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2026. Was muss ich für meine Welt-ETF wissen? Wie betrifft mich ein Platzen der KI-Bubble? Was spricht 2026 für und gegen Welt-ETF? Und gibt es eine Strategie mit mehr Schutz und mehr Rendite? Das alles und noch viel mehr habe ich Finanzprofi Wolfgang gefragt. Es geht um dein Geld. Schau dir das an. Praktisch veranlagt. Der Podcast für alle, die Finanzen lieber selber machen. Mit praktischen Veranlagungstipps aus der Veranlagungspraxis. Hallo, mein Name ist Michael. Ich stelle stellvertretend für dich, für euch alle möglichen und unmöglichen Fragen zum Thema Geld und Geldanlage. Und unser Finanzprofi Wolfgang liefert schlaue Antworten aus der Praxis.
Ich versuche es zumindest, damit dir mehr Geld bleibt.
Wir arbeiten beide für fynup. Den Marktvergleich für Geldanlage. In Österreich haben wir uns wirklich Einblick und Überblick. Und unser Thema heute: Stecken Welt-ETFs in einer KI-Bubble? Was muss ich 2026 bei meinem Welt-ETF wissen, Wolfgang?
Ja, Michi, schauen wir uns einmal die Ist-Situation an. Wir haben eine sehr starke Konzentration in den USA nach Marktkapitalisierung. Das heißt, wenn man alle Unternehmen der gesamten Welt zusammenfasst, nach dem Wert an der Börse, dann ergibt sich derzeit die Situation, dass 63% der Unternehmen in Amerika sind.
63% der gesamten Weltmarktkapitalisierung sind in Amerika?
Genau. USA?
Genau.
Ganz konkret USA, genau, weil Amerika wäre ja auch Kanada, Mexiko, aber konkret, wir sprechen hier von den USA. Und innerhalb der USA haben wir wiederum eine sehr starke Konzentration im Technologiebereich und in diesem Bereich wieder eine sehr starke Konzentration auf die Top 8 Unternehmen. Es sind mittlerweile 8, man spricht zwar grundsätzlich in der Börsenwelt immer von den Magnificent 7. Also die sieben großen Unternehmen. Es sind aber mittlerweile acht Technologieunternehmen im Leitindex. Das ist der S&P 500. Das heißt, in Amerika haben wir 500 Unternehmen in einem Index, dem S&P 500. Und innerhalb dieses Index sind acht Technologieunternehmen führend. Und diese acht Technologieunternehmen machen mittlerweile 38 Prozent der Unternehmensbewertung in Amerika aus.
Das ist schon recht viel in einer Hand, sozusagen. Das ist nicht wirklich eine Hand, aber von demselben Problem betroffen, wenn was mit der KI passiert. Also wenn sich das nicht so entwickelt, wie sich alle denken, hui.
Genau. Versuchen wir das aber mal trotzdem kurz einzuordnen. Ist so eine Konzentration grundsätzlich etwas Schlechtes oder nicht? Es ist kein USA-Phänomen, sondern es ist ein globales Phänomen. Wenn man sich anschaut, zum Beispiel Dänemark, Holland, Italien, Schweiz oder auch Österreich, ist es so, dass die sieben größten Unternehmen auch sogar über 70 Prozent Marktkapitalisierung haben. Das heißt, innerhalb eines gewissen Indexes haben wir tatsächlich auch in anderen Ländern so eine starke Konzentration. Wie gesagt, dann haben wir Deutschland, Frankreich, die haben über 50 Prozent Macht, machen die größten sieben Unternehmen vom gesamten Index aus.
Es ist nichts Ungewöhnliches quasi.
Genau, es ist überhaupt nichts Ungewöhnliches. Also auch viele andere Nationen wie Großbritannien haben höhere Konzentrationen als Amerika. Also grundsätzlich ist einmal die Konzentration 2025 kein USA-Phänomen, sondern das ist auf der ganzen Welt so. Was wir uns vielleicht im nächsten Schritt noch anschauen, hat sich eine Veränderung gegeben in den letzten 20 Jahren dahingehend. Ja, kann man sagen, im Jahr 2020 haben die Top 7 Unternehmen nur 14% des Index ausgemacht und 2025 eben diese knapp 38 Prozent. Das heißt, das ist schon eine zweieinhalbfache vom Jahr 2000 zu 2025. Man sieht eben in Amerika schon eine Zunahme von Konzentration zu wenigen Unternehmen. Aber wie gesagt, kein USA-Phänomen, sondern ein globales.
