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Das Problem beim Bankrun – und das ist möglicherweise das grundlegendste Problem – besteht darin, dass niemand weiß, wann ein bestimmter Auslöser eintreten kann, der zu einem bestimmten Verhalten einer großen Anzahl von Menschen führt. Das ist die eigentliche Gefahr, denn Banken verfügen nicht über ausreichend Geld, um die Kundinnen und Kunden für täglich fällige Spareinlagen oder das auf dem Konto liegende Geld tatsächlich auszuzahlen. Das ist schlicht nicht vorhanden.
Das heutige Thema ist der Bankrun als stille Gefahr. Wichtig ist mir an dieser Stelle zu betonen, dass es hier nicht darum geht, Ängste zu schüren, sondern lediglich darum, bestimmte Sachverhalte einzuordnen. Es geht darum, vergangene Ereignisse und die aktuelle Lage richtig einzuordnen, denn wer über gute Informationen verfügt, kann auch gute Entscheidungen treffen. Darum geht es, nicht um Panikmache.
Das Webinar ist in drei Teile unterteilt. Der erste Teil behandelt die Frage, was ein Bankrun ist und warum er eine stille Gefahr darstellt. Dabei wird grundsätzlich besprochen, was mit diesem Begriff gemeint ist. Im zweiten Teil wird ein Blick in die Geschichte geworfen, um daraus Lehren zu ziehen. Das ist von großer Bedeutung, denn wer die Geschichte kennt und aus ihr lernt, muss sie nicht erneut erleben. Entscheidend ist, Informationen zu erhalten, um heute richtig handeln zu können. Das ist dann auch der Abschluss: sechs konkrete Maßnahmen, wie du dein Geld auf Basis des heute Gelernten schützen kannst.
Bevor es losgeht, der obligatorische Haftungshinweis: Performanceergebnisse der Vergangenheit und Aussagen darüber lassen keine Rückschlüsse auf die Zukunft zu, und Geldanlagen sind mit Risiken verbunden.
Zunächst werden fünf Fragen behandelt, um eine Einordnung zu ermöglichen.
Welche Rolle haben Bank und Kundin bzw. Kunde bei Bankeinlagen? Viele werden es wissen, einige möglicherweise nicht: Wenn Geld auf einem Konto liegt, ist es grundsätzlich das eigene Geld, steht jedoch nicht im eigenen Eigentum. Eigentümer dieses Geldes ist die Bank. Man selbst ist Gläubiger der Bank, das heißt, die Bank ist grundsätzlich verpflichtet, das Geld zurückzugeben, aber es gehört nicht dem Kontoinhaber – dieser verleiht es der Bank, solange es auf einem Konto oder in einer Spareinlage liegt. Das ist zunächst festzuhalten.
Was ist ein Bankrun? Als Bankrun bezeichnet man eine Situation, in der viele Kundinnen und Kunden ihre Ersparnisse, das Geld auf dem Konto oder im Sparbuch, in kurzer Zeit abheben wollen. Viele Menschen laufen zur Bank und wollen ihr Geld abholen, in der Annahme, es gehöre ihnen und stehe ihnen zu – was grundsätzlich richtig ist. Wenn jedoch alle gleichzeitig handeln, funktioniert das nicht. In der Regel schließen die Banken, wie die Geschichte zeigen wird, und es werden bestimmte Kapitalmaßnahmen ergriffen, um das Problem zu lösen.
Was können Auslöser für einen Bankrun sein? Entweder meldet eine einzelne Bank ein Problem – sie gibt bekannt, was sie bei Problemen bekannt geben muss, nämlich dass bestimmte Zahlungsausfälle zu befürchten sind oder bereits eingetreten sind, oder dass bestimmte Abschreibungen vorgenommen werden müssen, weil ein großer Schuldner möglicherweise illiquide geworden ist. In diesem Fall ist eine einzelne Bank betroffen. Bankruns gab es in der Geschichte aber auch bei allgemeinen Krisen, etwa bei Hyperinflation oder wenn generell eine Vertrauenskrise in das Bankensystem entstanden ist. Wenn es um Geld geht, spielt das Thema Vertrauen eine zentrale Rolle. Fehlt dieses Vertrauen, führt das zu Handlungen, die sich oft nicht vollständig rational erklären lassen. Wenn jedoch eine Masse in Bewegung gerät und Geld bei der Bank abhebt, spricht man von einem Bankrun. Das sind mögliche Auslöser.
Damit ist auch die nächste Frage bereits beantwortet: Wann ist ein einzelnes Institut betroffen und wann alle Banken? Das wurde bereits erläutert. Und was sind die Folgen eines Bankruns? Auch das wurde bereits kurz angesprochen: Meistens hat man keinen Zugriff mehr auf das eigene Geld, auf das eigene Kapital. In der Regel handelt es sich um eine vorübergehende Maßnahme, die jedoch auch langfristige Wirkung haben kann. Dazu gibt es unterschiedliche historische Beispiele.
Nun folgt ein Blick in die Geschichte zum Thema Bankrun, Insolvenzen und Krisen. Zunächst ein kurzer Rückblick auf die Weltwirtschaftskrise 1929, bevor schnell ein aktueller Bezug hergestellt wird. Es ist jedoch wichtig, sich diese Zeit noch einmal in Erinnerung zu rufen. 1929, die Weltwirtschaftskrise: Die Aktienmärkte boomten. Die 1920er Jahre galten auch in Österreich und Deutschland als Gründerjahre, in denen viel Positives bewegt wurde und enormer Optimismus herrschte. Das wird heute häufig vergessen, denn nach dem Ersten Weltkrieg und vor dem Zweiten Weltkrieg, nach der Hyperinflation in Deutschland in den 1920er Jahren, kam es tatsächlich zu einer Gründerphase. In Amerika ging es schon länger bergauf, es gab wirklich einige Boomjahre – bis zur Weltwirtschaftskrise 1929, als die Blase an den Aktienmärkten platzte. In der Folge gerieten immer mehr Banken in Bedrängnis. Das sprach sich herum, und immer mehr Menschen wollten gleichzeitig ihr Geld von der Bank abheben. Bilder davon, die man vielleicht aus Filmen kennt, zeigen Schlangen vor Banken – da es damals noch kein Internet gab, musste man tatsächlich physisch zur Bank gehen, um Geld abzuheben. Das ist der klassische Bankrun.
