobilie weiß man was man hat, im Gegenteil von Aktien, so der weitverbreitete - aber falsche - Wortlaut damals. Verkauft wurden Immobilienaktien überwiegend vom damaligen AWD und anderen sogenannten Strukturvertrieben, aber auch von Vermögensberatern, Maklern und Banken.

Dass Kurse von Immobilienaktien sehr wohl fallen können, erkannten viele erst nach dem Platzen der Immobilienblase. 2007 kollabierte das System, weil Preis und Wert nicht mehr übereinstimmten. Der Einbruch kam einem Totalverlust nahe. Wie bei der Dotcom-Blase erwischte es wieder viele Kleinanleger, welche erst kurz vor oder am Höhepunkt zwischen 2005 und 2007 eingestiegen waren.

Bis heute hat sich diese Aktie nicht erholt, obwohl Immobilien allgemein in den letzten 20 Jahren enorm gestiegen sind. Die Immofinanz AG firmiert heute als CPI Europe AG (ISIN: AT0000A21KS2). Die Aktie dümpelt seit 2010 ohne nennenswerte Gewinne, obwohl die Immobilienpreise stark gestiegen sind. Die Geschichte Immobilie stimmte in den letzten 20 Jahren, nur der Preis von Immobilienaktien war zu hoch und der Schein stabiler, gleichmäßiger Preisentwicklungen war falsch.

Auch eine zweite, viel verkaufte Immobilienaktie, Meinl European Land ereilte ein ähnliches Schicksal, diese wurde in Atrium European Real Estate umbenannt und ist seit 2022 nicht mehr an der Börse notiert (Delisting).

2003: Die Portfoliotheorie von Markowitz

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Die Effizienzlinie (Efficient Frontier)

Harry Markowitz wies 1952 mathematisch nach, dass sich das Gesamtrisiko eines Portfolios deutlich senken lässt, wenn man Anlageklassen kombiniert, die nicht gleich laufen. Dafür gab es den Nobelpreis. Eine der praktischen Ableitungen lautete: Mische 20 bis 30 Prozent Managed Futures bei, also Terminkontrakte, die auch bei fallenden Kursen gewinnen können.

Was besagt die Effizienzlinie (Efficient Frontier)?

Die Effizienzlinie beschreibt die Menge aller optimalen Portfolios, die bei einem bestimmten Risikoniveau die maximale erwartete Rendite abwerfen – oder umgekehrt: die bei einer gewünschten Rendite das minimale Risiko aufweisen.

  • Der ineffiziente Raum: Alle Kombinationen von Wertpapieren, die unterhalb dieser Kurve liegen, sind ineffizient. Warum? Weil man bei gleichem Risiko eine höhere Rendite erzielen könnte, wenn man das Portfolio besser mischt.
  • Der unmögliche Raum: Punkte oberhalb der Effizienzlinie sind mit den am Markt verfügbaren riskanten Wertpapieren rein rechnerisch nicht erreichbar.
  • Das Minimum-Varianz-Portfolio: Der am weitesten links liegende Punkt der Kurve. Er stellt das Portfolio mit dem absolut geringsten Gesamtrisiko dar.

Die Kernaussage für dich als Anleger

Wenn du dein Geld anlegst, solltest du dich laut Markowitz immer auf der blauen Linie bewegen. Ein einzelner Vermögenswert (wie nur eine einzige Aktie) liegt fast immer weit rechts unterhalb der Kurve. Erst durch das Hinzufügen von unkorrelierten Werten (z. B. Anleihen, Rohstoffe oder weltweite ETFs) verschiebst du dein Portfolio nach links oben in Richtung der Effizienzlinie.

Superfund: Die Praxis widerspricht der Wissenschaft

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Managed Futures seit 2008 massiv im Verlust

Superfund war einer der bekanntesten Anbieter und 2003 das Thema schlechthin. In den Jahren davor waren jährlich 20 bis teilweise 60 Prozent Rendite möglich, und das genau in der Zeit, in der sich Aktienkurse halbierten. Theorie und Realität schienen sich zu bestätigen.