Aber diese Top-Unternehmen in Amerika, das sind ja alle mehr oder weniger die... größten alle irgendwie in dieser KI-Bubble gefangen, wenn es eine Bubble ist? Vielleicht ist es ja eh der heilige Gral, aber ist es nicht gefährlich, dass das zu viele Tech-Unternehmen sind? War das immer schon so?
Genau, das ist eben die Sorge, dass da eine gewisse Bubble entsteht. Wir haben ja im Jahr 2000 diese Dotcom-Bubble, das heißt, da sind auch sehr viele Unternehmen mit dem Bereich Internet an die Börse gekommen und wir wissen, 2000 bis 2003 ist dann diese Blase geplatzt und das befürchten eben viele. Wichtig ist einmal, dass man sich einmal vor Augen hält, dass ein Standard-Welt-ETF, der investiert halt einmal in Marktkapitalisierung. Das heißt, man investiert einmal in alles. In alle diese Unternehmen, die da gelistet sind an der Börse mit dem jeweiligen prozentuellen Wert, zum Beispiel Nvidia mit 7%, Apple mit 7%, Microsoft mit 6% und so weiter. Weil es da eben Sorgen gibt, dass das zu viel ist, gibt es in letzter Zeit auch immer mehr aktive ETFs.
Es ist nicht ein Widerspruch in sich, ein aktiver ETF.
Es kommt immer darauf an, wie man es betrachtet. Wenn man vom rein passiven Investieren ausgeht, dann ist es ein gewisser Widerspruch, weil ich ja da etwas mache, das eine gewisse aktiveität hat. Aber so ist halt der Gang der Zeit, dass das auch permanent verändert wird. Also wenn ich da vielleicht zurückkomme, der Gerd Kommer, der ist einer der bekanntesten, der da vielleicht einen aktiven ETF gestaltet hat und der hat zum Beispiel gesagt, er investiert pro Unternehmen maximal ein Prozent. Er gibt den USA-Anteil, reduziert den USA-Anteil, indem man systematisch nicht nach einer Marktkapitalisierung investiert, sondern dass ein Teil investiert nach einem Bruttoinlandsprodukt. Dadurch reduziert sich der USA-Anteil. Und er unterscheidet dadurch jetzt, also der Gerd Kommer legt da jetzt zum Beispiel halt andere Regeln zugrunde, unterscheidet aber nicht aktive, ob ein Unternehmen mehr interessanter ist oder weniger interessant ist oder zu teuer ist oder günstig bewertet ist.
Okay, das heißt, er kauft von jedem dieser großen, damit ich das jetzt nochmal verstehe, er kauft von jedem dieser großen Unternehmen, die jetzt, was hast du vorhin gesagt, 38% ausmachen würden im Index, im amerikanischen S&P 500, da kauft er nur 1%, jetzt kommt er auf maximal dann 8% von denen und sagt jetzt aber nicht, Nvidia ist besser als Apple oder Microsoft, sondern alle gleich maximal 1%.
Genau, das ist so der Unterschied. Ein wirklich passivenr Weltend-ETF, der investiert nach Marktkapitalisierung. Und da habe ich eben, wie ich vorher schon gesagt habe, Nvidia mit 7%, Apple 7%, Microsoft 6%, Alphabet 5,7% und so weiter. In Summe eben die großen 8% mit 38%. Ein aktiver ETF... Nach den Maßstäben von Gerd Kommer, nach dem Gerd-Kommer-Index, da gibt es ja unterschiedliche Indizes, aber nach seinen Bewertungskriterien sagt er, jedes Unternehmen maximal 1%. Das heißt, die Magnificent Eight haben in Summe 8%. Nicht 38%, sondern nur 8%. Er investiert in den gesamten Markt gleich oder jedes Unternehmen gleich und reduziert generell den Amerika-Anteil durch andere Gewichtungen auch.
Aktiver wird das wieder anders machen, oder?
