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Immobilie kaufen oder mieten? Oft die größte Geldentscheidung deines Lebens. Ich habe Finanzprofi Wolfgang gefragt, was wirklich besser ist. Und er erklärt, warum die Antwort der Experten oft falsch sein kann. Es geht um dein Geld.
Schau dir das an.
Praktisch veranlagt, der Podcast für alle, die Finanzen lieber selber machen. Mit praktischen Veranlagungstipps aus der Veranlagungspraxis. Hallo, ich bin hier mit Finanzexperte Wolfgang von fynup.
Servus.
In der letzten Folge über Alternativen zum Sparbuch haben wir ja kurz angeteasert, dass eine Alternative zum Sparbuch auch Immobilien sind und dass das Thema viel komplexer ist, als die meisten glauben. Deswegen jetzt die eigene Folge.
Ja genau, Michi, es ist meistens die größte Geldentscheidung im Leben und diese Entscheidung sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern da sollte man sich wirklich genau informieren.
Kaufen oder Mieten ist ja oft eine Glaubensfrage. Aber was sollen denn, wenn man die Emotion weglässt, was sollen denn die Experten dazu? Da gibt es ja sicher Experten-Tipps, was jetzt gescheiter ist, mieten oder kaufen.
Genau, Michi, das ist sehr interessant, weil es kommt immer darauf an, wen man fragt, kriegt man unterschiedliche Meinungen. Je nachdem, in welcher Branche derjenige gerade arbeitet, den man fragt. Das heißt, Immobilienexperten raten in der Regel eher zum Kauf. Experten aus der Finanzbranche raten eher zur Miete. Warum? Weil sie empfehlen, dass man die Differenz von den Kosten für den Kauf, der ja entsteht, Anzahlung, die laufenden Kreditrückzahlungen und die Instandhaltungskosten, die sind in der Regel höher als die Mietkosten. Und da wird empfohlen, dass man die Differenz von den beiden Werten eben am Kapitalmarkt veranlagt. Und die kommen dann in der Regel zu dem Ergebnis, dass es wirtschaftlich gescheiter ist zu mieten. Immobilienbranchevertreter kommen zu dem rechnerischen Ergebnis, dass es gescheiter ist zu kaufen.
Okay, also wenn ich miete, dann gebe ich weniger für Miete aus im Verhältnis, als würde ich mir das kaufen. Das, was dann überbleibt, oder wenn ich es richtig verstehe, was mir dann überbleibt zu dieser Differenz, das sollte ich im Kapitalmarkt anlegen. Und deswegen finden die Finanzexperten das total super, das Mieten, weil da was übrig bleibt. Und beim anderen bleibt nichts über. Deswegen finden sie es nicht so super.
Genau, derjenige, der kauft, der hat in der Regel weniger Möglichkeiten, am Kapitalmarkt zu investieren. Es geht ja schon los, ich brauche einen gewissen Eigenkapitalanteil, wenn ich etwas kaufe. Wir haben da im Pragmaticus ein Beispiel berechnet, eine Wohnung im dritten Wiener Bezirk. Da geht es, glaube ich, um 600.000 Euro Kosten für die Wohnung, 80 Quadratmeter Wohnung. Und da brauche ich 20% Eigenmittel, sonst kann ich mal gar nicht starten. Das ist jetzt einmal ein Betrag von 120.000 Euro, den ich, wenn ich miete, zur Verfügung habe, am Kapitalmarkt zu investieren. Wo ich natürlich aus der Seite von Finanzexperten, wo wir auch dazugehören, aber wir versuchen das Thema einfach immer neutral zu hinterfragen. Und so kommen wir auch zu dem Ergebnis, dass es letzten Endes eine Lifestyle-Entscheidung ist, weil finanzmathematisch kann man das Ganze sehr schwer berechnen. Warum kann man es sehr schwer berechnen? Weil es ist so, die Mathematik ist eine exakte Wissenschaft, aber in der Zinseszinsrechnung macht es einen brutalen Unterschied, ob ich heute gewisse Faktoren mit 2,3% oder mit 3% hochrechne, zum Beispiel die angenommene Steigerung einer Immobilie für die Zukunft und wenn ich nur hier 0,7% unterschiedliche Wertsteigerung unterstelle, kommt am Ende ganz ein anderes Ergebnis raus.
