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Gute Geschichte, schlechtes Geschäft. Im Kern geht es darum, dass ich meine 30-jährige Branchenerfahrung Revue passieren lasse und dabei einige gute Geschichten kennengelernt habe, die sich für viele zu einem schlechten Geschäft entwickelt haben. Deshalb ist es wichtig, auf die Geschichten zu hören, die in den letzten 30 Jahren meiner Erfahrung in der Finanzwelt erzählt wurden, denn wer die Geschichte versteht, kann Fehler für die Zukunft vermeiden. Welche Geschichten werden gerade erzählt? Damit kommen wir in die Gegenwart. Entscheidend ist: Was ist mit dem ETF-Weltportfolio, mit dem angekündigten Vorsorge-Depot? Wie steht es um die Sparbuchinflation, Garantieprodukte, den Bundesschatz und ähnliches? Und wo stehen wir heute und wie solltest du dich jetzt positionieren? Dieses Webinar ersetzt keine Beratung, die wir selbstverständlich gerne als Honorarberater anbieten. Geldanlage birgt Risiken, und Performanceergebnisse der Vergangenheit sind kein Indikator für die Zukunft.
Beginnen möchte ich mit der guten Geschichte. Im Jahr 2000 entstand der Internet- und Telekommunikationsboom. Ich selbst war dabei und bin 1997 und 1998 in die Märkte eingestiegen. Die Geschichte der Deutschen Telekom war inhaltlich valide. Kurz zur Übersicht: Der Chart oben zeigt einen Anstieg von 1997 bis zum Jahr 2000 auf 103 Euro. Aktuell liegt der Kurs bei etwa 30 Euro, der Tiefstand lag bei 7,71 Euro. Betrachtet man den Kursverlauf der Deutschen Telekom, ergibt sich eine Achterbahnfahrt, bei der sehr viele Anlegerinnen und Anleger Geld verloren haben.
Schauen wir uns kurz an, wie es dazu gekommen ist. Im November 1996 ging die Telekom zum Kurs von 14,57 Euro an die Börse. Die Emission war fünffach überzeichnet, 1,9 Millionen Privatanleger waren beteiligt, davon 650.000, also ein Drittel, zum ersten Mal in ihrem Leben in Aktien investiert. Das muss man sich vergegenwärtigen. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, obwohl es schon so lange zurückliegt. Das Vorhaben wurde auch politisch gefördert. Es war das neue Zeitalter des Internets und der Telekommunikation. Alle haben darauf gesetzt, dass sich unser Leben verändern würde, und das Internet und die Telekommunikation haben unser Leben tatsächlich verändert. Das waren keine falschen Aussagen und keine falschen Erwartungen. Das Entscheidende, das sich wie ein roter Faden durch dieses Webinar ziehen wird, ist immer die Frage: Zu welchem Preis kaufe ich was? Man muss zwischen den Geschichten, die inhaltlich stimmen, und dem tatsächlichen Geschäft unterscheiden, also ob es sich lohnt oder nicht. Wir schauen nun in die Geschichte, um für die Gegenwart Rückschlüsse ziehen zu können, damit uns dasselbe Schicksal in der Zukunft nicht widerfährt.
1999 kam es zur zweiten Tranche. Die Telekom hatte viel investiert und Kapital benötigt, weshalb eine Kapitalerhöhung zum Preis von 39,50 Euro durchgeführt wurde. Wer bei der Erstemission dabei war, hatte seinen Kapitalwert innerhalb kürzester Zeit von 14,50 Euro auf 39,50 Euro verdoppelt. Die dritte Tranche folgte im Jahr 2000 bereits zu 66,50 Euro, und selbst zu diesem Zeitpunkt war die Neuemission 3,5-fach überzeichnet. Die Nachfrage war also sehr stark. Man hat in den Rückspiegel geschaut und gesehen, wie sich die Aktie in der Vergangenheit entwickelt hatte: von 14,57 Euro auf 66,50 Euro, eine Verfünffachung innerhalb von etwa vier Jahren. Das hat viele bewogen, kräftig zuzugreifen, ohne zu fragen, zu welchem Preis man die Aktie kauft und ob der Preis dem tatsächlichen Wert des Unternehmens entspricht. Es geht immer um diese zwei Fragen: Welchen Preis zahle ich für welchen Wert, und werden letztendlich Gewinne erwirtschaftet? Die Gewinne wurden auch erwirtschaftet, früher oder später, aber nicht in dem Ausmaß, das damals erwartet wurde, beziehungsweise nicht in einem Verhältnis zum gezahlten Preis. Im Jahr 2002 fiel der Kurs auf 8,42 Euro, der Tiefstand lag bei 7,71 Euro. Alle, die zum Höhepunkt oder zum Emissionskurs von 66,39 Euro gekauft haben, mussten sehr lange auf Gewinne warten oder haben bis heute keine erzielt. Die Geschichte war, noch einmal, inhaltlich richtig. Das Internet ist gekommen, der Mobilfunk ist gekommen, die Telekom existiert bis heute. Und Geschichten werden selten gratis erzählt: Allein in Werbung wurden damals circa 600 Millionen D-Mark investiert. Alles richtig, aber man muss auf die Geschichte und auf den Preis achten, den man dafür bezahlt.