In Österreich war 1931 die Creditanstalt betroffen. Die Creditanstalt war damals eine der größten, wenn nicht die größte Bank Europas. Sie war stark in Industrieunternehmen investiert und hatte eine sehr wichtige Stellung. Als die Creditanstalt in Österreich in Zahlungsschwierigkeiten geriet, löste das eine Kettenreaktion über die Landesgrenzen hinaus aus, und es entstand eine europäische Bankenkrise. 1931 griff die Krise auf Deutschland über: Die Danat Bank, also die Darmstädter Nationalbank, und die Dresdner Bank mussten Insolvenz anmelden und wurden wegen Zahlungsunfähigkeit geschlossen. Per Gesetz wurden sogenannte Bankfeiertage eingeführt, an denen die Banken vorübergehend geschlossen wurden. Das ist im Prinzip auch die potenzielle Gefahr: dass man über einen bestimmten Zeitraum keinen Zugriff auf seine Liquidität, auf sein Geld hat.
Die Finanzkrise 2008 ist die nächste relevante Krise – sie liegt nun bereits 18 Jahre zurück. Was ist damals passiert? Vielen ist es noch in Erinnerung: Die Hypothekenkrise in den USA hat im Prinzip die Finanzkrise ausgelöst. Es wurden sehr viele Immobilien mit Krediten finanziert, die nicht sauber besichert waren. Menschen erhielten Kredite, die nicht in der Lage waren, diese zu bedienen. Das war eine totale Überbewertung. Das Ganze hatte sich bereits etwas angekündigt, denn die Finanzkrise entstand offiziell erst 2008. Bereits 2007 musste jedoch Northern Rock in Großbritannien schließen – das war im Prinzip der erste große Bankrun in Großbritannien seit über 100 Jahren, möglicherweise sogar seit 150 Jahren. Die Ursache war, dass sich die Bank stark über kurzfristige Geldmärkte refinanziert hatte und nicht über Kundeneinlagen. Als diese im Zuge der US-Krise eingefroren wurden, musste die Bank liquidiert werden. In der Regel werden solche Banken verstaatlicht und anschließend, wenn möglich, fusioniert, damit möglichst wenig Schaden bei den Kundinnen und Kunden ankommt.
2008 folgte die Finanzkrise, die wahrscheinlich jedem bekannt ist. Lehman Brothers wurde nicht mehr vom Staat aufgefangen. Andere Banken und Investmentbanken zuvor schon – Bear Stearns, Washington Mutual, IndyMac, aber auch Freddie Mac und die anderen Hypothekarkreditbanken wurden in der Regel staatlich gestützt. Bei Lehman Brothers schlug man dann einen anderen Weg ein, mit globalen Konsequenzen für das Finanzsystem. Viele Banken verschwanden von der Bildfläche, und es kam, wie bekannt, zu großen Verwerfungen, die bis in die Realwirtschaft durchschlugen. Von 2009 bis 2020 schrumpfte die Anzahl der Banken in der EU um 33%, in Spanien sogar um 80%. Es kam also zu einem großen Bankensterben, einer Fusionierungswelle, Zusammenlegungen und Optimierungen. In Deutschland waren bekannte Beispiele die Hypo Real Estate und die IKB Deutsche Industriebank sowie mehrere Landesbanken.
An dieser Stelle sei das Buch „Die Wahrheit über Geld" von Raimund Brichter empfohlen. Auf Seite 243 ist das Protokoll der Krisensitzung zur Rettung der Hypo Real Estate Bank im Original beschrieben. Wer dieses Protokoll liest, erkennt, wie knapp man 2008 und 2009 an einer globalen Finanzkrise vorbeigeschlittert ist. Das Protokoll beginnt am 9. Oktober 2008. Die Auswirkungen wären weit dramatischer gewesen, als sie es waren, wenn bestimmte Rettungsmaßnahmen nicht funktioniert hätten. Wer sich dafür interessiert, dem sei empfohlen, dieses Protokoll, das sich über mehrere Seiten erstreckt, zu lesen, um einen Einblick zu bekommen, was damals wirklich passiert ist und wie knapp es war.
Wenn es Probleme gibt, laufen die Menschen natürlich zum Bankschalter und wollen ihr Geld. Genau um das zu verhindern, wurde die Einlagensicherung geschaffen. Die Einlagensicherung existierte bereits vor 2008, jedoch in anderer Form. Warum ist die Einlagensicherung wichtig? Sie soll genau vor einer Bankinsolvenz schützen, damit Kundinnen und Kunden das Vertrauen haben, ihr Geld bei der Bank zu belassen. Das Geld kann dann von der Bank weiterverliehen werden und im Geldkreislauf funktionieren. Um dieses Vertrauen herzustellen und Kundinnen und Kunden unabhängig von der Funktionsfähigkeit einer einzelnen Bank zu machen, wurde ein Sicherheitsnetz eingeführt: die sogenannte Einlagensicherung.
Vor 2008 gab es in Österreich eine sektorale Trennung mit fünf verschiedenen eigenständigen Sicherungseinrichtungen für Sparkassen, Raiffeisenbanken, Volksbanken, Hypothekenbanken und Aktienbanken. Die Einlagen waren auf 20.000 Euro pro Sparer und Bank begrenzt. Ein wichtiger Punkt war zudem die damalige Nachschusspflicht anstelle eines Staatsfonds. Das bedeutete: Hatte eine Bank aus dem jeweiligen Verbund finanzielle Probleme, mussten die anderen Banken das erforderliche Kapital aufbringen, um diese eine Bank zu schützen. Es handelte sich um eine nachträgliche Kapitaleinbringung – im Fachjargon als Ex-Post bezeichnet, also im Nachhinein, nicht im Voraus, also nicht Ex-Ante.