Also da gibt es so Vergleichsrechner für Immobilien, wann lohnt sich jetzt mieten, wann lohnt sich kaufen? Und da kann man einstellen, was ich erwarte an Wertsteigerung.
Genau, dröseln wir das Ganze vielleicht von Beginn auf. Im deutschsprachigen Raum ist der Gerd Kammer hier eine bekannte Größe, der hat ein eigenes Buch geschrieben, über 200 Seiten, wo er sich nur mit dem Finanzthema beschäftigt und hier einfach verschiedene Berechnungen macht.
Also nur mit dem Thema Mieten kaufen?
Genau, es gibt das Buch Mieten versus Kaufen und dann gibt es viele Finfluencer, zum Beispiel Finanzfluss, Finanztip, die laden auch immer wieder Gerd Kommer ein, zu Themen zu sprechen und haben eigene Rechner auch gebaut, von Finanzfluss, Finanztip, es gibt glaube ich sicher zig verschiedene Rechner, aber die zwei sind halt die bekanntesten. Und die basieren natürlich auch auf gewissen Grundannahmen von Gerd Kommer. Und ich bin der Meinung, dass man das ein bisschen stärker hinterfragen muss. Und zwar sind das zwar Rechner, wo ich individuelle Parameter individuell einstellen kann, aber es gibt auch Voreinstellungen. Und diese Voreinstellungen sollte man ein bisschen genauer hinterfragen, weil das das Ergebnis doch maßgeblich beeinträchtigt.
Also du hast herausgefunden, oder sie sehen offensichtlich, dass wenn man nur kleine Dinge verändert, also kleine Prozentwerte, dann ändert sich das Ergebnis gleich drastisch.
Brutal. Und ich habe in Wirklichkeit fünf maßgebliche Faktoren. Und jetzt sieht man schon, wenn ich nicht nur einen Faktor habe, sondern fünf, und ich tue bei jedem Faktor ein bisschen was in die richtige Richtung drehen, dann kommt am Ende ein brutal anderes Ergebnis raus. Und diese fünf Faktoren, die können wir uns jetzt in Kürze anschauen, wenn du möchtest.
Wenn es nicht zu sehr zahlenlastig wird, sondern so, dass man sich noch etwas vorstellen kann, sehr gerne. Was gibt es denn da für Faktoren?
Der wichtigste ist eh die erwartete Immobilienwertsteigerung. Und der Gerd Kommer geht hier aus von seiner historischen Berechnung, nimmt ein Zahlenmaterial von der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, die die Immobilienwertsteigerung in Deutschland untersucht hat in den letzten, glaube ich, 50 Jahren, aber mit Durchschnittswerten. Und Durchschnittswerte sind bei dieser Berechnung meiner Meinung nach nicht anzuwenden.
Also sind Durchschnittswerte über das Land gestülpt, oder was?
Genau, da ist Ostdeutschland genauso dabei wie Westdeutschland, da ist eine Stadt genauso dabei wie ein entlegener Ort, das ist ein Durchschnittswert.
Da gibt es Influencer, die sagen, ich kaufe dir ja kein Haus in der Pampa, weil das nichts wert ist.