Ein zweites Beispiel aus der Dotcom-Blase: Cisco, ein amerikanisches Unternehmen, war am Höhepunkt kurzzeitig das wertvollste Unternehmen der Welt. Der Kurs schoss auf über 200 Dollar und fiel dann stark auf 8,70 Dollar. Das Unternehmen hat sich seither grundlegend verändert: Aus dem Internetausrüster von 2000 ist heute ein breit aufgestelltes Unternehmen mit Cloud-, Sicherheits- und KI-Software geworden. Heute ist auch wieder alles gut. Wer zwischen 2003 und 2015 oder auch 2020 in Cisco investiert hat, hat ein sehr gutes Unternehmen zu einem günstigen Preis im Verhältnis zum Unternehmenswert erworben. Wer hingegen 1999 oder 2000 am Höhepunkt gekauft hat, hat einen viel zu hohen Preis bezahlt. Auch hier war die Geschichte von Cisco nicht falsch. Falsch war der zu hohe Preis. Wer vergisst, auf den Preis zu achten, und nur auf die Geschichte hört, bezahlt das oft sehr teuer, wie diese beiden Beispiele zeigen.
Viele sagen, sie investieren nicht in Einzelaktien, sondern kaufen ETFs oder breit gestreute Fonds. Bei der Tech-Blase im Jahr 2000 hat das jedoch nichts geholfen. Das ist tatsächlich ein Fonds von J.P. Morgan, in den auch ich damals investiert habe. Den Fonds gibt es heute noch, viele andere wurden mittlerweile geschlossen. Wer 1998 investiert hatte, hat zunächst eine sehr erfreuliche Entwicklung erlebt: Aus 10.000 Euro wären in kurzer Zeit 33.000 Euro geworden. Die meisten haben jedoch nicht 1998 oder 1999 investiert, sondern am Höhepunkt, und diese lange Verlustphase, die im Prinzip bis fast heute andauert, nicht durchgehalten und den Fonds irgendwann verkauft. Die Aussage dieses Beispiels lautet: Auch ein breit diversifizierter Fonds innerhalb einer Branche kann zu dramatischen Verlusten führen, wenn man erneut vergisst, auf den Preis zu achten, den man für eine bestimmte Branche zahlt. Heute wird der KI-Boom von vielen als Parallele zur damaligen Dotcom-Blase gesehen.
Was ist danach passiert? In den Jahren 1998 bis etwa 2001 hat jeder über Aktien gesprochen. Ich erinnere mich gut daran: Im Kaffeehaus haben alle von tollen Aktien und erzielten Gewinnen berichtet, quer durch alle Altersgruppen. Im Jahr 2003, als die Dotcom-Blase geplatzt war, hat niemand mehr von Aktien gesprochen. Das Wort Aktie war damals tatsächlich ein Schimpfwort. Glücklicherweise wurde zu Zeiten von Schüssel und Grasser, also 2002 und 2003, die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge eingeführt. Da es sich um ein staatlich gefördertes Produkt handelte, war eine Kapitalgarantie vorgesehen. Das Produkt wurde millionenfach verkauft, leider mit viel zu hohen Kosten. Die Geschichte war auch hier wieder gut: staatliche Förderung, Steuerfreiheit, Kapitalgarantie, und die Modellrechnungen ließen Renditen von bis zu 9 Prozent erwarten. Das war zwar nicht garantiert, aber so hochgerechnet, und das Produkt galt als eierlegende Wollmilchsau. Bei genauerer Betrachtung hätte man Mängel erkennen können, allerdings waren damals nicht alle Informationen verfügbar. Ein Beispiel: Nach der Finanzkrise 2008 wurden die versprochenen Aktienquoten von bis zu 40 Prozent durch Devisen-Termingeschäfte auf bis zu 0 Prozent reduziert. Obwohl man also 40 Prozent Aktienanteil und damit entsprechende Renditechancen versprochen hatte, wurde die Aktienquote nachträglich einseitig heruntergefahren. Das ist für mich bis heute rechtlich keine saubere Lösung, aber wo kein Kläger, da kein Richter. Das Fazit ist, dass die gute Geschichte der prämiengeförderten Zukunftsvorsorge aufgrund von Konstruktionsfehlern, auf die ich jetzt nicht näher eingehen möchte, zu einer Entwicklung geführt hat, die in etwa der roten Linie hier entspricht. Wer in den letzten 25 Jahren monatlich 100 Euro eingezahlt hat, hätte bis heute 30.000 Euro eingezahlt. Bei manchen Verträgen ist man nominell noch immer im Minus, bei manchen knapp im Plus. Viele Gesellschaften wie die Uniqa haben dieses Produkt bereits vor Jahren eingestellt. Die Wiener Städtische und die ihr angehörenden Unternehmen verkaufen es heute noch. Es ist meiner Meinung nach nach wie vor kein empfehlenswertes Produkt für die langfristige Altersvorsorge, was man sich im Detail anschauen kann, wenn man es besitzt oder wenn es angeboten wird.
Warum ist es nicht empfehlenswert? Weil man bei der langfristigen Geldanlage immer den inflation berücksichtigen muss. Die graue Fläche im Chart zeigt, welcher Gewinn nötig gewesen wäre, um die Kaufkraft des gesparten Geldes zu erhalten. Zwischen 2000 und 2026 ist die inflation stark gestiegen. In den letzten sechs Jahren haben wir tatsächlich 30 Prozent unseres Geldwertes durch inflation verloren. Wer Geld für die Altersvorsorge oder andere Ziele spart und diesen inflationshügel nicht erreicht, hat real Geld verloren. Bei einem Sparplan von 100 Euro monatlich über 25 Jahre wäre ein Gewinn von knapp 14.000 Euro nötig gewesen, um die Kaufkraft zu erhalten. Wer diesen Gewinn nicht erzielt hat, hat real einen Verlust erlitten. Das gilt generell für Kapitalgarantieprodukte: Es gibt immer nur eine Garantie auf den nominellen Wert, nie auf den inflationsbereinigten Wert, da die künftige inflation naturgemäß unberechenbar ist. Man sollte eher mit 3 Prozent realer inflation rechnen als mit den 2 Prozent, die die Europäische Zentralbank anstrebt. Das halten wir für zu gering. Die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge war also eine sehr gute Geschichte, die von Politik, Versicherungen und Banken einhellig propagiert und millionenfach verkauft wurde. Viele Konsumentinnen und Konsumenten haben damit kein Geld gewonnen beziehungsweise real Geld verloren. Der große Gewinner war die Finanzindustrie, die sehr hohe Gebühren verrechnet hat. Für die Finanzindustrie stimmte die Rechnung, für die Konsumentinnen und Konsumenten leider nicht.