Ab 2007 gingen fast zwei Drittel des eingesetzten Kapitals verloren, während Aktien wieder stark stiegen. Auch ein wissenschaftlich begründeter Ansatz muss im Einzelfall geprüft werden. Ob ein Instrument zu dir passt, entscheidet nicht der Nobelpreis.

2005: BRIC, die vier aufstrebenden Volkswirtschaften

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Brasilien, Russland, Indien, China. Rund zwei Jahre lang sprach jeder davon, dass man BRIC unbedingt beimischen müsse. Das Ergebnis: Die Inflation konnte nach Kosten und Steuern knapp ausgeglichen werden, für das eingegangene Aktienrisiko war das aber zu wenig. Ein global gestreuter Index hätte deutlich mehr gebracht.

2008: Multi-Asset-Fonds als Antwort auf die Finanzkrise

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Multi-Asset-Fonds hatten 2007 bis 2009 vergleichsweise wenig verloren und sich schnell erholt, während reine Aktienfonds bis zu 50 Prozent nachgaben. Die Reaktion der Branche: raus aus Aktien, rein in Multi-Asset.

Der Fehler lag im Zeitpunkt. Richtig gewesen wäre der Wechsel vor der Krise. Wer danach umschichtete, hat den Verlust mitgenommen und die anschließende Erholung verpasst. Seit 2011 sind die Ergebnisse entsprechend schwach.

Multi-Asset-Fonds im Vergleich

Laufzeit 15 Jahre - Einmalzahlung: € 10.000,00
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Der Chart zeigt drei Wege mit derselben Einmalzahlung über denselben Zeitraum. Die rote Linie ist der Multi-Asset-Fonds im klassischen Wertpapierdepot, also genau das, worin viele nach 2009 umgeschichtet haben. Die gelbe Linie ist ein global gestreuter Welt-ETF in einem günstigen Online-Depot. Die blaue Linie zeigt ein aktiv gemanagtes Aktienportfolio in der Doppel-Nettopolizze, also provisionsfrei und ohne Kapitalertragsteuer.

Der Abstand zwischen den Linien entsteht nicht durch eine bessere Prognose, sondern durch zwei Dinge: durch die Aktienquote und durch die Kosten. Der Multi-Asset-Fonds hat in der Krise weniger verloren, danach aber auch deutlich weniger gewonnen. Wer die Schwankung vermeiden wollte, hat langfristig mit Rendite dafür bezahlt.

2015: Der ETF-Boom und die Finfluencer

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2015 ist Finanzfluss als einer der ersten Finfluencer gestartet.

ETFs gibt es viel länger, als die meisten denken: John Bogle schrieb schon in den 1960er-Jahren über den Vorteil des breiten Marktinvestments, der erste Indexfonds kam um 1980. Der Unterschied zwischen ETF und Indexfonds besteht im Wesentlichen darin, dass ETFs an der Börse gehandelt werden. In Europa wurde das Thema erst ab etwa 2013 bis 2015 breit populär.

Was praktisch alle Finfluencer sagen

  1. Das ETF-Weltportfolio ist das Beste (ACWI oder 70/30, Finanzfluss mittlerweile 50/30/20, Gerd Kommer gilt als ETF-Papst und hat mittlerweile einen eigenen Index).
  2. ETFs sind besser als aktiv gemanagte Fonds (Clean Shares werden nicht diskutiert, weil sie bei Online-Brokern nicht erhältlich sind).
  3. Berater sind unnötig, selber machen ist einfach und besser, gekauft wird bei Plattformen wie Flatex oder Trade Republic.

Wenn die Vorbilder selbst vom passiven Weg abweichen

Sowohl Finanzfluss als auch Gerd Kommer haben das rein passive Investment inzwischen verlassen, begründet mit der zunehmenden Einseitigkeit der Märkte. Kommers Index begrenzt einzelne Unternehmen auf maximal ein Prozent und reduziert den USA-Anteil. Was zuvor kritisiert wurde, wird nun selbst praktiziert.