Aktiver macht es ganz anders. Das heißt, da habe ich jetzt keine Systematik mehr dahinterliegend, sondern ein aktiver Fondsmanager schaut sich jetzt ganz konkret an, was macht ein NVIDIA jetzt, was macht Microsoft, was macht Alphabet jetzt. Und da habe ich ganz, ganz andere Standards oder ganz andere Herangehensweise wie bei einem ETF, weil dadurch habe ich natürlich viel mehr Selektion. Das heißt, ein aktiver Fondsmanager investiert in den USA meistens mit 30, 40 Unternehmen, manche auch mit 100 Unternehmen. Aber die konzentrieren sich auf wenige Unternehmen und versuchen, den richtigen Zeitpunkt zum Kaufen auch zu finden. Also die schauen auf Qualität und die versuchen, einen günstigen Kaufkurs zu erreichen.
Also das versucht der Fondsmanager oder die Fondsmanager durch ihr Wissen und Technik usw. herauszufinden, was ist wann am besten und folgen nicht einer starren Regel, die vorher vorgegeben wird.
Genauso ist es.
Ja, wäre dann aktive nicht immer besser wie ETF?
Ja, genau, da gibt es eben unterschiedliche Betrachtungsweisen. Es ist so, man kann das im Prinzip vergleichen mit einem ETF, steht man bei einer Ballsportart immer da, wo gerade der Ball ist. Sei es Fußball, Handball, Basketball oder die ganzen Ballsportarten oder Eishockey zum Beispiel auch. Ein aktiver Mensch versucht, dorthin zu gehen, wo er glaubt, dass der Ball hingeht. Und ein richtiger guter Stürmer beim Fußballspielen ist derjenige, der erkennt, wohin geht der Ball, ist zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle und kann auch das da schießen. Wenn einer nur da steht und immer da ist, wo der Ball gerade ist, dann wird das wahrscheinlich schwieriger sein. Die Herausforderung ist aber gleichzeitig, wir wissen, das ist bei Fußballspielen und bei anderen Ballsportarten nicht anders, dass viele Leute leere Kilometer laufen, weil sie glauben, da kommt der Ball hin, aber derweil kommt er da gar nicht hin. Und da gibt es eben viele wissenschaftliche Untersuchungen, die einmal grundsätzlich belegen, dass eben diese Man sucht sich die günstigsten Unternehmen und kauft die wirklich zum optimalen Zeitpunkt, dass das in der Regel ja gar nicht funktioniert, sondern dass es gescheiter ist, man kauft sie ohne Unternehmen, nach Marktkapitalisierung, dann ist man überall dabei.
Also du bist überall dabei, ist ja eigentlich positiv, oder?
Genau, es ist zum einen positiv, es ist aber auf der anderen Seite negativ. Es kommt immer darauf an, wohin gerade die Reise geht. Geht die Reise nach oben, du bist überall dabei, ist es super. Geht die Reise nach unten, du bist überall dabei, ist es eher nicht so super. Das Problem ist, dass ETF-Investoren im Prinzip nur den positiven Aufwärtstrend bis jetzt kennen, weil in den letzten 15 Jahren ist es relativ entspannt und ruhig immer nach oben gegangen. Und es wird sehr, sehr spannend, wie sich das passiven Welt-ETF-Portfolio verhält und auch die Investoren verhalten werden, wenn es einmal wirklich zwei, drei Jahre in die andere Richtung geht. Ob dann vielleicht wirklich ein gewisser Domino-Effekt entsteht. Und das Entscheidende ist einfach auch zu verstehen, wenn man in einen passiven Welt-ETF investiert, man kauft automatisch, wenn das Unternehmen mehr wert wird. Nvidia ist in den letzten Jahren stark, stark, stark gestiegen. Und dann hat man natürlich punktuell immer mehr, automatisch immer mehr von NVIDIA gekauft. Aber das Entscheidende ist ja, zu welchem Zeitpunkt habe ich gekauft. Das heißt, ein ETF, ein passivens ETF-WeltPortfolio kauft dann, wenn es steigt und wenn es teurer wird. Genauso wieder, wenn es nach unten geht. Erst dann, wenn es sukzessive nach unten geht, wird man sukzessive verkaufen. Und das ist genau das, was ich vorher gemeint habe. Ein aktiver Mensch macht es anders. Ich habe hier drei Beispiele vielleicht mitgebracht. Man kennt vielleicht Michael Burry aus dem Film The Big Short. Michael Burry hat vor allen anderen erkannt, 2006, 2007 bereits, dass in Amerika diese Immobilienfinanzierung nicht funktioniert und dass das eine riesengroße Blase ist und hat sich rechtzeitig auf fallende Kurse gesetzt. Und bitte unbedingt den Film anschauen, wenn man ihn nicht kennt, weil da sieht man wirklich, wie etwas funktionieren kann. Eben damals die Blase erkannt, deswegen ist er heute so