Jetzt zum LIVE-Webinar anmelden:Wir sind in der Boom-Phase – aber wie lange noch?

Wird ETF bald ein Schimpfwort?

Wolfgang Staudinger
Autor: Wolfgang Staudinger
Aktualisiert am 29. September 2026
Millionen Menschen investieren gerade zum ersten Mal per ETF-Sparplan – ein Boom ohne historisches Vorbild. Eine ähnliche Euphorie gab es schon einmal: am Ende der Dotcom-Ära.

Eine Erinnerung an das Jahr 2000

fynup Dotcom Blase

Wer 2000 investierte, kannte nur eine Richtung – bis sie sich umkehrte.

fynup-Co-Founder Wolfgang Staudinger hat diese Zeit selbst als junger Anleger und Finanzberater miterlebt. In einem Webinar zur 100-jährigen Börsengeschichte beschreibt er sein Lebensgefühl von damals so:

„Ich habe geglaubt, ich muss nie wieder etwas arbeiten.“

1997 hatte er begonnen, an der Börse zu investieren. Die Kurse gingen nur in eine Richtung, jede Woche fühlte sich das Depot ein bisschen praller an. Drei Jahre später war davon nichts mehr übrig: Die Dotcom-Blase platzte, das Depot brach massiv ein, die Erholung ließ quälend lange auf sich warten. Die Jahre 2000 bis 2003 zählen für Wolfgang Staudinger bis heute zu den härtesten seiner gesamten Investment-Laufbahn – wenig ertragreich, aber enorm lehrreich.

Was danach passierte, kennen viele nur aus Erzählungen: Aus der einstigen „Volksaktie" wurde ein Reizwort. Wer 2003 in einer Runde erzählte, er besitze Aktien, erntete mitleidige Blicke. Millionen Deutsche und Österreicher, die sich gerade erst für die Börse begeistert hatten, verabschiedeten sich – viele für zwei Jahrzehnte.

Die Frage, die sich daraus ableiten lässt: Erleben wir gerade etwas Ähnliches – nur diesmal mit ETF?

Ein Boom, wie es ihn noch nie gab

Zuerst die gute Nachricht, und die ist wirklich gut: Noch nie haben so viele Menschen in Österreich, Deutschland und Europa so konsequent fürs Alter vorgesorgt. 2025 wurden in Kontinentaleuropa 15,1 Millionen ETF-Sparpläne monatlich ausgeführt – ein Plus von fast 40 Prozent gegenüber dem Jahr davor. In Deutschland besitzen mittlerweile rund neun Millionen Menschen Fondsanteile oder ETF, doppelt so viele wie 2015. Neobroker haben die Einstiegshürde auf wenige Euro gesenkt, Sparpläne gibt es teils schon ab einem Euro monatlich.

Das ist grundsätzlich eine hervorragende Entwicklung. Wer investiert statt spart, profitiert langfristig von der realen Rendite der Wirtschaft – auch wenn in der Beratungspraxis von fynup immer wieder Menschen anzutreffen sind, die jahrzehntelang nur das Sparbuch kannten und dadurch real Geld verloren haben.

Webinar zum Inhalt

Anhand historischer Fälle wird im kostenlosen Webinar klar, wie oft hinter guten Geschichten ein schlechtes Geschäft lauert.

Finanz-Wissen knapp vor nicht genügend

Eine Zahl aus derselben Untersuchungsreihe gibt allerdings zu denken: Die Deutschen bewerten ihr eigenes ETF-Wissen im Schnitt mit der Schulnote 4,5 – die Vorstufe zum Nichtgenügend. Millionen Menschen steigen ein, ohne wirklich zu verstehen, was sie kaufen. Genau diese Kombination – viele neue, unerfahrene Investoren plus ein Markt, der seit Jahren fast nur eine Richtung kennt – kommt bekannt vor.

Was seriöse Stimmen sagen – bewusst ohne Crash-Propheten

Selbsternannte Crash-Propheten, die seit Jahren jede Woche den Weltuntergang ausrufen, spielen in dieser Betrachtung bewusst keine Rolle. Interessant wird es erst, wenn Institutionen und Investoren, die man wirklich ernst nehmen muss, ähnliche Bedenken äußern.

Goldman Sachs rechnet für den S&P 500 in den kommenden zehn Jahren nur noch mit rund 6,5 Prozent Rendite pro Jahr – deutlich unter den 13 Prozent des vergangenen Jahrzehnts. Als Hauptgrund nennt die Bank die hohe Konzentration auf wenige Aktien und die hohen Bewertungen.