ETFs sind grundsätzlich eine gute Sache, wir vermitteln sie selbst. Passives Investieren ist aber vor allem dann sinnvoll, wenn die Bewertungen normal sind. Derzeit sind sie hoch und stark konzentriert. Vorsichtig sollte man immer dann werden, wenn kaum noch hinterfragt wird und alle dieselbe Meinung teilen.

2 Probleme gelöst, 2 Lücken geschaffen

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Die Finanzdienstleistung besteht aus vier Bereichen: Information, Beratung, Vermittlung und Betreuung. Finfluencer haben zwei davon deutlich verbessert, nämlich die Information und den günstigen Zugang zum Kauf. Zwei bleiben offen.

Warum Beratung und Betreuung die offenen Lücken sind

In Österreich werden Berater fast ausschließlich über Provisionen bezahlt, und zwar nur für die Vermittlung, nicht für Beratung oder Betreuung. Das ist ein erheblicher Interessenskonflikt. Die Alternative ist die Honorarberatung: klare Leistungen zu klaren Preisen, unabhängig davon, welches Produkt am Ende gewählt wird.

In der Praxis sehen wir die Folgen täglich. Zu uns kommen Depots, die mehrfach umgeschichtet wurden, weil jede neue Information zu einer neuen Kaufentscheidung geführt hat. Oder Portfolios, in denen inhaltlich identische Produkte unter verschiedenen Namen bei verschiedenen Plattformen mehrfach liegen.

2015 und 2020: steuerfrei und provisionsfrei investieren

Laufzeit 50 Jahre - Einzahlung: € 280,00 monatlich 25 Jahre - Entnahme: € 1.000 monatlich ab 26. Jahr
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Steuerfreies Investieren über eine fondsgebundene Lebensversicherung ist seit 2015 möglich. Das Problem klassischer Provisionspolizzen: Die Kosten heben den Steuervorteil gegenüber dem Wertpapierdepot vollständig auf.

Kapitalertragsteuerfrei zu investieren lohnt sich deshalb nur über eine provisionsfreie Nettopolizze. Der entscheidende Vorteil der Doppel-Nettopolizze ist die Kombination: steuerfrei, provisionsfrei und mit Zugang zu aktivem Management ohne Provisionen.

Die Mutter aller Geschichten: KI

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Wer heute in ETFs investiert, investiert in erheblichem Maß in künstliche Intelligenz. Die These ist grundsätzlich valide, KI wird die Welt verändern. Entscheidend bleibt der Preis.

Was die Zahlen zum KI-Boom sagen

  • Die sieben größten US-Technologiekonzerne machen rund ein Drittel der Marktkapitalisierung des S&P 500 aus, Tendenz steigend. Das ist faktisch eine Wette auf ein einziges Thema, auch für alle, die glauben, breit gestreut zu sein.
  • Seit Jänner 2026 sind weltweit rund eine Billion US-Dollar netto in ETFs geflossen.
  • Die fünf größten Cloud-Konzerne haben für 2026 KI-Investitionen zwischen 775 und 800 Milliarden Dollar angekündigt, finanziert unter anderem über mehr als 220 Milliarden Dollar an neuen Anleihen, weil die eigenen Mittel nicht reichen.
  • Der kombinierte freie Cashflow von Amazon, Microsoft und anderen könnte dadurch von 205 Milliarden Dollar auf rund 94 Milliarden Dollar sinken.
  • Dem gegenüber stehen direkte KI-Erlöse und Aboeinnahmen von erst rund 25 Milliarden Dollar.
  • Analysten wie Joachim Klement halten ein Platzen der KI-Blase für wahrscheinlicher, als es das Platzen der Dotcom-Blase war.

Warum das auch breit gestreute ETFs trifft

Bei Unternehmen mit solidem Kerngeschäft ist diese Entwicklung weniger heikel als bei jenen, die ausschließlich mit KI Geld verdienen. Entweicht hier Luft, zieht das auch breit gestreute ETFs mit hohem Anteil dieser Unternehmen nach unten. Das ist keine Prognose, sondern eine Feststellung zum Verhältnis von Preis und Wert.