bekannt und seine Meinung auch wichtig oder wird halt in der Medienlandschaft aufgenommen. Und er shortet heutzutage zum Beispiel Nividia und Palantir. Er sagt, diese Unternehmen sind massiv überbewertet, viel zu teuer. Er geht davon aus, dass diese Unternehmen stark fallen werden. Andersrum kauft er aber aktuell Fannie Mae und Freddie Mac. Das sind diese Wohnbaufinanzierer, gegen die er 2007 spekuliert hat. Das ist auch sehr spannend. Das, was er 2007 auf fallende Kurse gesetzt hat, glaubt er jetzt auch steigt und die Video-Palantir geht nach unten. Das ist ein aktiver Ansatz. Ein zweiter aktiver Ansatz ist zum Beispiel von Peter Thiel. Den kennen wir auch. PayPal zum Beispiel. Alle seine Nvidia-Aktien verkauft, obwohl 40% seines Fonds aus Nvidia-Aktien bestanden haben. Hat er alle 100% verkauft und er hat 75% von Tesla verkauft, obwohl er da auch ein gewisses Naheverhältnis eigentlich immer gepflegt hat. Und dann liest man immer wieder, dass der Warren Buffett auch Apple-Aktien verkauft hat, was man dann dazusagen muss, das ist immer noch seine größte Position von den Aktienunternehmen. Aber er hat den Bestand ein bisschen reduziert, weil er glaubt, dass das ein bisschen überbewertet ist. Und was man auch beim Warren Buffett immer wieder liest, er hat 380 Milliarden Cash. Das entspricht ca. 30% seines Vermögens von Backshire Hathaway. Das ist viel. Ja, das ist viel. Und das lässt natürlich auch viele Crash-Propheten Zu der Aussage, der weiß etwas, was wir vielleicht nicht wissen, da könnte ein großer Crash kommen. Was mich umso mehr freut, der Warren Buffett hat im dritten Quartal 2025 massiv Alphabet, also die Mutter von Google, Aktien gekauft, ist jetzt seine zehntgrößte Position. Über drei Prozent seines Gesamtvermögens oder seines aktiven Aktienfondsvermögens stecken in Alphabet. Warum sage ich das Ganze jetzt?
Wenn ich jetzt beurteilen dürfte, als Zuhörender, das ist ja alles aktive. Alles, was die drei Typen machen, ist ja aktive, oder?
Voll, die sind voll aktive, auf alle Fälle. Das ist ganz anders als wie ein ETF. Und das, was man bei allen dreien sehr schön rausliest, ist, dass es offensichtlich selektiver wird. Das heißt, von den großen acht, Man spricht immer von der KI-Bubble. Und welche Unternehmen sind von der KI-Bubble betroffen? NVIDIA ist sicher mal ein Hauptfaktor. Was macht NVIDIA? NVIDIA macht hauptsächlich Hardware, also die riesen Rechenzentren, die Chips und so weiter, was sie brauchen und sind relativ neu an die Börse, also sind speziell in den letzten Jahren brutal stark gestiegen. Wir haben aber Unternehmen, die gibt es schon seit der Dotcom-Blase im Jahr 2000. Apple, Alphabet, Microsoft, alle drei sind große Unternehmen, die ein tragfähiges Geschäftsmodell haben, mehr als ein tragfähiges Geschäftsmodell. Also Apple macht 100 Milliarden Gewinn, glaube ich, 2024, so in der Größenordnung. Also das ist mehr als ein gutes Geschäftsmodell, würde ich einmal sagen. Und die profitieren auch von der KI. Die machen auch KI. Aber wenn ich heute von einer KI-Bubble rede, dann muss ich vielleicht ein bisschen differenzieren. Was sind die älteren Unternehmen, die schon wirklich ein gutes Fundament haben, viele Geschäftszweige haben? Da gehört eben dazu Apple, Microsoft, Alphabet. Und was sind Unternehmen, die jetzt neu dazugekommen sind, die extrem stark gewonnen haben, die wirklich nur einmal von dem Thema KI profitieren? Und da sicher Spitzenreiter NVIDIA, aber auch andere wie Broadcom zum Beispiel oder auch Palantir und so weiter. Das heißt, KI-Bubble ja, aber man kann es schon sehr differenziert auch betrachten, welche Unternehmen haben jetzt eine Gefahr, ein Gefahrenpotenzial und welche Unternehmen haben vielleicht eine Chance. Ich selber kann es nicht beurteilen, ich bin da zu wenig in der Unternehmensanalyse. Aber wenn ich jetzt den drei Herrschaften Barry, Thiel und Buffett folge, dann sieht man hier ein klares Muster, dass die etablierten Unternehmen durchaus Wachstumschancen bestehen. Microsoft, Apple, Alphabet. Und bei denen, die neu in den letzten Jahren dazugekommen sind, an der Spitze Nvidia, da gewisse Gefahrenpotenzial besteht. Und jetzt ist die krönende Herausforderung, beim ETF bist du überall dabei. Der kann das eben genauso selektieren wie Buffett, Thiel oder Barry.