Genau, aber hier wird mit Durchschnittswerten gerechnet. Und diese Studie von der BITS, also Bank für internationalen Zahlungsausgleich, kommt dazu, zu dem Ergebnis, dass die Immobilien nur um 0,1% über dem Verbraucherpreisindex gestiegen sind. Und der deutsche Verbraucherpreisindex liegt aber deutlich unter dem Verbraucherpreisindex von Österreich. Jetzt haben wir schon mal die erste Verfälschung, dass wir einen anderen Verbraucherpreisindex haben. Das heißt, wir haben eine andere Inflation als Deutschland, erstens. Und zweitens, ich glaube, das entspricht nicht der Realität, wenn ich da in Salzburg, Salzburg-Umgebung lebe und sage, wie haben sich die Immobilien in den letzten 50 Jahren entwickelt und das hätte sich gleich entwickelt zu meinem Einkommen und zu dem, was heute die Waren und Dienstleistungen kosten, dann ist das schon vom Gefühl her nicht ganz richtig. Und wenn man es dann genauer betrachtet gibt es ja auch Studien von der Immobilienbranche. Die betrachten aber dann die Wertsteigerungen konkret von Städten wie Berlin, München oder Großstädte. Auch in Wien, Salzburg gibt es solche Berechnungen. Und die sagen aber dann, in Österreich sind die Immobilien tatsächlich um 3-4% gestiegen. Also jetzt Inflation hin oder her, das ist jetzt egal. Das ist in dem Fall mit berücksichtigt. Und in unserer Berechnung, zum Beispiel die wir da im Pragmaticus berechnet haben, wo man zum selben finanziellen Ergebnis kommt, haben wir Immobilienpreissteigerung von 2,3% angenommen, oder 2,4%, Entschuldigung. Das heißt, gar nicht so hoch. Würden wir hier eine Immobilienpreissteigerung von 3% unterstellen, also nur 0,6% mehr, dann würde Kaufen schon absolut gewinnen und Mieten verlieren. Da sieht man schon, wo wir uns da bewegen. Und das ist meiner Meinung nach wirklich so. Der größte Punkt, den man hier wirklich besser hinterfragen müsste und wo wir auch schon sagen würden, dass die Vergleichsrechner vom Finanztipp und vom Finanzfluss in der Default-Einstellung, also in der vorgegebenen Einstellung, hier maßgeblich mehr darauf hinweisen müssten, Achtung, das sind die Werte, die sich ergeben haben aus der Bank für internationalen Zahlungsausgleich. Wenn du aber andere Werte hier heranziehst, dann müsstest du hier nicht 2% eingeben, sondern 3% und mehr. Und wenn man das dann macht, dann hat man entsprechend ein anderes Ergebnis.
Kann man das theoretisch bei diesen rechnen?
Genau, das kann man alles. Das Problem ist nur, dass das mitschwingt. Das heißt, man liest einen Artikel, man hört die Informationen, die da mitkommen und natürlich, wenn ich mich nicht damit beschäftige und ich höre dann, okay, die Immobilienpreissteigerung liegt ja in Wirklichkeit nur bei 2% oder vielleicht sogar darunter und das ist schon so voreingestellt, dann lasse ich diesen Wert halt einmal drinnen stehen und sage, hopp, ein Tatscherl. Mieten ist ja doch wesentlich günstiger. Und wenn man sich dann mit dem Thema näher beschäftigt und das hinterfragt, so wie es wir gemacht haben, und ich gebe dann andere Parameter ein, dann habe ich ganz andere Ergebnisse.
Was muss man jetzt vergleichen, wenn man wirklich fair rechnen will?
