Was ist der Deckungsstock?

Was passiert mit dem Geld, das im sogenannten Deckungsstock veranlagt wird? Größtmögliche Sicherheit und Rentabilität gleichzeitig – geht das überhaupt?

Das Wichtigste zum Deckungsstock

  • Getrennt vom restlichen Vermögen
  • Sicherheit kostet Rendite
  • Investitions-Spielraum genau vorgegeben
  • Abhängig vom Zinsmarkt
  • Negativzinsen bei Staatsanleihen
  • Gewinnbeteiligung nicht garantiert
  • Hintertür bei Insolvenz

Getrennt vom restlichen Vermögen

Der Deckungsstock ist ein spezielles Sicherungsvermögen eines Versicherungsunternehmens – klingt kompliziert. Sagt aber nur, dass dieses Geld unter der Berücksichtigung ganz besonderer Kriterien verwaltet werden muss.

Das Vermögen muss so angelegt werden, dass es größtmögliche Sicherheit und Rentabilität bietet – was an sich schon ein schwieriger Spagat ist. Gleichzeitig soll es jederzeit liquidierbar sein, also ohne lange Wartefristen in Geld umgetauscht werden können.

Der Deckungsstock muss getrennt vom restlichen Vermögen verwaltet werden. Es gelten besondere aufsichtsrechtliche Bedingungen und Überwachungsvorschriften.

So veranlagt der Deckungsstock

Gesetzliche Vorgaben im Deckungsstock und die Umsetzung in der Realität
fynup
15 % in Sachwerten, 85 % abhängig vom Zinsmarkt

Bei Garantieprodukten – wie etwa der Klassischen Lebensversicherung – ist gesetzlich geregelt, dass das Geld der Anleger im Deckungsstock verwaltet werden muss. Für den Deckungsstock ist auch genau vorgegeben, wie das Geld angelegt werden muss. Allerdings haben die Anbieter einen gewissen Spielraum.

Zum Beispiel müssen mindestens 60 % in Anleihen investiert werden, aber nicht mehr als 97 %.

Die Realität zeigt: Damit die versprochenen Garantien abgebildet werden können, muss überwiegend in Anleihen investiert werden, die als sicher gelten. Mehr als die Hälfte der Gelder liegt in Staatsanleihen. Der Spielraum bei Aktien wird daher kaum genutzt.

Negativzinsen bei Staatsanleihen

Negativzinsen für Staatsanleihen
fynup
Roter Bereich: Hier bezahlt man Zinsen, wenn man Geld verleiht

Je sicherer ein Land eingestuft ist, umso weniger Zinsen bekommt man auf dessen Staatsanleihen. Die massiven Änderungen am Zinsmarkt (Stichwort Negativ-Zinsen) haben dazu geführt, dass man als Investor inzwischen sogar Zinsen bezahlen muss, wenn man an Staaten Geld verleiht (statt wie früher Zinsen dafür zu bekommen.)

Die Zinsen, die man auf Staatsanleihen bekommt nach Ländern. Die rot unterlegten Felder zeigen den Bereich der Negativzinsen. Hier muss man Zinsen bezahlen, wenn man Geld verleiht. Nur im blauen Bereich bekommt man noch Zinsen, wie früher – bloß weniger.

Ein Beispiel verdeutlicht: Verleiht man etwa Deutschland für 10 Jahre Geld muss man 0,52 % draufzahlen. Leiht man Österreich Geld für 10 Jahren, würde man 0,29 % Zinsen bezahlen müssen. Erst bei einer Laufzeit von 30 Jahren bekommt man für österreichische Staatsanleihen 0,34 % Zinsen. (Davon werden aber noch Kosten und Steuern abgezogen.) 

Will man bei Staatsanleihen mehr Zinsen, muss man schon auf Länder wie Zypern oder Italien ausweichen, die als weniger sicherere Schuldner gelten.

Man sieht klar: Der rote Bereich überwiegt in Summe. Aber auch im blauen Bereich ist das Zinsniveau sehr überschaubar. Nach Abzug von Kosten und Steuern sind kaum gute Nettorenditen zu erwarten.