Das klingt super, aber wie mache ich das jetzt konkret? Jetzt habe ich die ganze Zeit gehört, also jetzt nicht von dir, aber in den letzten 15 Jahren hört man immer, ja ETF musst du haben, dann bist du überall dabei, wie du richtig sagst. Da kann ja nichts passieren. Aber das klingt jetzt ja so, als ist da halt nur 15 Jahre nichts passiert. Was mache ich jetzt konkret?
Genau. Es gibt im Prinzip immer diesen Konflikt aktive-passiv und diese ganzen Papers, wir haben es vorher schon mal besprochen, die sagen, aktives Management rentiert sich nicht, weil die machen einfach viel mehr falsch. Da muss man mal grundsätzlich heranhalten, ein Vergleich zum Index ist hypothetisch und nicht praktisch. Das heißt, wenn heute ein Fondsmanager als Benchmark einen Index hat, dann kann er den sehr schwer schlagen, weil er immer die Kosten, die er selbst verursacht, einmal reinverdienen muss. Und da haben wir das Problem der Kosten in einem aktive gemanagten Fonds. Da muss man wissen, ein aktive gemanagter Fonds wird in der Regel immer mit sehr hohen Kosten verkauft. Und in den hohen Kosten stecken auch Provisionen für den Finanzvertrieb. Das heißt, wenn man heute einen aktive gemanagten Fonds kauft, der in den USA investiert, zahlt man in der Regel 1,8 bis 2 Prozent pro Jahr Renditeverlust. Also 1,8 bis 2 Prozent, teilweise sogar geht es Richtung 3 Prozent auch, zahlt man Kosten. Jetzt müsste der Fondsmanager 2% mehr erwirtschaften, damit er einmal seinen Index schlagen kann. Und das Entscheidende dabei ist, 50% dieser Kosten oder bis zu 50% dieser Kosten sind Vertriebsprovisionen. Die Kosten würde der Fonds selber gar nicht verursachen, sondern die hat er mal nur drinnen, weil er den Banken und Versicherungen Provisionen zahlen muss, damit die in ernere Produkte oder auf dem Depot angeboten wird. Das ist ein massiver Nachteil.
Das verzerrt die Darstellungs- und die Analyse sozusagen.