Nach 2008, im Zuge der Finanzkrise – einige werden sich noch daran erinnern, denn es waren sehr einschneidende Momente –, wurde am 7. Oktober 2008 eine wichtige Entscheidung getroffen. Im Herbst 2008 wurden die Menschen zunehmend nervöser. In Kaffeehäusern wurde darüber gesprochen, was mit dem Finanzsystem passiert, was mit dem Geld passiert, wie lange das noch gut geht und welche Gefahren drohen. Immer mehr Menschen berichteten, dass sie ihr Geld nach Hause gebracht hätten, es abgehoben und als Bargeld zu Hause gelagert hätten. Um genau das zu verhindern – also einen Bankrun, bei dem alle gleichzeitig zur Bank gehen und ihr Geld abheben –, einigten sich die EU-Finanzminister am 7. Oktober 2008, auf dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise, darauf, den Schutz der Sparerinnen und Sparer im Rahmen der Einlagensicherung deutlich zu verbessern. Die Grenze wurde von 20.000 Euro auf 100.000 Euro verfünffacht. Es gab einen verbindlichen Stufenplan: Bis Dezember 2008 sollten 50.000 Euro gesichert sein, bis 30. Juni 2009 ebenfalls 50.000 Euro, und bis Ende 2010 schließlich 100.000 Euro. Österreich beschloss im Herbst 2008 zur Vertrauensbildung im Nationalrat eine unbegrenzte Einlagensicherung – als psychologische Maßnahme, um einen Ansturm auf die Bankschalter zu verhindern. Diese musste jedoch von der EU wieder korrigiert werden, da eine unbegrenzte Staatsgarantie auf Dauer EU-rechtswidrig und auch nicht finanzierbar ist. Kein Staat verfügt über ausreichend Mittel, um alle Banken im Ernstfall zu finanzieren, zumal auch der Staat selbst dauerhaft auf Finanzierung angewiesen ist. Wer zu viele Schulden aufbaut, verliert seinerseits das Vertrauen der Gläubiger. Mit 1. Januar 2010 wurde die Regelung EU-weit harmonisiert: Es gilt eine Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Person und Bank.
Aktuell gibt es in Österreich drei Einlagensicherungssysteme: die Einlagensicherung Austria GmbH, die Österreichische Raiffeisen-Sicherungseinrichtung eGen und die Sparkassen-Haftungs GmbH. Das bedeutet: Alle Sparkassen haben eine eigene Einlagensicherung, alle Raiffeisenbanken eine eigene, und alle anderen in Österreich tätigen Banken sind der Einlagensicherung Austria GmbH zugeordnet. Es ist wichtig zu wissen, dass es drei Kreise der Einlagensicherung gibt.
An dieser Stelle sei bereits auf die Empfehlungen am Ende des Webinars vorgegriffen: Es macht keinen Sinn, 100.000 Euro bei einer Raiffeisenbank und weitere 100.000 Euro bei einer anderen Raiffeisenbank zu halten, auch wenn es sich um unterschiedliche Standorte oder Bundesländer handelt. Das würde keinen zusätzlichen Schutz bieten. Wer sein Geld auf verschiedene Banken aufteilen möchte, sollte darauf achten, dass die jeweiligen Banken unterschiedlichen Einlagensicherungseinrichtungen angehören. Das erhöht die Sicherheit. Dazu am Ende des Webinars mehr.
Nun zum Realitätscheck dieser Einlagensicherung, denn so schön es klingt, dass Einlagen bis zu 100.000 Euro pro Person und Bank gesichert sind – der Topf, der von den Banken seit 2008 im Voraus befüllt werden muss, ist sehr dünn. Nur etwa 0,8% der gesamten Einlagen sind tatsächlich vorhanden. Bei 100.000 Euro wären das lediglich 800 Euro im Einlagensicherungstopf. Den Rest müsste nachgeschossen werden. Funktioniert das nicht, kann die Republik Österreich einspringen, muss es aber nicht mehr. Das ist ein wichtiger Punkt, auf den gleich noch eingegangen wird. Festzuhalten ist: Die Einlagensicherung gilt bis zu 100.000 Euro, der vorab befüllte Topf beträgt jedoch nur etwa 0,8%. Der Großteil müsste im Ernstfall nachgeschossen werden. Ergänzend sei erwähnt: In bestimmten Ausnahmefällen, etwa beim Immobilienkauf während der notariellen Abwicklungsphase oder bei einer Erbschaft, sind zeitlich befristet sogar bis zu 500.000 Euro gesichert. Die Auszahlung muss seit 2024 innerhalb von sieben Arbeitstagen erfolgen und hat bislang auch immer funktioniert.
Nun ein Blick auf vergangene Ereignisse im Zuge der Eurokrise. Die unmittelbare Folge der Finanzkrise war die Eurokrise, bei der insbesondere Griechenland und Zypern im Mittelpunkt standen. In diesem Zusammenhang gibt es das sogenannte Bail-in-Gesetz, über das nach Einschätzung vieler Menschen zu wenig bekannt ist. Deshalb ist es wichtig, dieses Gesetz zu kennen, die Zusammenhänge zu verstehen, zu wissen, was damals passiert ist, wie es zu diesen Veränderungen in der BankenEinlagensicherung kam und was das konkret für Anlegerinnen und Anleger bedeutet, die heute ein Konto, Spareinlagen oder ein Sparbuch bei einer Bank haben.