Das ist eben schwierig, weil es macht einen Unterschied, ob ich jetzt in Salzburg wohne, ob ich in Wien bin, ob ich in Graz bin, ob ich im Burgenland bin, ob ich im Waldviertel bin oder sonst wo. Das heißt, meiner Meinung nach sind diese finanziellen Vergleiche so global mit Durchschnittswerten nicht machbar. Das führt zu keinem Ergebnis, da werde ich nicht gescheiter. Ich muss mir wirklich selber die Gedanken machen, ich habe vor, eine Immobilie zu erwerben. Am Standpunkt X. Und dann muss ich mich mit diesen Faktoren beschäftigen und dass wir nicht zu sehr in die Tiefe gleiten, sage ich einfach nur die anderen vier Faktoren noch dazu, die maßgeblich sind. Es ist eben nicht nur die erwartete Immobilienwertsteigerung, es sind die erwarteten Instandhaltungskosten und der wird meiner Meinung nach, ich bin selber Eigenheimbesitzer, Hausbesitzer, von Gerd Kammer doch um ein Eck zu hoch berechnet. Er rechnet nämlich meistens mit 1,5 Prozent des. Wenn ich einen Kaufpreis habe von einer Immobile von 600.000 Euro, das wäre ein jährlicher Wert, Instandhaltungskosten von 9.000 Euro, die hier für eine Immobile anfallen. Auch für eine Wohnung, das muss gar kein Haus sein, sondern er berechnet das ja von den Kosten. Und ich weiß nicht, ob das meiner Meinung nach oder meinen Erfahrungen nach ist das zu hoch gegriffen, dass ich für eine Wohnung jedes Jahr 9.000 Euro Instandhaltungskosten habe. Das ist ein Faktor, den man einstellen kann, denn wir haben in der Vergleichsrechnung 1% angenommen. Das ist auch hoch, 6.000 Euro. Dann habe ich die erwartete Mietpreissteigerung. Ich muss natürlich auch bei der Vergleichsrechnung rechnen, wie glaube ich, dass sich die Mieten entwickeln. Je geringer ich glaube, dass sich die Mietpreise steigern, desto mehr spricht natürlich wieder für Miete. Je höher, dass diese Mietpreise steigen, desto mehr spricht natürlich für den Kauf. Und ja, auch hier hängt es sehr davon ab, wo lebe ich? Habe ich vielleicht die Möglichkeit, in eine günstige, geförderte Wohnung zu ziehen mit geringeren Steigerungen? In Wien gibt es solche Möglichkeiten. Oder bin ich hier wirklich im freien Markt unterwegs? Und da glaube ich, haben wir in den letzten 10, 20 Jahren schon gesehen, dass die Immobilien, die Mietpreise entsprechend steigen. Da gibt es auch bei uns im Artikel einen entsprechenden Link mit Berechnungen dazu. Das hier ganz klare Ergebnisse zeigt. Ja und dann der nächste Faktor 4 wäre dann die erwartete Rendite der Veranlagung natürlich. Also hier kann ich zum Beispiel natürlich auch sagen, okay Aktienmärkte steigen ja um 8-9%. Das ist richtig, über die letzten 50 Jahre sind Aktienmärkte wirklich um eigentlich sogar über 10% gestiegen. Da kommt aber jetzt ein wichtiger Faktor dazu, Michi, den kennst du sehr gut. Wie viel kommt von der am Markt erwirtschafteten Rendite wirklich bei mir netto an? Das heißt, das lässt sich auch oft schon schön rechnen, wenn ich sage, okay, ich rechne hier mit 6, 7 Prozent. Das reicht sich für den Kunden grundsätzlich mal vernünftig an, wenn er liest, die Aktienmärkte sind in der Vergangenheit um 19 Prozent gestiegen. Nach Abzug der Kapitalertragssteuer, nach Abzug der ganzen Kosten und Provisionen und so weiter. Bleibt ja oft nur die Hälfte über. Das heißt, in der Gegenüberrechnung brauche ich ja dann wieder die Netto-Rendite. Und dann habe ich natürlich auch noch die erwarteten Hypothekatzinsen. Und wie gesagt, das sind jetzt schon eine Menge von Stellschrauben. Und wenn es interessiert, gerne auf unseren Artikel schauen. Da haben wir drei Vergleichsberechnungen drinnen. Eines, wo eindeutig Kaufen gewinnt. Eines, wo eindeutig Mieten gewinnt. Und eines, wo Sie das aus einem finanziellen Gesichtspunkt neutralisiert und dann kann man sich selber ein bisschen spielen. Da gibt es, wie gesagt, super Rechner, hauptsächlich wir nehmen die von Finanztip her und die kann man dann anwenden, aber es ist eine höchst individuelle Berechnungsgrundlage, wo wir auch gerne unterstützen, wenn es hier Fragen gibt.
Und wie du sagst, es gibt im Nachkommabereich oft kleine Änderungen, die zu einem anderen Ergebnis führen.
Brutal. Nur den einen Bereich, erwartete Immobilienwertsteigerung 2,3 oder 2,5 Prozent eingibt, hat nach 30 Jahren 200.000 Euro Unterschied.
Und das weiß aber keiner. In Wahrheit weiß er es ja nicht.