Der JA-Reflex

Vermutlich würde niemand die Frage: „Willst du dein Geld 20, 30 Jahre verleihen und dabei draufzahlen?” reflexartig mit JA beantworten. Genau das passiert aber, weil sehr viele die tatsächlich gestellte Frage "Willst du Sicherheit und Garantie?" reflexartig mit JA beantworten.

Als Konsequenz landet dein Geld in Garantieprodukten, die im Deckungsstock investieren. Wir von fynup wollen dir Konsequenzen wie diese aufzeigen, etwa mit Basis-Finanz-Wissen. Damit du in Zukunft selbst bewusst entscheiden kannst, was mit deinem Geld passiert.

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Gewinnbeteiligung nicht garantiert

Im Deckungsstock werden die am Markt erzielten Gewinne nicht automatisch sofort ausgeschüttet, sondern vom Anbieter zugewiesen. Wichtig zu wissen:

  • Gewinnbeteiligungen können sich ändern
  • Großer Teil wird erst bei Vertragsablauf ausbezahlt
  • Meist sogar 50 % der Gewinne als Schlussgewinn

Flexibilität hat Konsequenzen

Produktanbieter werben massiv mit maximaler Flexibilität von diversen Garantieprodukten. So kann man etwa problemlos die Prämienzahlung aussetzen oder reduzieren.

Was bei Beratungen oft unerwähnt bleibt oder untergeht: Die Schlussgewinne werden nur fällig, wenn die Prämien voll bezahlt wurden. Die praktische Flexibilität kann dich also mehr als die Hälfte des Ertrages kosten.

Wirklich sicher im Insolvenzfall?

Im Falle einer Insolvenz des Versicherers soll durch die Veranlagung im Deckungsstock sichergestellt werden, dass genügend Vermögenswerte vorhanden sind, um die Ansprüche der Versicherungsnehmer – also deine – zu befriedigen. Das beruhigt. Und eine Zahlungsunfähigkeit eines Versicherungsriesen klingt eher unwahrscheinlich. Möchte man meinen.

Doch ausgerechnet der Deckungsstock selbst könnte zum Problem werden. Wenn nämlich, wie du jetzt selbst gesehen hast, aufgrund der Ertragssituation bei Staatsanleihen zu wenig für die versprochenen Garantien erwirtschaftet wird. Und diese Garantien nicht bedient werden können.

Für diesen Fall wurde § 316 im Versicherungsaufsichtsgesetz geschaffen. Dort ist nämlich bereits genau geregelt, was passiert, wenn einem Versicherungsunternehmen in Österreich tatsächlich die Insolvenz droht. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) muss eingreifen:

  • Zahlungen, Rückkäufe oder Vorauszahlungen bei Lebensversicherungen werden untersagt
  • Verpflichtungen aus der Lebensversicherung werden herabgesetzt (= weniger ausgezahlt)
  • Aber: Trotzdem müssen Prämien weiter bezahlt werden

Auf Nachfrage wird dieser Paragraph in der Branche gern als reine Notfall-Regelung abgetan und man nicht davon ausgeht, dass so ein Fall eintritt.

Bei einer derart großen Hintertür dürfen Konsumenten auch zurecht hinterfragen, was eine Garantie bei einer Klassischen Lebensversicherung, einer Prämienbegünstigen Zukunftsvorsorge oder bei Hybridprodukten – wo meist im Deckungsstock veranlagt wird – im Notfall tatsächlich wert ist.

Fazit zum Deckungsstock

Vorsicht beim Deckungsstock
Unsplash
Nicht nur der VKI warnt vor einer Veranlagung im Deckungsstock

Der geplante Spagat zwischen größtmöglicher Sicherheit und maximaler Rentabilität bei zusätzlicher ständiger Verfügbarkeit gelingt nicht. Spätestens seit der Veränderung des Zinsniveaus zeigt sich, der vorprogrammierte Kaufkraft-Verlust. Konsumentenschützer raten: Hände weg!

Mehr Basis-Finanz-Wissen mit Hintergründen und Zusammenhängen findest du in den 7 Erkenntnissen – die Lektüre lohnt sich vor jeder neuen Investition (und vor dem Verkauf einer bestehenden).

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