Clean Shares: der unbekannte Kostenhebel

Laufzeit 15 Jahre - Einmalzahlung: € 50.000,00
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Ein klassischer aktiv gemanagter Fonds verrechnet oft 2 Prozent Kosten und gibt davon 1 Prozent als Provision an Bank oder Versicherung weiter. Dieser Provisions-Malus ist der Grund, warum ETFs im Vergleich fast immer besser aussehen.

Clean Shares sind provisionsfreie Tranchen desselben Fonds: gleiches Management, gleiche Aktien, aber bis zu 1 bis 1,3 Prozent mehr Rendite für dich. Sie sind derzeit ausschließlich in Doppel-Nettopolizzen verfügbar und kommen in Finfluencer-Vergleichen nicht vor. Rechnet man sie mit, sieht das Bild deutlich anders aus.

Was wir aus der Geschichte lernen sollten

Joseph P. Kennedy und der Schuhputzer:

Kurz vor dem Börsencrash 1929 lässt sich Kennedy die Schuhe putzen, und der Schuhputzer gibt ihm ungefragt Aktientipps. Sein Schluss: Wenn selbst Schuhputzer bestens über Aktien informiert sind, ist der Markt überbewertet. Belegt ist die Anekdote nicht, das Prinzip dahinter schon.

Kennedy verkaufte rechtzeitig zum Höchststand und verdiente mit Leerverkäufen auch an fallenden Kursen. Genau wegen seiner Kenntnis aller legalen und illegalen Tricks der Wall Street ernannte ihn Präsident Roosevelt 1934 zum ersten Vorsitzenden der neu gegründeten Börsenaufsicht SEC. Roosevelt soll das so begründet haben: „Es braucht einen Dieb, um einen Dieb zu fangen.“

André Kostolany: Hartgesottene und Zittrige

Kostolany teilte Marktbewegungen in Phasen und unterschied zwischen den Hartgesottenen, die früh und gegen die Stimmung kaufen, und den Zittrigen, also der breiten Masse, die erst in der Übertreibungsphase einsteigt. Genau dann, wenn die Geschichte schon überall erzählt wird.

  • „Kaufe, wenn die Kanonen donnern, und verkaufe, wenn die Violinen spielen.“
  • „An der Börse wird immer das gleiche Theater gespielt, nur mit verschiedenen Darstellern.“ – André Kostolany (1906–1999)
  • Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.
  • Die Hund-Herrchen-Geschichte: kurzfristig ist die Börse eine Abstimmungsmaschine, langfristig eine Wertermittlungsmaschine.

Zwei Lehren: effiziente Märkte oder Mr. Market

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  • Effiziente Märkte (Wissenschaft, passiv): Der Kurs entspricht immer dem tatsächlichen Wert.
  • Manisch-depressiver Mr. Market (Graham, Buffett, aktiv): Der Markt zahlt manchmal zu viel und manchmal zu wenig. Man sollte ihn nutzen, nicht beherrschen wollen.
„Price is what you pay. Value is what you get.“ („Der Preis ist das, was du bezahlst. Der Wert ist das, was du bekommst.“) – Benjamin Graham

Warren Buffetts Regel Nummer 1

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Regel 1: Verliere nie Geld.

Viele verstehen das Zitat falsch und glauben, Buffett behaupte, er mache an der Börse niemals Verluste. Das stimmt nicht, auch er hat mit einigen Fehlschlägen Milliarden verloren.

Was Buffett wirklich meint

  • Das mathematische Problem von Verlusten: Wer 50 Prozent seines Kapitals verliert, braucht danach 100 Prozent Gewinn, nur um wieder beim Startwert zu sein. Große Verluste werfen einen um Jahre zurück.
  • Das Mindset: Gehe niemals in eine Investition mit dem Gedanken, es sei schon okay, wenn du dabei Geld verlierst. Warren Buffett analysiert immer zuerst das Verlustrisiko, bevor er über den möglichen Gewinn nachdenkt.
  • Der Burggraben: Er investiert nur in verständliche Geschäftsmodelle mit einem massiven Wettbewerbsvorteil, die krisenresistent sind, um einen dauerhaften Kapitalverlust zu vermeiden.