Genau. Niemand weiß. Und wie gesagt, da rede ich nicht davon, habe ich eine erwartete Immobilienpreissteigerung von 2 Prozent oder von 6 Prozent. Das wäre ein großer Unterschied, wo ich mich schon ein bisschen positionieren kann. Sondern ich rede hier wirklich von 2,3 oder 3 Prozent. Das heißt, das sind wirklich Nuancen. Und wie gesagt, das ist einer von fünf Faktoren, der zum Ergebnis beiträgt.
Jetzt sagen ja viele Leute, Wohnung oder Haus ist die beste Geldanlage überhaupt. Aber gilt das auch für selbst genutzte Wohnung oder Haus? Ist das überhaupt eine Geldanlage?
Wie gesagt, da muss man schon immer den Lifestyle auch ein bisschen berücksichtigen und auch den Faktor Sicherheit. Das heißt, das spricht aber der Gerd Kammer auch sehr deutlich an und auch die Finfluenza. Also das ist ein guter Punkt. Für die Entscheidungsfindung kaufen oder mieten spielt es eine große Rolle, welcher Typ bin ich. Will ich mehr Flexibilität? Kann es sein, dass ich in fünf Jahren ganz woanders leben möchte? Ist mir wichtiger, dass ich heute mehr Wohnraum zur Verfügung habe als in zehn Jahren? Das heißt Familiengründung, Kinder ziehen wieder aus. Oder möchte ich einfach mein Haus haben? Möchte ich mich ums Haus kümmern? Oder möchte ich das den Vermieter abgeben? Aber auch hier habe ich vielleicht immer wieder den Punkt, wenn ich glaube, ich kann alles den Vermieter abgeben, dann muss ich mich aber auch darauf verlassen, dass der Vermieter auch wirklich alle Instandhaltungen ordentlich durchführt und alle Änderungen, die ich einfordere, auch wirklich umsetzt. Also da habe ich schon ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis. Das heißt, grundsätzlich liegt es am Lifestyle ein bisschen. Ob ich kaufe oder miete. Aber zu deiner Frage zurückkommen, weil du hast mir im Prinzip jetzt gefragt, ob es überhaupt eine Geldanlage ist. Ja, natürlich. Ist es schon eine sehr, sehr berechtigte Frage. Ich selber betrachte es aus dem Aspekt der Sicherheit. Das heißt, wenn ich heute weiß, ich habe eine Immobilie, die ist, wenn ich 55 Jahre alt bin, zum Beispiel abbezahlt. Ich habe keinen Kredit mehr laufen. Das ist natürlich immer wichtig, das abzuwägen. Wie kann ich mir das denn leisten? Wenn ich noch immer eine Immobilie habe und ich gehe in Pension und da sind noch immer 100.000 Euro Schulden drauf, dann ist es was anderes, als ich bin vielleicht mit 55 Jahren schon fertig mit der Kreditrückzahlung. Wenn ich es mir leisten kann, dass ich wirklich fertig bin mit der Kreditrückzahlung und ich habe eine kreditfreie Immobilie, die wirklich zu 100% mir gehört, dann ist es natürlich für die Altersvorsorge schon ein Punkt der Sicherheit auch, weil ich mit meiner Rente keine Ausgaben habe für eine Miete und bin dadurch vielleicht nicht so abhängig von der entsprechenden staatlichen Rente.
Aber was ist, wenn ich jetzt in der Rente oder in der Pension, wie wir sagen, dann trotzdem zu wenig Geld habe? Was mache ich dann? Verkaufe ich dann ein Stück von meinem Haus, einen Kamin?