Dazu ein kurzer geschichtlicher Abriss der letzten 13 bis 14 Jahre: Nach der Finanzkrise geriet Griechenland in finanzielle Schwierigkeiten und konnte seine Staatsschulden nicht mehr bedienen. 2012 kam es tatsächlich zu einem Schuldenschnitt. Private Gläubiger waren insofern betroffen, als Staatsanleihen über Fonds, Banken und Versicherungen mit über 50% des Nennwerts abgeschrieben wurden. Dadurch entstand ein Vermögensverlust, der auch österreichische Kundinnen und Kunden betraf. Es gibt Versicherungen, die bei klassischen Lebensversicherungen griechische Staatsanleihen im Deckungsstock hatten und einen Teil davon tatsächlich abschreiben mussten. Solche Abschreibungen wirken sich auf die Kundinnen und Kunden aus, die entsprechende Geldanlageprodukte halten. In Österreich waren einige davon betroffen, und natürlich sehr stark die griechischen Kundinnen und Kunden, aber die Auswirkungen zogen sich durch die gesamte EU und alle Euroländer, die solche Produkte indirekt hielten. Dabei handelte es sich jedoch um einen Schuldenschnitt bei Staatsanleihen, nicht um ein Bail-in einer einzelnen Bank.
Dieser Schuldenschnitt 2012 in Griechenland führte dazu, dass zypriotische Banken in Schwierigkeiten gerieten, da sie stark in griechische Staatsanleihen investiert waren. Der Verlust von 50% des Nennwerts war für die zypriotischen Banken nicht verkraftbar, und so schlug die griechische Krise auf die zypriotischen Banken durch. Es wurden Kapitalverkehrskontrollen in Zypern eingeführt, was quasi ein sogenanntes Bail-in erzwang.
Was bedeutet das? 2008 und 2009 wurde EU-weit die Einlagensicherungsgrenze von 100.000 Euro eingeführt. 2013 wurde diese Grenze bei der zweitgrößten Bank Zyperns, der Laiki Bank, auch als Cyprus Popular Bank bekannt, tatsächlich so angewendet: Das gesamte Geld über 100.000 Euro wurde zur Tilgung der Bankschulden herangezogen, und die Einlegerinnen und Einleger dieser Bank verloren tatsächlich ihr Geld. Es gab einen sogenannten Haircut von bis zu 100% für Bankeinlagen über 100.000 Euro. Das war im Prinzip der erste Fall in Europa in jüngerer Zeit, bei dem Kundinnen und Kunden einer europäischen Bank tatsächlich Geld verloren, weil die Regel lautete: bis 100.000 Euro Einlagensicherung, darüber hinaus nicht.
Bei der größten Bank Zyperns, der Bank of Cyprus, wurde anders vorgegangen: Der Betrag über 100.000 Euro wurde zu fast 50% in hochriskante beziehungsweise wertlose Bankaktien zwangsumgewandelt, wodurch diese Personen ebenfalls einen Großteil ihres Geldes verloren. Wichtig: Einlegerinnen und Einleger unter 100.000 Euro verloren tatsächlich nichts. Das war jedoch geplant. Es wurde damals tatsächlich diskutiert, auch Kleinanlegerinnen und Kleinanleger heranzuziehen. Das scheiterte jedoch am zypriotischen Parlament, was zu begrüßen ist. Wäre das durchgeführt worden, hätte es zu einem massiven Vertrauensverlust in ganz Europa geführt, mit unabsehbaren Folgen. Das Problem beim Bankrun – und das ist möglicherweise das grundlegendste Problem – besteht darin, dass niemand weiß, wann ein bestimmter Auslöser eintreten kann, der zu einem bestimmten Verhalten einer großen Anzahl von Menschen führt. Das ist die eigentliche Gefahr, denn Banken verfügen nicht über ausreichend Geld, um die Kundinnen und Kunden für täglich fällige Spareinlagen oder das auf dem Konto liegende Geld tatsächlich auszuzahlen. Man rechnet damit, dass nur ein kleiner Teil das Geld abhebt und dass das Geld im Bankenkreislauf verbleibt. Wenn plötzlich eine größere Anzahl von Menschen kommt und Geld abheben möchte, bricht das System zusammen und es muss ein Stopp verhängt werden. Das Problem dabei ist: Sobald dieser Stopp bekannt wird, hören es alle, und genau dann passiert das, was man verhindern wollte – auch Menschen, die ursprünglich kein Geld abheben wollten, gehen zur Bank und verlangen ihr Geld, obwohl sie es eigentlich gar nicht bräuchten. Unabhängig davon, was man unternimmt, kann jederzeit eine Situation eintreten, in der die Masse beginnt, gleichartig zu handeln, was dann zu den beschriebenen Problemen führt. Um genau das zu verhindern, wurden die Kleinsparerinnen und Kleinsparer in Zypern schadlos gehalten, obwohl das Gegenteil über mehrere Wochen diskutiert und in den Medien präsent war. Glücklicherweise hatten die Menschen damals durch die Finanzkrise und die Berichterstattung zur Eurokrise eine gewisse Nachrichtenermüdung entwickelt, sodass es nicht zu größeren Beunruhigungen kam. Wäre der Fall eingetreten, dass Kleinanlegerinnen und Kleinanleger tatsächlich Verluste erlitten hätten, wäre der Ausgang wohl ein anderer gewesen.
2014 wurde dann die gesetzliche Grundlage für das Bail-in-Prinzip geschaffen, um EU-weit klar gesetzlich zu regeln, was passiert, wenn eine Bank zahlungsunfähig wird, und wann Gläubigerinnen und Gläubiger zur Bankenrettung herangezogen werden. Ein wichtiger Hinweis: Die Einlagensicherung gilt für bestimmte Produkte wie Konten, Spareinlagen und Bausparverträge. Nicht von der Einlagensicherung umfasst sind hingegen beispielsweise Zertifikate. Auch wenn auf einem Produkt „Garantiezertifikat einer Bank XY" steht, sind diese Zertifikate nicht durch die Einlagensicherung geschützt. Fällt der Kontrahent aus und wird zahlungsunfähig, ist das Papier tatsächlich wertlos. Das ist eine erhebliche Gefahr. Wer solche Geldanlagen hält, sollte die Risikohinweise lesen, denn dort steht es – im sogenannten Kleingedruckten. Oben steht groß „Garantiezertifikat", und im Kleingedruckten: „Dieses Papier unterliegt dem Bail-in-Prinzip." Die gesetzliche Grundlage für das Bail-in-Gesetz wurde im Juli 2014 geschaffen und am 1. Januar 2016 in nationales Recht überführt, in Österreich wie in den anderen Ländern.