Wie ging es weiter? Nach dem Platzen der Dotcom-Blase waren Aktien für die meisten Kunden kein Thema mehr. Stattdessen wurden Immobilien zum Gebot der Stunde. Finanzvertriebe wie der damalige AWD, der heute nicht mehr existiert und von Swiss Life Select übernommen wurde, aber auch andere Strukturvertriebe wie OVB und EFS sowie Versicherungsmakler, Vermögensberater, Banken und Versicherungen verkauften Immobilienfonds und insbesondere Immobilienaktien. Im Mittelpunkt stand dabei die Immofinanz. Diese Immobilienaktien waren besonders attraktiv, weil ihr Kurs, wie auf der linken Seite des Charts zu sehen, sehr stabil war. Vor allem in den Jahren 2000 bis 2003 gab es Gewinne ohne die bei Aktien üblichen Wertschwankungen, dafür mit höheren Renditen. Das ist natürlich verlockend, wenn es so scheint, als gäbe es keine Wertschwankungen, aber hohe Renditen. Der Mittelzufluss wuchs stetig, die Geschichte war wieder gut: Investiere in Immobilien, da weiß man, was man hat. Der Kurs stieg und stieg, wurde gegen Ende immer steiler, und 2007 kollabierte das gesamte System im Zuge der Finanzkrise, weil Preis und Wert nicht mehr übereinstimmten. Die Werte der Immobilien entsprachen nicht mehr den Preisen. Die Menschen, die in diesen Jahren investiert hatten, sahen nur die Vergangenheit und entschieden sich aufgrund der positiven historischen Wertentwicklung für ein Investment. Auch die Finanzindustrie wurde von diesen vergangenen guten Ergebnissen getrieben, und die Empfehlungen waren sehr einseitig. Ich erinnere mich gut daran, dass es kaum möglich war, jemandem davon abzuraten. Man wusste zu dem Zeitpunkt ja nicht, wie es weitergehen würde. Wer 2005 oder 2006 in die Vergangenheit geschaut und gesagt hat, das kann sich irgendwann nicht mehr ausgehen, musste feststellen, dass es trotzdem noch ein oder zwei Jahre weiterging. Dann sagte das Gegenüber: Du hast gesagt, es kann nicht so weitergehen, und es geht doch weiter, also glaube ich, dass es so bleibt, und deshalb investiere ich. Das ist immer das Problem, wenn man nur in die Vergangenheit schaut und dort eine lange Phase positiver Ergebnisse sieht: Es wird zunehmend schwieriger, sich psychologisch von diesem Trend zu lösen. Der Einbruch war dann sehr stark, fast ein Totalverlust. Die Immofinanz wurde umbenannt und in die CPI Europe AG umfirmiert. Die Aktie existiert noch, dümpelt aber seit 2010 vor sich hin, ohne nennenswerte Gewinne, obwohl die Immobilienpreise in den letzten 10 bis 15 Jahren bekanntlich stark gestiegen sind. Das spiegelt sich in der Immofinanz-Aktie jedoch nicht wider. Ein vergleichbares Schicksal ereilte die Meinl European Land, die in Atrium European Real Estate umbenannt wurde und seit 2022 nicht mehr an der Börse notiert ist. Auch das war eine sehr gute Geschichte, aber ein sehr schlechtes Geschäft für Konsumentinnen und Konsumenten.
Was kam 2003 noch? Einige hielten an Aktien fest und griffen dabei auf die Wissenschaft zurück. Harry Markowitz hatte 1952 mathematisch nachgewiesen, dass man das Gesamtrisiko eines Investmentportfolios deutlich reduzieren kann, indem man unterschiedliche Anlageklassen miteinander kombiniert. Dafür erhielt er sogar den Nobelpreis. Ich möchte nicht im Detail darauf eingehen, sondern nur das Wesentliche festhalten: Wissenschaftlich begründet, korrekt berechnet auf Basis historischer Daten. Ich gehe davon aus, dass die Erkenntnisse von Markowitz korrekt sind, da sie allgemein anerkannt sind und mit einem Nobelpreis ausgezeichnet wurden. Die Praxis sieht jedoch manchmal anders aus. Eine der Aussagen lautet zum Beispiel: Investiere nicht alles in Aktien, sondern einen Teil in Aktien und einen Teil in Anleihen. Ein weiterer wichtiger Punkt: Wenn man sogenannte Managed Futures, also Terminkontrakte, die auch bei fallenden Kursen Gewinne erzielen können, zu 20 bis 30 Prozent beimischt, kann man die Rendite bei geringeren Wertschwankungen erhöhen, weil sich diese Anlageklassen unterschiedlich entwickeln. Steigen Aktien, können Managed Futures fallen und umgekehrt, und durch diese gegenläufige Entwicklung lassen sich langfristig positive Renditen erzielen. Einer der bekanntesten Anbieter solcher Managed Futures war Superfund. Vielleicht kennt das jemand: Herbert Prohaska trägt das Logo noch immer am Revers, wenn er für den ORF Sport moderiert. Im Jahr 2003 war das das Thema schlechthin. Warum? Weil man in den Jahren 1997 bis 2003 extrem hohe Gewinne erzielen konnte, jährlich 20 bis teilweise sogar 60 Prozent, in einer Zeit, in der Aktienkurse sich halbierten. Die Theorie von Markowitz besagte: Investiere einen Teil in Aktien, einen Teil in Managed Futures, einen Teil in Anleihen, und dein Gesamtrisiko sinkt bei verbessertem Ertrag. Die Daten und die Wissenschaft bestätigten das, und die Realität schien es ebenfalls zu bestätigen. Leider hat sich diese gute Geschichte langfristig nicht bewahrheitet: Ab 2007 verlor man fast zwei Drittel des in Termingeschäfte investierten Kapitals, und das in einer Zeit, in der Aktien wieder stark wuchsen. Das zeigt, dass man auch wissenschaftlich begründete Ansätze hinterfragen und individuell prüfen sollte, ob das jeweilige Instrument wirklich das passende ist. Aber es war eine gute Geschichte.