Das ist ein guter Punkt, Michi. Das höre ich wirklich auch oft. Ich kann ja nicht ein Fenster verkaufen oder ich kann ja nicht ein Teil vom Haus verkaufen und deswegen ist es keine gute Geldanlage. Das kann man durchaus gelten lassen, aber natürlich, wenn ich in Miete bin, habe ich nichts zu verkaufen. Es geht wirklich immer um das Gesamtgefüge. Wenn ich es schaffe, dass ich in Miete gehe und mir nebenbei Kapital aufbaue, Weil ich ja in der Regel für die Miete weniger bezahle als für den Kauf einer Immobilie. Da bleibt mir Geld über. Wenn ich hier konsequent wirklich Geld anlege, das gute Erträge liefert, geringe Abzüge habe für Kosten und Steuern und ich habe dann finanzielle Möglichkeiten in der Rente, dann bin ich diesbezüglich vielleicht flexibler. Aber ich und umgekehrt könnte ich ja auch, wenn ich ein Eigenheim habe in der Rente und ich möchte mehr Flexibilität, könnte ich durchaus andenken, auch die Immobilie dann in der Rente zu verkaufen und ich gehe dann in eine Mietwohnung.
Du sagst ja auch oft, es gibt auch im Artikel, es gibt Risiken beim Eigenheim, die eigentlich unterschätzt werden. Kannst du da mal erklären, welche Risiken gibt es da, an die man nicht denkt oder die man nicht so ernst nimmt?
Ja, das sind im Prinzip, Michi, die du ansprichst, das sind die Lifestyle-Faktoren, die du erst ein bisschen so im Überbegriff nur benannt habe. Tatsächlich, wenn ich ein Eigenheimbesitzer bin, also wenn ich ein Immobilienbesitzer bin, dann bin ich grundsätzlich nicht so flexibel. Wenn ich heute einen Job, wenn ich heute wohne in Salzburg und morgen habe ich ein tolles Jobangebot in Wien, wo ich viel mehr verdienen könnte und ich möchte nach Wien ziehen, dann müsste ich entweder meine Immobilie vermieten oder verkaufen. Immobilie lässt sich nicht von heute auf morgen immer gut verkaufen. Das kommt auf die Marktlage drauf an, ob ich dann einen entsprechenden passenden Mieter finde. Ist auch wieder eine Frage. Da bin ich voll bei dir. Das heißt, in puncto Flexibilität ist Mieten wesentlich, wesentlich einfacher. Ich bin einfach mobiler. Das ist vielleicht ein Risiko beim Eigenheim. Ich kann dafür, wenn ich ein Eigenheim habe oder eine eigene Immobilie, kann ich es vielleicht ein bisschen besser nach meinen individuellen Bedürfnissen gestalten. Das spricht vielleicht wieder für den Kauf einer Immobilie. Aber ich muss natürlich auch, mir muss bewusst sein, dass ich für die Instandhaltung des Gebäudes sorgen muss.
Ja, und was man auch oft vergisst, und wir haben es ja schon ein paar Mal erwähnt, auch bei der Geldanlage und so weiter, dass es ja sehr viele Scheidungen leider gibt. Das ist ja beim Eigentum dann auch ein bisschen doofer.
Voll, nein, also tatsächlich, es gibt, aber das sind jetzt alles keine mathematischen, das sind Lifestyle-Entscheidungen und absolut, das geht alles in Richtung Flexibilität. Natürlich, wir haben schon Fälle, wo Menschen viele 100.000 Euro ausgeben für den Kauf einer Immobilie. Ich habe ja 10% Kaufnebenkosten, wenn man das alles mitrechnet. Das heißt, wenn ich Immobilie kaufe um 500.000 Euro, dann muss ich im Prinzip 550.000 aufwenden. Und 50.000 Euro, das ist viel, viel, viel, viel Geld, ist quasi einmal weg. Und wenn ihr, wir haben Fälle, kennen wir aus unserem Kundenkreis auch leider. Wo dann die Beziehung in Brüche geht, aber das gemeinsam gekauft wurde und dann muss man vielleicht so nach zwei, drei Jahren schon wieder die Immobile verkaufen, dann hat man tatsächlich in der Regel einen Verlust, weil die Kaufnebenkosten, die kann man meistens durch Wertsteigerungen zu kurzer Zeit nicht amortisieren. Das heißt, das ist ganz klar, das Risiko habe ich, wenn ich eine Immobile kaufe, dass ich hier wirklich viel Geld in eine Sache investiere und wenn ich die früher wieder verkaufen muss, als ich geglaubt habe, dann ist es dann kannst du wirklich zu ordentlichen Verlusten führen. Wir kennen da auch Fälle, die haben durchaus in wenigen Jahren einmal 100, 200.000 Euro und mehr an Wert verloren.