Damit ergibt sich ein paradoxes Bild: In Zypern gab es bereits einen echten Bail-in, bei dem alle Sparerinnen und Sparer über 100.000 Euro tatsächlich Geld verloren, bevor das Bail-in-Prinzip überhaupt gesetzlich existierte. In Griechenland trat das Problem später auf, und dort wurde anders vorgegangen.
Was geschah 2015 in Griechenland? Am 28. Juni 2015 wurden Banken geschlossen und Kapitalverkehrskontrollen eingeführt. Damals wurde intensiv diskutiert, ob Griechenland den Euroraum verlassen würde. Viele Kundinnen und Kunden befürchteten, dass ihr Erspartes bei der Bank wertlos werden könnte, und wollten ihr Geld abheben. Ein klassischer Bankrun, der nicht eine einzelne Bank, sondern alle griechischen Banken des Landes betraf. Um die Zahlungsunfähigkeit der Kreditinstitute zu verhindern, wurden Kapitalverkehrskontrollen eingeführt: Die Banken waren geschlossen, und an Geldautomaten durfte pro Tag maximal 60 Euro abgehoben werden. Das dauerte drei Wochen. Man muss sich vorstellen, was das im täglichen Leben bedeutet, wenn man laufende Verpflichtungen hat, Lebensmittel benötigt oder eine nicht aufschiebbare Anschaffung anfällt – etwa ein Installateur wegen eines Rohrbruchs –, und man täglich nur 60 Euro abheben kann, obwohl man möglicherweise 100.000 Euro oder mehr bei einer oder mehreren Banken liegen hat. Nach drei Wochen wurde die Regelung flexibilisiert: Man konnte die Wochenration von 420 Euro auf einmal abheben, wurde dann aber für sieben Tage gesperrt. Die Wochenration blieb also bei 420 Euro, nur musste man nicht mehr siebenmal wöchentlich 60 Euro abheben, sondern konnte den Betrag auf einmal entnehmen. Auslandsüberweisungen wurden eingeschränkt und mussten von Unternehmen gemeldet werden, was sehr aufwendig war. Die Wirtschaft litt erheblich darunter. Kreditkarten funktionierten nicht mehr, und Online-Plattformen waren gar nicht oder nur stark eingeschränkt nutzbar. Lediglich für den Tourismus wurde eine Ausnahme gemacht: Personen ohne griechisches Bankkonto konnten in Griechenland Geld abheben, sofern die Geldautomaten überhaupt Geld ausgaben, da diese häufig leer waren. Anschließend wurde das System durch Eurohilfen und Eigentümerbeiträge rekapitalisiert und schrittweise gelockert. Die endgültige Aufhebung der Kapitalverkehrskontrollen erfolgte erst am 1. September 2019. Das bedeutet: Über vier Jahre lang bestanden massive Einschränkungen bei der Verfügung über das eigene Geld. Wer 50.000 Euro bei einer Bank liegen hat, betrachtet das als sein Geld und möchte frei darüber verfügen können. Solche Ereignisse zeigen jedoch, dass man plötzlich sehr stark eingeschränkt sein kann. Das sollte man wissen und sich darauf vorbereiten. Genau darum geht es heute.
Wie wurde die Krise bekämpft? Die Krise wurde durch Gelddrucken bekämpft. Europa, die USA, Japan – alle haben im Prinzip die Notenpresse angeworfen und Liquidität bereitgestellt, damit das Geldsystem und der Kreditkreislauf nicht zusammenbrechen und sich die Weltwirtschaftskrise von 1929 nicht wiederholt. Da heute weit mehr Möglichkeiten bestehen als 1929, entschied man sich, Geld bereitzustellen. Viele werden sich noch an den Ausspruch von Mario Draghi, dem damaligen EZB-Präsidenten, erinnern: „Whatever it takes" – es wird alles Notwendige unternommen, um Liquidität bereitzustellen und ein Liquiditätsproblem zu verhindern. Das ermöglichte die Rettung der Banken und den Fortbestand des Geldsystems in seiner heutigen Form. Erreicht wurde das im Wesentlichen durch das Drucken von Geld. Der Graph der Geldmenge M2 im Euroraum zeigt: Im Jahr 2000 lag sie bei 4 Billionen Euro, heute bei etwa 16 Billionen Euro. Dazwischen liegen die Marktflutung durch die EZB 2011 und 2012 infolge der Finanz- und Eurokrise sowie das Quantitative Easing, bei dem die Europäische Zentralbank begann, Staatsanleihen zu kaufen und damit Staatsschulden direkt in ihre Bücher zu nehmen.