Bemerkenswert ist vor allem eine andere Zahl: Vanguard, das Haus, das den Indexfonds für Privatanleger überhaupt erst salonfähig gemacht hat, rechnet für US-Aktien mit nur 3 bis 5 Prozent Jahresrendite über die nächste Dekade. (Stand Anfang 2026) Der ETF-Pionier selbst dämpft also die Erwartungen an sein eigenes Erfolgsprodukt.

Auch Howard Marks, Mitgründer von Oaktree Capital und einer der angesehensten Investoren unserer Zeit, hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt, ob sich die Märkte gerade in einer Blase befinden – vor allem rund um Künstliche Intelligenz.

Seine Antwort ist differenziert, keine Panikmache: Bei den großen, hochprofitablen Technologiekonzernen hält er die aktuellen Preise für wahrscheinlich nicht ruinös überzogen. Bei jungen Unternehmen mit Milliardenbewertung, aber ohne fertiges Produkt, sieht er dagegen reines Lotterie-Verhalten.

Und dann gibt es noch eine strukturelle Debatte, die viele ETF-Sparer gar nicht auf dem Schirm haben: Investoren wie David Einhorn oder der Fondsmanager Terry Smith weisen seit Jahren darauf hin, dass die schiere Größe des passiven Geldes selbst zum Risikofaktor werden kann. Wenn immer mehr Kapital automatisch – unabhängig vom Preis – in dieselben Indizes fließt, verstärkt das den Trend nach oben, ohne dass jemand die zugrunde liegenden Unternehmen bewertet.

Eine akademische Untersuchung von Valentin Haddad aus dem Jahr 2021 kommt zu dem Ergebnis, dass US-Aktienmärkte durch den gestiegenen Passiv-Anteil rund 11 % weniger auf Preisänderungen reagieren als früher.

„Breit gestreut“ ist heute weniger breit, als es sich anfühlt

Sieben Aktien bestimmen zunehmend das Schicksal des ganzen Index.

Das größte Missverständnis bei ETF ist ein weit verbreitetes: Viele glauben, mit einem MSCI-World-ETF automatisch breit diversifiziert zu sein. Rechnerisch stimmt das – über 1.300 Unternehmen. Wirtschaftlich stimmt es immer weniger.

Die sogenannten Magnificent Seven – Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta, Nvidia und Tesla – machen mittlerweile rund ein Drittel des S&P 500 aus. 2015 waren es noch 12,4 Prozent. Im MSCI World, dem Standard-Baustein der meisten Sparpläne, liegt ihr Anteil bei über 20 Prozent. 2025 kamen rund 42 Prozent des gesamten Indexertrags von genau diesen sieben Aktien. Im März 2026 gab es einen Vorgeschmack, was das bedeutet: Als der S&P 500 um 7 Prozent vom Rekordhoch fiel, verloren die Magnificent Seven im Schnitt 12 Prozent.

Historisch zeigt sich das besonders deutlich: Sun Microsystems wurde auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase mit dem Zehnfachen seines Umsatzes bewertet – eine Zahl, die der damalige CEO selbst rückblickend als absurd bezeichnete. Heute bewegen sich mehrere große Technologiewerte in ähnlichen oder sogar höheren Regionen. Das bedeutet nicht automatisch, dass ein Crash bevorsteht. Aber es bedeutet, dass ein ETF auf den Weltindex heute deutlich konzentrierter ist, als sein Name vermuten lässt.

Warum aus Enttäuschung ein Schimpfwort wird

Der eigentliche Mechanismus, der 2000 aus der „Volksaktie" ein Reizwort gemacht hat, war nicht der Kursverlust an sich. Kursverluste gehören zur Börse wie das Wetter zum Wandern. Seit 1950 gab es etwa alle drei bis vier Jahre einen Rückgang von mindestens 15 Prozent, allein in den vergangenen sieben Jahrzehnten 21 Einbrüche von über 20 Prozent. Wer das weiß und einplant, übersteht solche Phasen in der Regel gut.

Das eigentliche Problem war die Erwartungshaltung. Wer nur steigende Kurse kennt, hält einen Verlust von 40 oder 50 Prozent für praktisch unmöglich – bis er passiert. Dann wird aus Panik zum Tiefpunkt verkauft, der Verlust als persönliches Versagen verbucht, und man schwört sich „nie wieder Aktien". Nicht das Produkt hat versagt. Der fehlende Plan hat versagt.