Dann gab es zwischendurch die Geschichte der BRICS-Länder: Brasilien, Russland, Indien und China, die vier aufstrebenden Volkswirtschaften. Etwa ab 2005 sprach über rund zwei Jahre jeder davon, man müsse BRICS unbedingt beimischen. Die Entwicklung eines BRICS-Fonds zeigt: Hätte man 2011 10.000 Euro in einen solchen Fonds in einem Online-Wertpapierdepot mit geringen Kosten investiert, hätte man heute nach Abzug aller Kosten und Steuern zwar den inflation ausgleichen können, aber für das eingegangene Aktienrisiko war das Ergebnis überschaubar. Ein Investment in einen global gestreuten MSCI World Aktienindex hätte wesentlich bessere Ergebnisse gebracht. Die Geschichte, konzentriert in aufstrebende Nationen zu investieren, war also auch eine gute, aber das Ergebnis blieb hinter den Erwartungen zurück.
Was gab es noch in den letzten 30 Jahren? Speziell nach der Finanzkrise galten Multi-Asset-Fonds als die Antwort. Warum? Weil sie 2007 bis 2009 relativ wenig verloren und sich schnell wieder erholt hatten, während reine Aktienfonds in dieser Zeit bis zu 50 Prozent verloren und die Erholung entsprechend länger dauerte. Die Reaktion der Finanzindustrie war, dass viele sagten: raus aus Aktien, nur noch Multi-Asset-Fonds. Hier zum Beispiel von C-Quadrat, einem österreichischen Unternehmen, das in diesem Bereich damals führend war. Viele schichteten um, was jedoch seit 2011 zu vergleichsweise schlechten Ergebnissen geführt hat. Die meisten stiegen erst nach der Finanzkrise in diese Fonds ein, nicht davor. Richtig wäre es gewesen, vor der Finanzkrise in Multi-Asset-Fonds zu wechseln, nicht danach. Wer aus Aktien ausstieg und in Multi-Asset-Fonds einstieg, machte es genau verkehrt: Er nahm vorher den Verlust in der Finanzkrise mit und ließ dann sehr viel Gewinn liegen. Wenn man langfristig investiert und den nötigen Atem hat, Verluste auszusitzen, war das im Nachhinein betrachtet keine gute Entscheidung. Auch hier war die Geschichte einhellig: Investiere in mehrere Anlageklassen, nicht langfristig in nur eine. Aber das Ergebnis sprach eine andere Sprache.
Damit nähern wir uns der Gegenwart. Die heutige Realität hat meiner Wahrnehmung nach etwa 2015 begonnen. ETFs sind heute in aller Munde und das Gebot der Stunde. Dabei gibt es ETFs schon lange: John Bogle, der Gründer von Vanguard, schrieb bereits in den 1960er Jahren seine Diplomarbeit darüber, dass ein Investment in den breiten Markt besser ist als selektives Investieren in einzelne Unternehmen. Der erste Indexfonds wurde dann, ich glaube, 1980 aufgelegt, dazu werden wir euch einen Artikel verlinken, in dem alle Zahlen genau angegeben sind. Der Unterschied zwischen Indexfonds und ETF besteht im Wesentlichen darin, dass ETFs an der Börse gehandelt werden, Indexfonds hingegen nicht, bei ansonsten gleichen Kosten und gleichem Investment. Durchgesetzt hat sich der Begriff ETF, und damit meinen wir heute in der breiten Masse immer ETFs oder Indexfonds, also passives Investieren. Einer der bekanntesten Finfluencer, der dieses Thema transportiert hat, ist Finanzfluss mit Thomas Kehl. Sie haben erst 2015 begonnen, was mich überrascht hat. Auch Gerd Kommer, den viele von euch kennen, hat sein Buch zwar bereits 2008 geschrieben, aber richtig gekauft wurde es erst ab etwa 2013 oder 2015. Das ETF-Thema ist also in der Realität in Europa noch eine relativ junge Geschichte. In Amerika war man etwas schneller, aber auch dort ist es in der breiten Masse noch jung.