Genau, und bei den ETFs ist es viel feiner, weil da ist es viel transparenter und viel klarer. Das heißt, ein typischer passivenr Welt-ETF hat ca. 0,2% Kosten und die bezahlen keine Provisionen an Banken oder an Versicherungen, wenn die beinhaltet sind. Es gibt Transaktionsspesen, Kauf-Werkaufsspesen, aber keine Provisionen wie bei den Fonds. Das heißt, es ist einmal per se ein Kostenthema Nummer eins. Dann ist es zum Beispiel auch so, dass man auch festhalten muss, dass ein rein passivenr ETF auch seinen Index nicht schlagen kann, weil wenn er 0,2% Kosten vorsorgt und er genau das gleiche macht wie der Index, dann ist er um 0,2% schon mal schlechter. Das verwechseln auch viele. Das heißt, wenn ich wirklich einen echten Vergleich mache, dann darf ich nie einen aktiven Fonds... die Performance eines aktiven Fonds vergleichen mit einem Index, sondern immer mit einem ganz konkreten ETF, gegen den ich ihn antreten lasse. Genau, dass ich wirklich nach Kosten alles vergleiche. Jetzt wird es auch spannend bei den aktiven ETFs, weil die aktiven ETFs, die verursachen in der Regel auch 0,5% Kosten und der Mehrwert eines aktiven ETFs sollte ja eigentlich sein, dass er den Vergleichsindex schlagt. Das heißt, er muss schon mit 0,5% mehr Rendite erwirtschaften, dass er den Vergleichsindex schlagt. Der hat das Potenzial, weil er ja abweichend vom Index investiert. Mal schauen, ob das gelingt. Bei den aktive gemanagten Fonds, die jetzt wirklich sehr selektiv vorgehen, ist es so, wie ich vorher schon gesagt habe, es ist eine Kostenfrage, aber ganz wichtig ist, und so kann man das auch lösen, dass man Fonds kauft ohne Provisionen. Das heißt, ich brauche Fonds mit einer sehr hohen Qualität und niedrigen Kosten, dann habe ich eine hohe Chance, den vergleichbaren ETF zu schlagen. Und ich bin selektiver unterwegs, was die Aktienauswahl betrifft. Und da gibt es auch klare Erkenntnisse und Studien von Wenger zum Beispiel, die klar belegen, je geringer die Kosten eines aktive gemischten Fonds sind, desto wesentlich höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie den jeweiligen Index schlagen. Und das, was wir aber überlesen in den ganzen Papers, sind immer die Publikumsfonds mit Provisionen, die haben meistens Kosten von 2% und mehr, die haben es ganz, ganz schwer, ein Fonds mit 3% Kosten schlagt den Index so gut wie nie, aber ein aktive gemanagter Fonds mit nur 1% Kosten hat eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, oder eine sehr hohe Möglichkeit, dass er diesen Index schlägt und dann auch natürlich den ETF.
Also er muss gut sein und günstig. Dann kann er den Index schlagen. Ja, wo finde ich das? Wie finde ich das? Die will ich haben, oder? Ich will die haben, die besser sind und günstig.
Genau. Da gibt es verschiedene Bewertungsmodelle. Wir haben unser eigenes, das fynup Ratio. Das fynup Ratio haben wir gemeinsam entwickelt mit dem Finanzmathematischen Institut der Johannes-Kepler-Universität, schon vor vier, fünf Jahren mittlerweile. Und wir haben in Österreich 37.000 Fonds, wenn man alle Tranchen zusammenzählt. Und hier haben wir einfach mathematische Ansätze, die es uns erlauben, die Guten von den weniger Guten zu unterscheiden. Und unsere Daten zeigen es auch ganz klar, wie die Daten von Vanguard, je geringer... Je weniger die Kosten, desto wesentlich höher ist die Chance, dass ich den Index schlage. Und das, was einfach dann so interessant ist, also ich brauche hohe Qualität, geringe Kosten und das, was das ganze Thema dann einfach so spannend macht. Wie ich vorher schon gesagt habe, in den letzten 15 Jahren ist im Prinzip der Kurs ja fast nur bergauf gegangen mit kleinen Unterbrechungen, aber eine große Delle, eine große Abwärtsbewegung haben wir noch nicht gehabt. Und das Spannende wird eben sein jetzt in Zukunft, was passiert, wenn es wirklich einmal eine Abwärtsbewegung kommt, wenn so eine KI-Blase vielleicht platzt. Wie verhalten sich dann wirklich die passiven ETFs und die Anleger dazu? Und deswegen glaube ich, ist es eine gute Idee, wenn man ein bisschen was aktives dem passiven beimischt. Man kann nur in aktive Clean Shares gehen. Also aktive gemanagte Fonds ohne Provisionen nennt man Clean Shares. Ich glaube, das habe ich noch gar nicht gesagt. Der Punkt ist wichtig. Sich nicht sicher ist, dann kann man mischen, indem ich sage, ich gehe 50% in wirklich passiven ETFs, kostengünstig, ich kaufe mir den Markt, ich stelle mich dahin, wo der Ball ist, ich bin Mittelfeldspieler, aber ich bin auch Stürmer, ich möchte vorne Bälle in das Tor schießen, ich gehe an die richtige Stelle, wo der Ball hinfliegt und da positioniere ich mich eben mit ganz konkreten, aktive gemanagten Fonds, die nur in 30, 40 Unternehmen investieren. Und da haben wir zum Beispiel sehr gute Fonds erkannt, die eben genauso wie der Barry, der Buffett oder der Thiel jetzt von den Magnificent Eight nur eben kaufen. Microsoft, Apple, Alphabet und nicht im Portfolio haben. Auch keine Meta, kein NVIDIA, kein Palantir und solche Unternehmen, sondern die differenzieren hier ganz klar. Und da denke ich, in die Richtung sollte man sich Gedanken machen.
