Die NEOS sprechen von einer Beratungspflicht vor dem Kauf, welche aufgrund der Wahlfreiheit der Fonds/ETFs und dem damit verbundenen unterschiedlichen Chancen und Risiken (siehe oben) klar zu empfehlen ist. Auch sollten sich Interessent:innen vor der Entscheidung über mögliche Vor- und Nachteile, sowie Alternativen informieren.
Eine spannende Frage ist, wer die Kosten der Beratung übernimmt. Schauen wir uns die potentiellen Anbieter der Reihe nach an:
- Direktkauf bei der österreichischen Bundesfinanzagentur (OeBFA):
Es ist zu lesen, dass das Zukunftsdepot auch direkt bei der österreichischen Bundesfinanzagentur (OeBFA) abgeschlossen werden kann. Falls die OeBFA die Beratung selbst erbringen soll, wären die dafür nötigen Ressourcen zu schaffen, welche Kosten verursachen, bezahlt vom Staat, also indirekt vom Steuerzahler. Alternativ könnte die Beratungsleistung an Honorarberater ausgelagert werden, aber auch hier stellt sich die Frage, wer die Kosten dafür trägt.
- Kauf mit Beratung bei österreichischen Banken
Es ist davon auszugehen, dass die meisten österreichischen Banken das Zukunftsdepot für Kinder anbieten werden. Sollte es keine klaren Regeln zu Beratungskosten geben, ist zu befürchten, dass es zu intransparenten Kostenbelastungen über Kick-Backs aus Fondskosten kommt. Diese intransparente Kostenbelastung gab es bereits bei der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge, welche in der Schüssel-Grasser Ära 2003 mit großen Versprechen und hohen Renditeerwartungen millionenfach verkauft wurde. Nach mehr als 20 Jahren stellt sich dieses Produkt als Fehlkonstruktion heraus, da nach Inflation nur reale Verluste übrig bleiben. Mehr Infos hier.
- Direktkauf bei Online-Banken/Neobroker (Flatex, TradeRepublic, dadat, easybank, scalable, etc.)
Für Onlinebanken und Neobroker stellt sich dasselbe Problem, wie bei der ÖeBFA (siehe oben): Von wem soll die Beratung erfolgen? Diese Plattformen verfügen eben nicht über die nötige Infrastruktur und es ist auch nicht davon auszugehen, dass diese Strukturen geschaffen werden. Kooperationen mit Honorarberater wären eine mögliche Lösung, in diesem Fall ist zu klären, wer die Kosten dafür übernimmt.
- Beratung von Provisionsberater
In Österreich wird in der Regel für Finanzberatung nichts gezahlt, Berater:innen werden über Provisionen aus vermittelten Produkten vergütet. Damit wissen Konsument:innen meist nicht, wie viel die Beratung tatsächlich gekostet hat, ganz zu schweigen von den laufenden Kosten für eine eventuelle Betreuung. Wenn die laufenden Kosten (TER) der Fonds/ETFs beim Zukunftsdepot tatsächlich mit 0,5 % gedeckelt werden, bleibt wenig Spielraum für Provisionen. Provisionsberater scheiden in diesem Fall also aus.
- Beratung durch Honorarberater
Eine logische Lösung sind Honorarberater, den sie können produktunabhängig beraten und ohne Interessenskonflikt das jeweils passende Produkt empfehlen. Das gilt für Angebote der OeBFA genauso wie für Onlinebanken/Neobroker, aber auch für Bankangebote. Es bleibt nur eine Frage offen: Wer bezahlt diese Dienstleistung?