Heute gibt es unzählige Finfluencer, die mehr oder weniger gute Finanzinformationen vermitteln, und die meisten von ihnen teilen im Kern dieselben Aussagen: Ein ETF-Weltportfolio ist das Beste, was man machen kann, und breit gestreut ist besser als selektiv investieren. Das geht zurück auf die frühen Erkenntnisse von John Bogle und ist durch zahlreiche wissenschaftliche Papiere belegt. Der Kern der Sache, auf den ich hinweisen möchte, ist jedoch: All das sind rückwärts gerechnete Ergebnisse, die sich in der Realität noch nicht bestätigt haben, wenn eine große Zahl an Anlegerinnen und Anlegern tatsächlich so investiert. Wir wissen, dass immer mehr Menschen weltweit in globale ETFs investieren und damit riesige Finanzströme entstehen. Vanguard hat vor kurzem einen neuen globalen ETF mit sehr günstigen Kosten von nur 0,07 Prozent aufgelegt, der Small Caps und Emerging Markets einschließt, und hat damit in einem Monat 15 Millionen Euro eingesammelt. Allein seit Jänner 2026 sind weltweit circa eine Billion US-Dollar netto in ETFs geflossen. Die Akteure an der Börse wissen, dass hier regelmäßig, meist über Sparpläne, Geld investiert wird, und sie wissen auch, welche Unternehmen gekauft werden, da ETFs sehr transparent sind.
ETFs sind grundsätzlich eine gute Sache. Wir empfehlen und vermitteln selbst passive ETFs, auch von Vanguard und iShares. Wir sehen das Thema jedoch zunehmend differenziert. passives ETF-Investieren ist sehr sinnvoll, wenn die Märkte niedrig bewertet sind und normale Marktbewertungen vorliegen. Derzeit sehen wir sehr hohe und sehr konzentrierte Marktbewertungen in Amerika, insbesondere im Bereich Künstliche Intelligenz und Informationstechnologie. Der entscheidende Punkt ist, wann man vom passive Investment mehr in Richtung selektives Investment wechselt. Wir haben in der Doppel-Netto-Polizze auch die Möglichkeit, in Clean Shares zu investieren, also in aktiv gemanagte Fonds, die zum Beispiel in Amerika nicht in 500 Unternehmen investieren, sondern selektiv in 30. Das Management kann dabei klare Differenzierungen vornehmen: Nvidia wird nicht gekauft, Apple und Alphabet schon. Das ist der Vorteil eines aktivn Fondsmanagements, das in den letzten 10 bis 15 Jahren absolut in den Hintergrund geraten ist, weil wissenschaftliche Papiere gezeigt haben, dass es keinen Mehrwert bringt. Die Fülle an ETF-Informationen ist heute so groß, dass man sich kaum mehr davon distanzieren kann, und das erinnert mich an die zuvor gezeigten Entwicklungen. Ob es so kommt, weiß niemand. Ich weiß nur, dass es in der Vergangenheit sehr oft Entwicklungen gegeben hat, bei denen Menschen zu Recht etwas gekauft haben, weil die Geschichte stimmte, aber später dafür teuer bezahlen mussten. Das sollte jetzt nicht passieren. Man sollte sehr vorsichtig sein, und umso vorsichtiger, wenn etwas nicht mehr hinterfragt wird, wenn es kaum mehr Gegenstimmen gibt und alle derselben Meinung sind, dass dies die einzig richtige Lösung sei. Dann wird es zunehmend gefährlicher. Alle teilen heute dieselbe grundlegende Aussage: Ein ETF-Weltportfolio ist das Beste.
Der All-Country-World-Index, beziehungsweise das von Finanzfluss anfänglich propagierte 70-30-portfolio, bezeichnet eine Aufteilung von 70% in entwickelte Länder wie Nordamerika, Europa, Japan und Australien sowie 30% in sogenannte Emerging Markets wie Asien ohne Japan, Afrika und Südamerika. Seit etwa einem Jahr hat Finanzfluss kommuniziert, von diesem 70-30-Konzept auf ein 50-30-20-Modell umgestiegen zu sein. Dabei handelt es sich zwar formal nicht um eine Empfehlung, da lediglich das eigene Vorgehen beschrieben wird, faktisch wirkt es jedoch als indirekte Empfehlung, da viele Anleger diesem Beispiel folgen. Dazu wurde ein eigener Artikel sowie ein eigenes Webinar erstellt, die in der Zusammenfassung verlinkt sind.
Auch Gerd Kommer, der in seinem Buch „Souverän investieren" die Vorzüge des passive Investierens beschreibt und vor überhöhten Kosten aktivr Manager warnt und als ETF-Papst gilt, hat vor etwa eineinhalb bis zwei Jahren einen eigenen Index entwickelt, auf dessen Basis der Gerd-Kommer-ETF investiert. Dieser weicht ebenfalls vom rein passive Investment ab, indem beispielsweise weniger in Amerika investiert wird und der Anteil eines einzelnen Unternehmens auf maximal ein Prozent begrenzt ist. Damit fließen verschiedene Faktoren in die Zusammensetzung ein, was nach meiner Einschätzung aktivs Management darstellt. Was Kommer zuvor kritisiert hat, praktiziert er nun selbst. Ob dabei einzelne Aktien ausgewählt werden oder die Investition über unterschiedliche Faktoren individuell zusammengestellt wird, ist dabei unerheblich. Es handelt sich in beiden Fällen um eine Investition auf Basis aktivr Parameter. Damit haben sowohl Finanzfluss als auch Gerd Kommer das rein passive Investment verlassen, begründet mit einer zunehmenden Einseitigkeit der Investitionen, wie beide in ihren Berichten darlegen.