Aber man kann das nach seinem eigenen Ermessen quasi verschieben. Also wenn ich jetzt mehr glaube, ich muss jetzt... nachdem ich jetzt die Folge gehört habe und noch andere Informationen, ich müsste jetzt mehr weg von den ETF, mehr aktive, dann kann ich das ein bisschen in die Richtung schieben. Oder wenn ich mir denke, wird eh nichts passieren, dann kann ich mehr bei ETF bleiben oder so. Da kann ich so herumschieben zwischen den ETF und Clean Shares.
Genau, wenn man da noch informativ eine Zusatzinformation noch dazugeben möchte, ohne dass man in die Tiefe geht, weil das wird sich bei der Folge heute nicht ausgehen. Es ist so, wenn man in eine sogenannte Doppel-Nettopolizze investiert, dann habe ich die Möglichkeit, dass ich zwischen ETFs, also ich habe einmal erstens die Möglichkeit, dass ich provisionsfreie Clean Shares kaufe. Das ist einmal ganz wichtig, weil die kriege ich bei normalen Online-Depots gar nicht, die provisionsfreien Fonds. Ich habe einmal die Möglichkeit, dass ich diese aktive gemanagten Fonds ohne Provision kaufe, erstens. Zweitens, ich habe die Möglichkeit, dass ich, wie du gesagt hast, zwischen ETFs und Clean Shares wechsle, ohne dass ich Kosten habe. Und ohne, dass es steuerliche Auswirkungen hat. Nur mal wichtig. Und der dritte Punkt, der für Doppelnetto-Polizzei spricht, ist, ich zahle keine Kapitalertragssteuer, sondern nur 4% Eingangsteuer. Und so macht dann diese Kombination, diese Produktkombination, macht es dann so richtig spannend. Wie gesagt, in diesem Produkt sehr, sehr selektiv auf diese drohende oder mögliche KI-Blase mich rechtzeitig positionieren, weil ein passivenr ETF wird sich auch verändern. Das heißt, wenn jetzt wirklich NVIDIA um 50% fallen würde, dann habe ich ja mit einem passiven ETF in ein paar Jahren 50% weniger NVIDIA. Vielleicht ist es aber gescheiter, heute schon die Stellschrauben für morgen zu drehen.
Da hätte die ganze Gesellschaft was davon. Boccia, die Überleitung zum gesellschaftlichen Thema. Wir beleuchten ja immer den gesellschaftlichen Aspekt. Wie würdest du das einordnen, die KI-Bubble, in Bezug auf unsere ganze Gesellschaft?
Naja, ich meine, die KI ist ja ein mega Gesellschaftsthema, ist ein mega Umbruch, der da gerade passiert. Wichtig ist vielleicht in dem Zusammenhang einfach auch immer wieder sich vergegenwärtigen, dass Märkte ständig übertreiben in alle Richtungen nach oben. Und nach unten, also zuerst die Euphorie, dann die Enttäuschung. So war es in der Dotcom-Blase im Jahr 2000 ganz brutal. Ich glaube, zu viel eigene Meinung wollen wir da gar nicht reinbringen. Aber für mich zeigt es schon ein bisschen, dass es eine Differenzierung geben wird. Bei manchen wird es mehr euphorisch sein und mehr vielleicht Richtung Enttäuschung. Und bei manchen wird es ein bisschen stabiler sein, weil sie einfach schon länger im Markt sind, weil sie ein breiteres Geschäftsmodell einfach haben. Und ja, im Prinzip ist es so, dass das Problem weniger KI, sondern eher mehr ein Thema ist, wie Anlegerinnen auf diese Story und auf die Bewegung reagieren werden.