Das war grundsätzlich immer verboten und gilt als absolutes Tabu, weil es die Geldwertstabilität negativ beeinträchtigt. Mit dem Corona-Schock entstand erneut Bedarf an neuer Geldmenge. Das aktuelle Plateau liegt bei etwa 16 Billionen Euro. Betrachtet man die letzten 26 Jahre, ist die Geldmenge von 4 auf 16 Billionen gestiegen, was einer Vervierfachung entspricht. Setzt man Geldmengenwachstum mit Geldwertverlust gleich, ergibt sich ein theoretischer Wertverlust von 75 Prozent, der sich in inflation niederschlagen kann. Vollständig durchgeschlagen hat er sich bislang noch nicht, aber die Auswirkungen der hohen Geldmenge sind bereits spürbar. Speziell in den letzten sechs Jahren haben wir durch inflation einen Geldwertverlust von 30 Prozent erlitten. Das ist auch sehr gut beschrieben in dem Buch „Die Wahrheit über Geld" von Raimund Brichter. Ich verdiene daran nichts, empfehle es aber, weil es das Thema kompakt darstellt. Der Autor erklärt darin unter anderem den Begriff inflation und vertritt die Ansicht, dass inflation durch eine steigende Geldmenge entsteht. Die Auswirkungen einer steigenden Geldmenge treten mit Verzögerung ein, wobei Zeitpunkt und Ausmaß ungewiss sind. Es ist jedoch eine logische Schlussfolgerung, dass bei einer wachsenden Geldmenge im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung und zu den verfügbaren Gütern der Geldwert langfristig sinken muss, auch wenn dieser Prozess viele Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern kann. Das ist eine potenzielle Gefahr. Wo liegt das Problem? Wen stört eine steigende Geldmenge? Im Prinzip hat zunächst niemand einen unmittelbaren Nachteil. In Gesprächen mit Freunden und Bekannten hört man oft: Griechenland musste gerettet werden, Zypern musste gerettet werden, die Banken mussten gerettet werden, das Geldsystem muss funktionieren. Und wenn Geld gedruckt wird, wo ist dann das Problem? Einen Aspekt habe ich bereits vorweggenommen: Wir erleben heute inflation, die nicht 2012 oder 2013 als Spätfolge der Finanz- und Eurokrise aufgetreten ist, sondern die speziell im Zuge der Corona-Pandemie begonnen hat, bedingt durch Lieferengpässe und in Verbindung mit der höheren Geldmenge. In Österreich haben wir tatsächlich in nur sechs Jahren knapp 30 Prozent unseres Geldwertes verloren. Das muss man sich vor Augen führen, denn viele Menschen nehmen das nicht wahr. Wer 100.000 Euro auf der Bank hat, sieht heute immer noch 100.000 Euro auf dem Konto und hat daher kein Gefühl für einen Verlust. Aber alles andere ist teurer geworden. Um sich heute dasselbe leisten zu können wie vor sechs Jahren, bräuchte man 130.000 Euro. Stehen nur 100.000 Euro auf dem Konto, hat man real 30.000 Euro verloren. Das ist inflation. Die Darstellung ist etwas komplex, aber das ist die Realität. Die Staatsschulden in Österreich sind dramatisch gestiegen. Viele kennen es vielleicht aus anderen Webinaren: Die Staatsverschuldung sollte gemessen am Bruttoinlandsprodukt bei maximal 60 Prozent liegen. Heute stehen wir bei über 80 Prozent, und die Prognosen für 2060 gehen im besten Fall von 148 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, sofern alle geplanten Sanierungs- und Reformmaßnahmen vollständig umgesetzt werden, also Einsparungen im Staats- und Verwaltungsapparat, geringere Ausgaben und höhere Einnahmen durch bessere Wirtschaftsleistung. Gelingt die Umsetzung dieser Reformen nicht, steigt die Staatsverschuldung auf 250 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Bei der Einführung des Euro hatte man sich auf eine Schuldenobergrenze von 60 Prozent geeinigt, um die Währungsstabilität zu gewährleisten. Von diesem Ziel haben wir uns bereits weit entfernt und werden uns künftig noch weiter davon entfernen. Grundsätzlich wäre das kein unmittelbares Problem, wenn nicht die Zinszahlungen ins Gewicht fallen würden. Wenn der Staat einen immer größeren Teil seiner Einnahmen für Zinszahlungen aufwenden muss, verringert sich der Spielraum für die Finanzierung von Schulen, Bildungseinrichtungen, dem Gesundheitssystem und dem Sozialversicherungssystem. All das, was wir an unserem Wohlfahrtsstaat Österreich schätzen, wird zunehmend schwerer zu finanzieren, wenn ein wachsender Anteil der Staatseinnahmen für Zinszahlungen verwendet werden muss, die im Wesentlichen Zahlungen für Investitionen und Ausgaben der Vergangenheit sind. Staatseinnahmen sollten für aktuelle und zukünftige Ausgaben eingesetzt werden, nicht für vergangene. Eine gewisse Vorfinanzierung ist unvermeidlich, aber die Verhältnismäßigkeit muss stimmen. Staatsschulden werden dann zum Problem, wenn der Aufwand für Zinszahlungen untragbar wird. Dann werden die Auswirkungen steigender Staatsschulden auch bei den Konsumentinnen und Konsumenten spürbar ankommen. Die aktuellen globalen Probleme, insbesondere in den USA, stehen zumindest in einem Zusammenhang mit der zunehmenden Staatsverschuldung. Viele Investorinnen und Investoren flüchten bereits aus Banksparprodukte, aus Sorge vor inflation und weiteren Entwicklungen. Deshalb ist beispielsweise der Goldpreis stark gestiegen. Die gelbe Linie zeigt, dass Gold von 2009 bis heute einen jährlichen Zuwachs von über 10 Prozent verzeichnet hat. Wer vor 17 Jahren, also 2009, rund 10.000 Euro in Gold investiert hätte, hätte heute einen Gewinn von 42.000 Euro, also insgesamt 52.000 Euro. Damit wäre der inflation, dargestellt durch die graue Linie, mehr als ausgeglichen: Bei einer Investition von 10.000 Euro vor 17 Jahren wären 6.000 Euro Gewinn nötig gewesen, um den realen Wert zu erhalten. Das hat Gold deutlich übertroffen. Gleiches gilt für Aktien, dargestellt durch die blaue Linie, mit einer Nettorendite