Dies führt zur grundlegenden Frage, ob es langfristig vorteilhafter ist, in den breiten Markt zu investieren, oder ob ein selektiverer Ansatz sinnvoller ist. Grundsätzlich ist ein rein passives Investment bei sehr langfristiger Betrachtung vertretbar. Mittelfristig sind jedoch höhere Wertschwankungen zu erwarten, und ETFs werden auch negative Phasen durchlaufen. Seit 2015 waren die Kurse durchgehend positiv, mit wenigen und schnell ausgeglichenen Einbrüchen, was zu einer sehr positiven Wahrnehmung geführt hat. Unsere Erwartungshaltung ist jedoch eine andere: Wir gehen derzeit zu einem selektiveren Investmentansatz über und werden bei wieder sinkenden Märkten verstärkt in den breiten Markt investieren. Darin sehen wir eine Optimierungsmöglichkeit, zu bestimmten Zeiten aktivr und selektiver zu investieren und zu anderen Zeiten kostengünstig in den breiten Markt zu gehen. Ein vollständiges Ein- und Aussteigen aus den Märkten ist dabei nicht das Ziel, wohl aber ein dauerhaftes Investiertsein in Aktienmärkte mit wechselndem Fokus zwischen selektivem und passivem Ansatz. Darin sehen wir einen Mehrwert, den wir unseren Klientinnen in unseren Produkten anbieten.
Ein weiterer häufig genannter Punkt ist, dass ETFs aktiv gemanagten Fonds überlegen seien. Dabei werden sogenannte aktiv gemanagte Fonds in Clean-Share-Tranchen, also institutionelle Fondstranchen ohne Provisionen, nicht berücksichtigt. Dazu gibt es eigene Webinare und Artikel. Das Problem klassischer aktiv gemanagter Fonds liegt im sogenannten Provisions-Malus: Ein Fonds verrechnet häufig 2% Kosten und gibt davon 1% als Provision an die Bank oder Versicherung zurück. Diese Struktur entstand mit dem Aufkommen der Fonds. ETFs sind davon nicht belastet und haben dadurch von vornherein einen Kostenvorteil. Wenn ein aktiv gemanagter Fonds keine Provisionen zahlen muss, erzielt der Kunde mit demselben Fonds, demselben Management und denselben Aktien bis zu 1% oder sogar 1,3% mehr Rendite. Diese provisionsfreien Tranchen werden als Clean-Share-Tranchen bezeichnet und sind derzeit ausschließlich in Doppel-Nettopolicen verfügbar. Eine Lösung für das Bankdepot in Form einer aktienbasierten Vermögensverwaltung wird angestrebt und in kommenden Webinaren vorgestellt. Die Aussage von Finfluencern, ETFs seien aktiv gemanagten Fonds grundsätzlich überlegen, berücksichtigt diese provisionsfreien Clean Shares nicht. Bezieht man sie in die Berechnung ein, ergibt sich ein deutlich anderes Bild.
Darüber hinaus wird von Finfluencern vertreten, dass Berater überflüssig seien, das eigenständige Handeln einfacher und besser sei und der Kauf direkt über Online-Plattformen wie Flatex oder Trade Republic erfolgen solle. Dabei werden jedoch zwei wesentliche Lücken übersehen. Im Bereich der Finanzdienstleistung lassen sich vier Bereiche unterscheiden: erstens die Information, zweitens die Beratung, drittens die Vermittlung beziehungsweise der Kauf eines Produktes und viertens die Betreuung nach dem Kauf über die gesamte Laufzeit. Das Problem bei klassischen Beratern, ob bei Banken, Versicherungen oder als freie Berater, besteht darin, dass Beratung und Betreuung vom Kunden erwartet werden, ohne dass dafür direkt bezahlt wird. In Österreich werden Berater in der Regel ausschließlich über Provisionen vergütet, die jedoch nicht für Beratung oder Betreuung fließen, sondern einzig für die Vermittlung eines Finanzprodukts, unabhängig von Qualität und Umfang der erbrachten Leistungen. Dies stellt einen erheblichen Interessenskonflikt dar. Eine deutlich bessere Lösung ist die Honorarberatung, bei der der Berater unabhängig von der Produktvermittlung für die Beratungsleistung bezahlt wird. Gleiches gilt für die Betreuung. Dadurch entsteht Transparenz: Klaren Leistungen stehen klare Preise gegenüber, und der Konsument kann diese besser einordnen. Finfluencer kritisieren zwar Provisionsberater, stehen Honorarberatern jedoch deutlich positiver gegenüber. Was sie empfehlen, beschränkt sich jedoch auf die Bereitstellung von Informationen und den direkten Kauf über Plattformen. Hier beobachten wir in den letzten Jahren zunehmend Missstände: Klientinnen kommen mit Depots zu uns, die mehrfach umgeschichtet wurden, weil immer neue Informationen zu neuen Kaufentscheidungen geführt haben, die oft nicht zur persönlichen Situation gepasst haben. Genau darin liegt der Vorteil einer Beratung: die persönliche Situation zu analysieren und geeignete Produkte im richtigen Verhältnis zu den individuellen Zielen zu identifizieren. Sowohl die persönliche Situation als auch die Produktlandschaft verändern sich laufend. Wer sich ausschließlich auf eigene Recherche verlässt, muss erheblich Zeit investieren. Selbst bei gut informierten Personen stellen wir regelmäßig fest, dass ineffiziente portfolios entstanden sind, etwa durch mehrfach gehaltene, inhaltlich identische Produkte unter verschiedenen Namen bei unterschiedlichen Banken oder Plattformen. Das ist das Ziel von fynup: als einziges Unternehmen in Österreich alle vier Bereiche abzudecken. Wir bieten kostenlose Informationen über Webinare, Artikel und Rechner auf unserer Website, persönliche und unabhängige Beratung, abgestimmt auf die individuelle Situation, sowie Produktvermittlung und optionale Betreuungspakete in verschiedenen Stufen. Im Informationsbereich setzen wir auf KI-gestützte Tools, die auf unseren eigenen Daten basieren und dadurch validere Ergebnisse liefern. Ergänzend empfehlen wir jedoch stets ein abschließendes Gespräch mit einem Menschen zur Überprüfung. Dafür bieten wir einen kostenlosen Quick-Check als Erstgespräch von circa 30 Minuten an. Derzeit bieten wir die Doppel-Nettopolizze an und erweitern das Angebot um eine aktienbasierte Vermögensverwaltung. Wir geben zudem Empfehlungen zu anderen Vermögensverwaltern, Produkten und Plattformen, da unser Verdienst an der Honorarberatung und nicht an der Produktvermittlung hängt. Nach dem kostenlosen Quick-Check kann optional ein Betreuungspaket in verschiedenen Stufen gebucht werden. Weitere Informationen dazu sind in der Zusammenfassung verlinkt.