Apropos Stories, wir haben auch ein super Webinar. Dieses Thema noch tiefer beleuchtet, wer sich da vertiefen will. Es heißt 2026 kommt der Crash, sehr reißerischer Titel, aber super besonnen besprochen und erklärt von dir, Wolfgang, also wir verlinken das natürlich auch unten in der Beschreibung, wer sich vertiefen will, sehr interessant. Kommen wir zur Frage der Community, die passt auch sehr gut zum Welt-ETF. Moment, soll ich meinen Welt-ETF reduzieren, weil da so viel USA-Tech drinnen ist?
Ja, im Prinzip, wie ich vorher schon gesagt habe, grundsätzlich, wenn man einen Monatssparplan hat, einfach weiter besparen ist einmal grundsätzlich kein Fehler. Also auf keinen Fall raus aus Aktien und auf keinen Fall den Plan aufgeben deswegen. Aktien und Unternehmen ist meine Top-Empfehlung für langfristige Investitionen. Aber man könnte sich durchaus überlegen, dass man vielleicht ein bisschen selektiver vorgehen möchte in der Zukunft. Und dafür sprechen dann eben aktive gemanagte Clean Shares optimal in einer Doppelnetto-Polizze.
Sehr guter Tipp, fehlt nur noch der Tipp, der praktische Tipp der Woche.
Ja, mach im Prinzip mal einen Klumpencheck.
Einen Klumpencheck, das ist super, das klingt gut.
Einen Klumpencheck, ja genau. Wir erleben das wirklich sehr häufig, dass Leute sich selbst informieren, Finfluencer heuchen, ETF, ETF, ETF. Und dann haben manche drei verschiedene Depots und drei verschiedene ETFs, aber die investieren alle gleich.
Also ich habe dreimal das Gleiche.
Dreimal im Prinzip das Gleiche, genau. Ich habe keine Selektion, ich habe keine selektive Auswahl, sondern ich habe einmal von Vanguard ein S&P 500 und dann habe ich ein All World von iShares und von Spyder vielleicht noch einmal etwas oder von X-Strikers, je nachdem. Aber schau dir einmal genau an, wo investieren denn diese ETS? Wie viel Amerika-Anteil hast du? Du kannst es übrigens bei uns auf der Website eingeben, unterprüfen, indem du einfach ein Depot eingibst, Flatex zum Beispiel oder Trade Republic und dann gibst du die jeweiligen ETFs ein, die du hast und dann schaust du an, wir berechnen nämlich dann die Gesamtzusammenstellung. Das heißt, es wird dann von uns berechnet, wie viel Amerika-Anteil hast du, wie viele Tech-Anteile hast du und das siehst du nachher da in der Gesamtüberstellung sehr gut. Und das ist einmal ein erster wichtiger Punkt. Und dann einfach anschauen, welche Ländergewichtung, welche Sektorengewichtung hast du, welche Top-10-Positionen, schreib dir das zusammen und schätze selber ein, ob du dich damit wohlfühlst oder ob das vielleicht ein bisschen aktualisiert und anders allokiert werden sollte. Weil eines ist klar, jetzt ist sicher ein guter Zeitpunkt, Ende 2025, wo wir diesen Podcast jetzt machen, Ist noch nichts passiert. Das heißt, es gibt noch keinen Crash. Wir wissen es nicht, wann und ob überhaupt einer kommt. Aber Zeit zum Handeln ist jetzt sicher besser als vielleicht. Vielleicht sollte ein Crash kommen 2026 in dem Bereich und die KI-Unternehmen fallen noch unten. Dann den Check zu machen, ist vielleicht dann ein bisschen zu spät.
Jetzt ist überhaupt ein super Zeitpunkt zum Handeln, nämlich auch dieses Video zu liken und uns einen Kommentar dazulassen. Das hilft uns mit dem Algorithmus. Und wir verlinken natürlich das erwähnte Webinar "2006 kommt der Crash". Das ist auch eine Empfehlung, wenn du dich da vertiefen willst. Und sonst natürlich nicht vergessen: Die beste Handlung ist sowieso abonnieren, weil dann sehen wir uns nächste Woche wieder, wenn es weitergeht mit so spannenden Themen rund um dein Geld. Also vielen Dank fürs Dabeisein. Bis zur nächsten Woche. Ciao, Baba. Servus.