von ebenfalls über 10 Prozent. Das ist im Wesentlichen der Treiber für Investitionen in Aktien, Gold und andere Sachwerte wie Immobilien, Kunst oder ähnliches. Diese Sachwerte sind der Gegenspieler zu den durchaus hohen Bewertungen an den Aktienmärkten. Das ist kein Thema für heute, sondern wird beim nächsten Mal genauer betrachtet. Festzuhalten ist: Die Auswirkungen der steigenden Geldmenge sind inflation, steigende Staatsverschuldung und eine zunehmende Flucht in Sachwerte. Nun möchte ich kurz zum Ursprungsthema zurückkehren, zum Bankrun, und auf aktuelle Entwicklungen eingehen. Im Jahr 2023 erlebten wir den ersten digitalen Bankrun der Geschichte, betroffen war die Silicon Valley Bank. Diese galt als sehr solide und war auf die Finanzierung von Technologieunternehmen in einem frühen Gründungsstadium spezialisiert. Was ist passiert? Anfang März 2023 wurde bekannt, dass die Bank mit Anleihen einen Verlust von 1,8 Milliarden Dollar erlitten hatte. Dieser Verlust musste realisiert und gemeldet werden. Von der Bekanntgabe der Information bis zur Reaktion der Kunden vergingen etwa 30 Stunden. Da es sich um eine Online-Bank handelte, konnten Kunden per Smartphone und einem Fingertipp Geld von einer Bank zur anderen transferieren, ähnlich wie es vielleicht einige mit digitalen Banken wie N26 kennen. Bargeld abheben ist bekanntlich weniger einfach, am Bankomaten sind es in der Regel 400 Euro. In diesem Fall wurde kein Bargeld abgehoben, sondern Guthaben von der Silicon Valley Bank zu anderen Banken transferiert, und zwar von sehr vielen Kunden gleichzeitig in kurzer Zeit. 42 Milliarden Dollar, ein Viertel der gesamten Einlagen der Bank, wurden abgezogen. Keiner Bank ist es möglich, 25 Prozent ihrer Einlagen innerhalb von 30 Stunden zu bewältigen, weshalb die Bank abgewickelt werden musste. Das kann sehr schnell gehen: Heute kommt eine Information, morgen hat sich die Situation grundlegend verändert. Der Unterschied zu 1931 oder anderen historischen Bankruns liegt weniger im Prinzip als in der Geschwindigkeit. 42 Milliarden Dollar durch zahlreiche Transaktionen innerhalb von 30 Stunden hat es in dieser Form noch nie gegeben. Das ist auch der Grund, warum Aufsichtsbehörden seither aufmerksamer sind, da dies der erste derartige Anlassfall war. Schauen wir kurz nach Österreich und auf die österreichischen Banken der letzten 20 Jahre. Es gab fünf formelle Insolvenzen und Konkurse. Die Commerzialbank Mattersburg im Burgenland AG war 2020 betroffen. Dieser Fall betraf ausschließlich diese Bank und war keine allgemeine Finanzkrise, sondern auf kriminelle Handlungen, nämlich massive Bilanzfälschungen, zurückzuführen. Es war die drittgrößte Insolvenz des Landes mit 600 Millionen Euro. Die Meinl Bank ist vielleicht noch bekannt, insbesondere aus der Finanzkrise, als über Finanzdienstleister eine Immobilienaktie von Meinl vertrieben wurde. Die Bank wurde umgegründet, hieß zeitweise Anglo-Austrian und wurde 2020 abgewickelt. Daneben gab es kleinere Fälle wie die Autobank AG, die Wiener Trigon Bank AG und die Eurambank, European American Investment Bank, die erst im März 2025 formell insolvent erklärt wurde. Positiv ist, dass die Einlagensicherung in all diesen Fällen funktioniert hat und kein Konsument Geld verloren hat. Welche weiteren Krisenfälle gab es in Österreich? Die BAWAG ist vielleicht noch in Erinnerung. 2006, also vor der Finanzkrise, gab es einen großen Skandal mit erheblichen Summen, die im Vergleich zu den späteren Verwerfungen der Finanzkrise jedoch klein wirkten. In der Finanzkrise war in Österreich vor allem die Hypo Alpe Adria Bank stark betroffen und musste vor einem Totalzusammenbruch aufgefangen werden. Als Steuerzahler haben wir dafür rund 9 Milliarden Euro aufgewendet. Letztlich gilt: Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert. Auch die Wüstenrot musste in der Finanzkrise Umstrukturierungen vornehmen. 2022 war die Sberbank infolge des russischen Angriffskrieges von einem Bankrun betroffen. Die FMA untersagte den Geschäftsbetrieb, die Bank konnte sich jedoch selbst finanzieren und zog sich freiwillig aus dem Markt zurück. Wo Krisen befürchtet wurden, blieben in Wirklichkeit größere Probleme aus. Österreichische Banken sind bekannt für ihre starke Präsenz in Osteuropa, wo sie über viele Jahre hohe Gewinne erzielt haben, da die Margen dort größer waren. Die Probleme sind durch den Konflikt mit Russland größer geworden. Ich hatte ehrlich gesagt deutlich größere Schwierigkeiten für die österreichischen Banken erwartet. Die Schließungen und der Rückzug der Raiffeisen International, der Erste Bank und der Bank Austria aus bestimmten Regionen haben zwar hohe Abschreibungen erfordert, die Banken sind aber aus heutiger Sicht solide genug, um das zu bewältigen. An dieser Stelle ist es mir wichtig zu betonen: Das alles ist kein Grund zur Panik. Was hier beschrieben wird, dient dem Verständnis der Zusammenhänge. Man sollte weder dem Konto misstrauen noch Geld unter die Matratze legen, sondern bewusste und gut überlegte Entscheidungen treffen. Damit komme ich zum Abschluss und zu den sechs konkreten Maßnahmen, die du aus dem heutigen Webinar mitnehmen kannst. Erstens: Du brauchst ein Girokonto bei einer Hausbank. Ich persönlich schätze österreichische Banken sehr und halte es für sinnvoll, ein Girokonto bei einer regionalen Bank zu führen, insbesondere im Firmenbereich, wo persönliche Ansprechpartner wichtig sind. Allerdings sollte nicht das gesamte Geld dort liegen. Das Konto ist ein Zahlungsinstrument, kein Vermögensspeicher. Der Notgroschen und die laufenden Verbindlichkeiten gehören zur Bank, die langfristige Geldanlage jedoch