Manchmal ist es schwer gegen den Strom zu schwimmen...

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... auch wenn es der richtige Weg ist

Berkshire hinkt dem Nasdaq seit Jahren hinterher. Wer gegen die Stimmung investiert, muss diese Phasen aushalten.

Derzeit hält Buffett so viel Cash wie selten zuvor. Mehr dazu im Artikel und Webinar 2026: Kommt der Crash?

Fazit

  1. Die meisten Fehler in der Geldanlage entstehen nicht durch die falsche Geschichte, sondern durch den zu hohen Preis für die richtige.
  2. Wenn dir der Taxifahrer von seinem KI-Depot erzählt, ist das kein Beweis, dass die Kurse morgen fallen. Es ist ein Hinweis darauf, an welcher Stelle der Erzählung du gerade einsteigst: nicht am Anfang.
  3. Eine Geschichte, die alle kennen, ist kein Vorsprung mehr. Sie steckt schon im Preis.
  4. Unternehmen werden an der Börse am erwarteten Wert der Zukunft gehandelt, nicht am aktuellen Gewinn: SpaceX vs. VW (1. Halbjahr 2026: operatives Ergebnis von 5,9 Milliarden Euro, Dividendenrendite über 6 Prozent). Das illustriert das Prinzip und ist keine Empfehlung für einzelne Unternehmen.
  5. An der Börse zahlst du diesen Preis über den Kurs. Beim Finanzprodukt über die Kosten. Kosten und Steuern sind berechenbar, darauf solltest du achten.

Informationen in diesem Artikel sind allgemein und nicht als Beratung oder Empfehlung zu verstehen. Trotz größter Sorgfalt können wir keine Gewähr für die Eignung, Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität und Verfügbarkeit der unverbindlich zur Verfügung gestellten Informationen übernehmen. Eine Haftung der fynup GmbH ist daher in jedem Fall ausgeschlossen. Performanceergebnisse der Vergangenheit, Berechnungen und Aussagen über Gewinn und Rendite basieren auf Annahmen und lassen keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Jede Veranlagung bringt hohe Verlustrisiken – bis hin zum Totalverlust - mit sich. Es gelten alle Haftungsbegrenzungen der Funktionsbeschreibung.

Häufige Fragen

Der Kurs enthält alle Erwartungen, die der Markt heute an ein Unternehmen hat. Bekannte Informationen und populäre Zukunftsgeschichten stecken bereits darin. Ein Gewinn entsteht erst, wenn die Realität besser ausfällt als diese Erwartung.
Nein. Es heißt, dass die Frage nicht lautet, ob ein Thema Zukunft hat, sondern zu welchem Preis du diese Zukunft kaufst – und wie viel davon bereits im Kurs steckt.
Ein starkes Signal ist, wenn das Thema im Alltag auftaucht, ohne dass jemand danach gefragt hat. Ein zweites: wenn dazu neue Produkte aufgelegt werden. Themenfonds entstehen in der Regel nach dem Anstieg, nicht davor.
Nein. Passives Investieren ist sinnvoll, vor allem bei normalen Bewertungen. Derzeit sind die Bewertungen hoch und stark auf wenige US-Techkonzerne konzentriert. Deshalb gehen wir aktuell selektiver vor und investieren bei sinkenden Märkten wieder verstärkt in den breiten Markt.
Bei Aktien siehst du eine Fehleinschätzung im Kurs. Bei Vorsorgeprodukten siehst du sie nicht, weil dort nichts passiert, das nach einem Ereignis aussieht. Deshalb lässt sich das nur durch eine Berechnung feststellen, nicht durch Beobachten.
Mit einer Berechnung, die alle Kosten und Steuern über die gesamte Laufzeit berücksichtigt und dem gegenüberstellt, was dieselbe Veranlagung in einer kostengünstigen Variante ergeben würde. Genau dafür gibt es den fynup-Rechner.
Wolfgang Staudinger

Autor: Wolfgang Staudinger

Co‐Founder & CEO
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