Die Silicon Valley Bank galt als solide, spezialisiert auf Technologieunternehmen und Risikokapital. Anfang März 2023 wurde bekannt, dass sie beim Verkauf von Anleihen einen Verlust von 1,8 Milliarden Dollar realisieren musste und Kapital aufnehmen wollte. Das verunsicherte ihre Kundschaft – und die bestand nicht aus Privatpersonen, sondern aus eng vernetzten Start-ups und Fonds.
Was folgte, lief nicht über Warteschlangen, sondern über E-Mails, Chat-Gruppen und Apps. Prominente Investoren rieten ihren Beteiligungen, das Geld abzuziehen. Allein am 9. März 2023 versuchten Kundinnen und Kunden, rund 42 Milliarden Dollar abzuheben – etwa ein Viertel aller Einlagen der Bank, an einem einzigen Tag. Nach rund 30 Stunden war die Bank Geschichte und wurde von der Aufsicht übernommen. Es war die zweitgrößte Bankenpleite der US-Geschichte bis zu diesem Zeitpunkt.
Bemerkenswert dabei: Es wurde kaum Bargeld abgehoben. Am Bankomaten sind ohnehin meist bei ein paar hundert Euro Schluss. Abgezogen wurde per Überweisung, von einer Bank zur nächsten, per Fingertipp am Smartphone.
Der Unterschied zu 1931 ist damit weniger das Prinzip als das Tempo. Früher brauchte ein Bank Run Tage, körperliche Anwesenheit und offene Schalter. Heute genügen ein Gerücht, ein Smartphone und ein Daumen. Wer sich fragt, warum Aufsichtsbehörden seither nervöser auf Stimmungen reagieren: Das ist der Grund.