Ein weiteres verbreitetes Argument ist das steuerfreie Investieren über fondsgebundene Lebensversicherungen, das grundsätzlich seit 2015 möglich ist. Das Problem klassischer fondsgebundener Lebensversicherungen besteht jedoch darin, dass deren Kosten so hoch sind, dass der Steuervorteil gegenüber einem Wertpapierdepot vollständig aufgehoben wird. Zum Vergleich: Der Vanguard Global Stock bei Flatex mit einer monatlichen Sparrate von 280 Euro über 25 Jahre und einer anschließenden Entnahme von 1.000 Euro ab dem 26. Jahr reicht für etwa 24 Jahre Auszahlung, also bis zum 50. Investitionsjahr. Eine kapitalertragsteuerfreie Anlage über eine Provisionspolizze schafft wenig oder keinen Mehrwert. Wer kapitalertragsteuerfrei investieren möchte, sollte dies ausschließlich über eine provisionsfreie Nettopolizze tun. Der Unterschied zur Doppel-Nettopolizze ist dabei deutlich erkennbar. Der entscheidende Vorteil liegt in der Kombination aus Steuerfreiheit und Provisionsfreiheit, verbunden mit der Möglichkeit, auch in aktivs Management ohne Provisionen zu investieren.
Zum aktuellen KI-Boom und den damit verbundenen Bewertungen ist Folgendes festzustellen: Wer in ETFs investiert, investiert in erheblichem Maße in künstliche Intelligenz. Die zugrundeliegende These ist grundsätzlich valide, entscheidend ist jedoch der Preis, zu dem man investiert. Die sieben größten US-Technologiekonzerne machen rund ein Drittel der Marktkapitalisierung des S&P 500 aus, und diese Konzentration nimmt weiter zu. Das entspricht einer Wette auf ein einzelnes Thema. Sollte hier Luft entweichen, wie etwa bei der Dotcom-Blase mit Unternehmen wie Deutsche Telekom oder Cisco, werden auch breit gestreute ETFs mit hohem Anteil dieser Unternehmen entsprechend nach unten gezogen werden. Die fünf größten Cloud-Konzerne haben für 2026 KI-Investitionen zwischen 775 und 800 Milliarden Dollar angekündigt, finanziert unter anderem über mehr als 220 Milliarden Dollar neue Anleihen, da die eigenen Mittel nicht ausreichen. Der kombinierte freie Cashflow von Amazon, Microsoft und weiteren könnte dadurch von 205 Milliarden Dollar auf rund 94 Milliarden Dollar sinken. Bei Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen ist diese Entwicklung weniger besorgniserregend als bei Unternehmen, die ausschließlich mit KI Geld verdienen, wie Nvidia oder Broadcom. Dem gegenüber stehen direkte KI-Erlöse und Aboeinnahmen aus Schnittstellen von 25 Milliarden Dollar, was eine erhebliche Lücke zwischen Einnahmen, Kosten und aktueller Börsenbewertung aufzeigt. Analysten wie Joachim Klement sehen die Wahrscheinlichkeit eines Platzens der KI-Blase als größer an als jene der Dotcom-Blase. Dies ist keine Prognose, sondern eine Feststellung eines Unterschieds, der im Hype häufig übersehen wird. KI wird die Welt verändern, die These ist grundsätzlich richtig. Es bleibt jedoch stets die Frage des Preises: Zu welchem Preis kaufe ich welche Unternehmen? Die Lösung liegt in einem selektiveren Investmentansatz. Clean Shares, also provisionsfreie aktiv gemanagte Fonds, sind in der breiten Masse noch wenig bekannt. In etwa einem Monat werden wir eine aktienbasierte Vermögensverwaltung einführen, die ausschließlich in zwölf Unternehmen investiert und damit eine sehr konzentrierte Alternative zu ETFs darstellt. Eine sinnvolle Kombination könnte darin bestehen, einen Teil des portfolios global gestreut in ETFs zu investieren und einen anderen Teil, insbesondere für mittelfristige Ziele von etwa zehn Jahren, in konzentrierte, nicht überbewertete Unternehmen anzulegen. Es gibt genügend Unternehmen mit solider Bewertung und attraktivem Preis.