nicht, da sie dort der inflation ausgesetzt ist. Das Geld sollte auf mehrere Banken verteilt werden. Unsere grundsätzliche Empfehlung lautet, zwei Monatsgehälter für den laufenden Betrieb bei der Hausbank zu halten. Zweitens: Du solltest ein zweites Konto bei einer anderen Bank mit einer anderen Einlagensicherung einrichten. Der Raiffeisensektor, die Sparkassen und alle anderen Banken haben jeweils eigene Einlagensicherungssysteme. Wer österreichische Banken bevorzugt, dem empfehle ich, das Geld auf zwei Banken mit unterschiedlichen Einlagensicherungssystemen aufzuteilen. Ich persönlich nutze eine österreichische Bank für die primären Abwicklungen und die N26 als Zweitbank, da diese dem deutschen Einlagensicherungssystem unterliegt. Im digitalen Zeitalter ist es auch möglich, ausländische Banken zu nutzen, wobei Sicherheit vor Rendite gehen sollte und nicht die höchsten Zinssätze ausschlaggebend sein sollten. Mit je zwei Monatsgehältern auf zwei Konten bei Banken in zwei verschiedenen Ländern ist die Liquidität für den laufenden Betrieb bereits gut aufgeteilt. Drittens: Dringende Empfehlung ist, Bargeld zu Hause in kleinen Scheinen in Höhe von zwei Monatsgehältern zu halten. Der Zivilschutz empfiehlt 100 Euro pro Familienmitglied, was meiner Einschätzung nach zu wenig ist. Zwei Monatsgehälter können je nach Haushaltseinkommen bis zu 10.000 Euro bedeuten, was versicherungstechnisch in der Regel kein Problem darstellt, da die meisten Haushaltsversicherungen Bargeld in einem Behältnis bis zu 15.000 Euro gegen Feuer und Einbruchdiebstahl absichern. Bitte informiere dich bei deiner Haushaltsversicherung. Bargeld hat den entscheidenden Vorteil, dass es im Falle von Kapitalmaßnahmen wie in Griechenland oder Zypern, wo täglich nur 60 Euro abgehoben werden durften, als Überbrückungsmittel dient. Bargeld gehört daher in jedes Sicherungskonzept. Mit diesen drei Bausteinen, Hausbank, Zweitbank und Bargeld, verfügst du über die empfohlenen sechs Monatsgehälter an Liquidität, die man haben sollte, bevor man mit dem Vermögensaufbau beginnt, um im Ernstfall nicht auf Geldanlagen oder Sachwerte zurückgreifen zu müssen. Viertens: In Österreich besteht die Möglichkeit, Geld direkt der Republik Österreich über bundesschatz.at zu leihen. Damit umgeht man den Weg über Banken und ist direkt an der Staatsfinanzierung beteiligt. Der Staat ist die letzte Instanz, die einspringen kann, wenn eine Bank in Schwierigkeiten gerät. Die Einlagensicherung bis 100.000 Euro hat ihre Tücken und hat bislang immer funktioniert, aber das Geld könnte im Ernstfall nicht vorhanden sein. Wer direkt der Republik leiht, genießt einen höheren Schutz, und die angebotenen Zinsen sind angemessen. Auch hier gilt: Nicht die Rendite, sondern die Sicherheit steht im Vordergrund. Auf bundesschatz.at kann man Geld für verschiedene Laufzeiten anlegen, etwa sechs Monate, zwei oder drei Jahre. Es ist einfach zu administrieren. Zu beachten ist, dass Ein- und Auszahlungen weiterhin über Banken abgewickelt werden, sodass dieser Weg keinen Schutz vor Kapitalmaßnahmen bietet, die Abhebungen reglementieren. Er schützt jedoch vor dem Ausfall einer einzelnen Bank. Fünftens: Depot statt Sparbuch. Über ein Depot können Geldmarktfonds oder Anleihen erworben werden, die als Sondervermögen gelten. Diese Wertpapiere stehen im Eigentum des Anlegers, nicht der Bank. Die Bank ist lediglich Verwalter. Im Insolvenzfall einer Bank ist dieses Vermögen von der Insolvenzmasse des Kreditinstituts getrennt und damit gesichert. Ein Depot bietet daher im Insolvenzfall einer Bank klare Sicherheitsvorteile. Sechstens: Sachwerte im Depot oder in einer fondsgebundenen Lebensversicherung sind das Hauptthema. Alles Geld, das mittelfristig nicht benötigt wird, sollte zumindest teilweise in Sachwerte, also in Unternehmensbeteiligungen, investiert werden. Das macht unabhängiger vom Geldsystem, hat in der Vergangenheit höhere Renditen erzielt und den inflation ausgeglichen. Genau darum geht es im nächsten Webinar: wie man in der heutigen Zeit gut in Sachwerte investiert, allen voran Unternehmen. Vorwegzunehmen ist, dass auch hier Herausforderungen bestehen. Der Aktienmarkt hat sich sehr gut entwickelt, es wird von Blasenbildung gesprochen, etwa einer KI-Blase, einer Gewichtungsblase oder einer Überhitzung der Wirtschaft. Das ist ernst zu nehmen und genau zu analysieren. Unsere Lösung liegt im selektiven Investieren, das im nächsten Webinar vorgestellt wird. Es geht um gute Geschichten und schlechte Geschäfte, also um die Psychologie der Märkte. Dazu habe ich ein weiteres Buch mitgebracht, das ich noch nicht vollständig gelesen habe: „Die Psychologie der Börse". Beim Investieren in Unternehmen über die Börse spielt das Verhalten der Menschen eine zentrale Rolle, und das Verhalten der Menschen ist Psychologie. Diese Themen werden beim nächsten Mal behandelt. Was kannst du jetzt konkret mitnehmen und wie kannst du handeln? Drei Punkte: Du kannst bei uns eine kostenfreie Quick-Check-Analyse buchen. Schau auf fynup.at unter „Beraten". David und sein Team sowie Simone stehen für eine kostenlose Erstberatung zur Verfügung. Im Anschluss folgt eine transparente Honorarberatung. Schau dir außerdem das nächste Webinar an: „Gute Geschichte, schlechtes Geschäft" am Dienstag, dem 15. September 2026, um 19 Uhr. Die Anmeldung ist jederzeit möglich unter „Wissen" oder über den Banner auf der Website. Unter „Wissen" und „Artikel" findest du zudem wertvolles Finanzwissen rund um das Thema Geld, unter anderem Artikel zu Bargeld, zum digitalen Euro, zu Konsumverhalten in den USA und zu aktuellen Währungsthemen. 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