Genau dieses Muster zeichnet sich bei einem Teil der neuen ETF-Generation wieder ab. Wer seit 2015 oder 2020 einsteigt, kennt im Wesentlichen nur eine Richtung. Die nächste echte Korrektur wird zeigen, ob die neue Anlegerbasis Volatilität als Systemeigenschaft der Börse begreift – oder als persönliches Scheitern erlebt.

ETF ist nicht das Problem

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Dieser Artikel ist keine Absage an ETF. Sie sind kostengünstig, transparent und für den Vermögensaufbau ein exzellentes Werkzeug – das zeigt auch die Erfahrung aus über 25 Jahren Börse und tausenden Beratungsgesprächen bei fynup. Das eigentliche Risiko liegt nicht im Produkt, sondern in der Monokultur:Wenn Millionen Menschen mit derselben Erwartungshaltung in denselben sieben Aktien landen, ohne Plan B und ohne Verständnis für das, was sie besitzen.

Was du daraus mitnehmen kannst

Niemand kann verlässlich sagen, ob und wann der nächste größere Rückschlag kommt. Genauso gut kann es noch Jahre so weitergehen wie bisher. Beides ist möglich, und genau deshalb ergibt eine Strategie Sinn, die für beide Szenarien funktioniert.

Konkret bedeutet das: sich die Möglichkeit für aktives Management offenhalten, statt sich ausschließlich auf einen einzigen, zunehmend konzentrierten Index zu verlassen. In der Doppel-Nettopolizze lässt sich genau das umsetzen – Start rein mit ETF oder von Anfang an ein Mix aus ETF und Clean-Shares, den aktiv gemanagten, provisionsfreien Fondsklassen, die sonst nur institutionellen Großanlegern vorbehalten sind. Und weil das Ganze innerhalb einer Polizze steuerlich begünstigt ist, spart man sich dabei auf jeden Fall die Kapitalertragsteuer.

Man kann bei langfristiger Geldanlage wenig grundlegend falsch machen, wenn man investiert bleibt und breit streut. Man kann aber viel richtig machen, wenn man sich schon heute die Flexibilität sichert, die es braucht, falls sich die Geschichte einmal wiederholt.

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Informationen in diesem Artikel sind allgemein und nicht als Beratung oder Empfehlung zu verstehen. Trotz größter Sorgfalt können wir keine Gewähr für die Eignung, Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität und Verfügbarkeit der unverbindlich zur Verfügung gestellten Informationen übernehmen. Eine Haftung der fynup GmbH ist daher in jedem Fall ausgeschlossen. Performanceergebnisse der Vergangenheit, Berechnungen und Aussagen über Gewinn und Rendite basieren auf Annahmen und lassen keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Jede Veranlagung bringt hohe Verlustrisiken – bis hin zum Totalverlust - mit sich. Es gelten alle Haftungsbegrenzungen der Funktionsbeschreibung.

Häufige Fragen

Nicht das Prinzip ETF an sich, sondern die Art, wie viele Menschen es aktuell nutzen: oft nur über einen einzigen Welt-Index, der durch wenige Tech-Konzerne stark konzentriert ist, und oft ohne genug Wissen darüber, was tatsächlich drinsteckt.
Weil auch damals ein Boom auf breiter Euphorie und wenig Wissen über die gekauften Produkte beruhte, bevor die Dotcom-Blase platzte. Der Unterschied: Diesmal läuft das Massenphänomen über ETFs statt über Einzelaktien.
Weniger, als viele glauben. Wenige große Tech-Konzerne machen mittlerweile einen zweistelligen Prozentanteil des Index aus. Wer glaubt, in tausende Unternehmen weltweit zu streuen, ist tatsächlich stark auf eine Handvoll US-Tech-Werte konzentriert.
Nein. Das Problem ist nicht der ETF an sich, sondern fehlendes Wissen über Konzentration, Renditeerwartungen und die eigene Streuung. Wer weiß, was er kauft, kann mit ETFs weiterhin solide langfristig veranlagen.
Am einfachsten mit einer unabhängigen Prüfung der eigenen Verträge und Depots, zum Beispiel mit dem kostenlosen fynup-Rechner.
Wolfgang Staudinger

Autor: Wolfgang Staudinger

Co‐Founder & CEO
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