Zur Veranschaulichung einige historische Beispiele: Joseph Kennedy, Vater von John F. Kennedy, war sehr erfolgreich an der Börse tätig, auch bekannt für Insiderhandel und Leerverkäufe nach 1929. Er nutzte den damals unregulierten Markt konsequent aus. Ihm wird die Anekdote zugeschrieben, dass er kurz vor dem Börsencrash 1929 von einem Schuhputzer ungefragt Aktientipps erhielt, was ihn zu dem Schluss veranlasste, dass überbewertete Märkte vorliegen, wenn selbst Schuhputzer bestens über Aktien informiert sind. Diese Geschichte ist zwar nicht belegt, illustriert jedoch das Prinzip, dass breite Markteuphorie ein Warnsignal sein kann. Tatsächlich verkaufte Kennedy rechtzeitig alle Aktien zum Höchststand und verdiente mit Leerverkäufen sogar an fallenden Kursen. Sein daraus resultierender Wohlstand bildete die Grundlage für den späteren Aufstieg der Familie. 1934 wurde er unter Roosevelt zum ersten Vorsitzenden der neu gegründeten Börsenaufsicht SEC ernannt. Auf die Frage, warum jemand mit einer Vergangenheit im Insiderhandel diese Rolle übernehmen solle, soll Roosevelt geantwortet haben, es brauche einen Dieb, um einen Dieb zu fangen. Das Wesentliche ist die Erkenntnis, dass zunehmende Gleichförmigkeit im Marktverhalten ein Warnsignal darstellt. Kennedy unterschied zwischen hartgesottenen und zittrigen Investoren und sah in der zunehmenden Beteiligung unerfahrener Anleger ein Zeichen für eine drohende Stimmungsumkehr. Wir beobachten in unserer Beratung ebenfalls, dass immer mehr Menschen unreflektiert kaufen möchten, ohne die Zusammenhänge zu verstehen. Unsere Aufgabe ist es dann, zu einem dosierteren und selektiveren Vorgehen zu raten. Umgekehrt war es in den Jahren 2003, 2009 und bis 2015 unsere Hauptaufgabe, Klientinnen zur Investition in Aktienmärkte zu motivieren. Derzeit geht es eher darum, die richtige Dosierung zu finden, da das Geld auf dem Sparbuch aufgrund der inflation keine sinnvolle Alternative darstellt.
Ähnliches drücken Sprüche von Kostolany aus, etwa: „Kaufe, wenn die Kanonen donnern, und verkaufe, wenn die Violinen spielen", oder: „An der Börse wird immer dasselbe Theater gespielt, nur mit verschiedenen Darstellern." Die Grundmuster wiederholen sich, auch wenn die Geschichte sich nicht exakt wiederholt, sondern sich reimt.
Benjamin Graham, der Lehrer von Warren Buffett, vertrat die Ansicht, dass Mr. Market stets manisch-depressiv sei. Während eine Lehrmeinung besagt, dass Märkte stets effizient sind und der Börsenkurs dem tatsächlichen Unternehmenswert entspricht, vertreten Graham, Buffett und Kostolany die Auffassung, dass der Markt manchmal zu viel und manchmal zu wenig bezahlt und genutzt, aber nicht beherrscht werden sollte. Der Unterschied zwischen Preis und Wert ist dabei zentral: Der Preis ist das, was du bezahlst, der Wert ist das, was du bekommst. Warren Buffetts zwei Regeln lauten: Regel Nummer eins, verliere niemals Geld. Regel Nummer zwei, vergiss nie Regel Nummer eins. Damit meint er nicht, dass Wertschwankungen zu vermeiden sind, sondern dass falsche Entscheidungen vermieden werden sollen.
Zum Fazit: Die meisten Fehler in der Geldanlage entstehen nicht durch falsche Thesen. Die heute besprochenen Geschichten aus 30 Jahren Erfahrung waren meistens richtig. Die eigentliche Ursache von Fehlern liegt in zu hohen Preisen und im Unterschied zwischen Preis und Wert. Achte auf die Psychologie: Je mehr Menschen in deinem Umfeld von einem Thema überzeugt sind und je weniger reflektiert diskutiert wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass du nicht am Anfang dieser Entwicklung einsteigst, sondern in einen bereits schnell fahrenden Zug. Ob dieser Zug weiterfährt oder die Richtung wechselt, weiß niemand. Was man jedoch weiß: Wenn niemand über ein Thema spricht, steht man am Anfang. Wenn alle davon sprechen, ist man es nicht mehr. Eine allgemein bekannte Geschichte ist kein Informationsvorsprung mehr, sie ist bereits im Preis eingepreist. Unternehmen werden an der Börse auf Basis aller verfügbaren Informationen über zukünftige Erwartungen bewertet. Als Beispiel: In SpaceX werden Milliarden investiert, während VW kaum Interesse weckt, obwohl das Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 einen operativen Gewinn von 5,9 Milliarden Euro erzielt hat und eine Dividendenrendite von über 6% aufweist. SpaceX wird derzeit zu sehr hohen Kursen bewertet, VW ist extrem günstig. Dies dient lediglich zur Illustration des Prinzips, nicht als Empfehlung für einzelne Unternehmen. An der Börse zahlst du den Preis über den Kurs, bei Finanzprodukten über die Kosten. Achte daher stets auf Kosten und Steuern, denn diese sind berechenbar. Auch dabei unterstützt dich fynup.
Das nächste Webinar findet am Dienstag, dem 13. Oktober, statt, mit dem Titel „Zwischen inflation und KI-Blase". Dabei wird konkret auf die Fondsauswahl, Clean Shares und ETFs eingegangen. Dieses Webinar ist exklusiv für Bestandskunden mit einem Betreuungspaket. Wer über fynup eine Doppel-Nettopolizze oder ein anderes Produkt erworben hat, aber noch kein Betreuungspaket gebucht hat, kann dies nachholen und damit an diesem Webinar teilnehmen. Alle anderen sind herzlich willkommen beim übernächsten Webinar im November. Im exklusiven Webinar werden konkrete Anpassungen der Fondsportfolios und Empfehlungen auf Basis der aktuellen Marktlage besprochen, inklusive der Aufteilung auf Clean Shares und der Umsetzung. Darüber hinaus sind wir am 22. und 23. Oktober bei der Gewinnmesse in Wien mit einem Stand und zwei Vorträgen vertreten und freuen uns auf persönliche Gespräche mit unseren Klientinnen.