Beim Haus kann ich einfach viel weniger streuen. Also ich meine, jetzt im Winter draußen muss ich streuen. Das kommt in meinem Eigentum auch noch dazu. Man muss selber streuen, wenn es eisig ist. Aber das Risiko kann ich schlecht streuen, weil es ja nur ein Ding ist. Also ein Klumpenrisiko, wie ich es so sage.
Das stimmt. Auf alle Fälle. Also das ist ein Punkt, der wirklich grundsätzlich maßgeblich zu beachten ist. Wenn ich in eine Immobilie investiere, die ich selbst bewohne, dann habe ich da unheimlich viel Geld in ein Objekt gesteckt und es ist tatsächlich ein Klumpenrisiko, wo ich nicht weiß, wohin geht denn da jetzt wirklich die Reise. Es gibt zum Beispiel auch schon jüngste Untersuchungen von der demografischen Entwicklung, das heißt, ob 2030, 2040 geht unsere Gesellschaft wieder ein bisschen zurück. Und natürlich, wenn wir weniger Bewohner werden in Österreich, also da ist der Zuzug an alle schon mitberechnet, der natürlich mit einem Fragezeichen zu versehen ist, dann wird hier ein gewisser Verkaufsüberhang entstehen. Und wenn mehr Angebot da ist als Nachfrage, dann wird der Preis steigen. Das gilt für Mieter wahrscheinlich genauso. Dann wird der Preis für Eigentum und für Miete wieder fallen. Das gilt für beides. Das gilt für Mieter wahrscheinlich und für Hausbesitzer, dass der Preis sehr rückläufig ist. Das heißt, wenn man das mit bedenkt, und in die Zukunft Erwartungshaltungen hochrechnet, dann kann es durchaus sein, dass ich mit einer geringeren Immobilienwertsteigerung rechne, vielleicht sogar mit einer negativen. Wenn ich diese Parameter natürlich mitdenke, dann spricht es immer wieder für Miete.
Negative Wertsteigerung heißt, es wird weniger wert. Es gibt keine Steigerung.
Entschuldigung für diesen komplizierten Sager. Eine negative Wertsteigerung ist gemeint, dass der Wert nicht steigt, sondern der Wert einer Immobilie weniger wird.
Gibt es Situationen, wo Kaufen absolut sinnvoll ist? Wo du jetzt sagst, ja, also da passt es.
Genau, unter der Voraussetzung, dass ich glaube, diese Immobilie bis zu meinem Lebensende zu besitzen zu wollen, dass ich davon ausgehe, dass die Immobilie an Wert zu steigen wird im Verhältnis zum Geldwert, dass ich glaube, dass die finanziellen Parameter dafür sprechen und meine Lifestyle-Entscheidung auch dafür spricht, dann bin ich eher beim Kaufen und wenn das andersrum ist, dann bin ich eher beim Mieten.
Wenn du es in einem Satz zusammenfassen würdest oder müsstest, du musst jetzt, kaufen oder mieten?
Eine höchst individuelle Entscheidung, die man sich ganz genau durchrechnen sollte. Man kann es berechnen und die Lifestyle-Entscheidungen mit berücksichtigen muss. Man muss sich bewusst sein, bei der mathematischen Berechnung gibt es viele Faktoren, die das Ergebnis entscheiden. Und die Annahmen der Faktoren ist die entscheidende Grundlage.
Es ist ein sehr langer Satz, aber mir gefällt er. Man kann sagen, es ist nicht so einfach.
Es geht nicht genauer, leider Michi, weil ich möchte nur, das Wichtigste vielleicht von dem Podcast heute ist, einfach die finanzmathematischen Vergleichsrechnungen genauer hinterfragen, mehr auf die Individualität der individuellen Situation einbeziehen. Lifestyle-Entscheidung mit einbeziehen und dann glaube ich, hat man einen Mehrwert.
Also genauer hinterfragen ist beim Geld, bei Finanzen sowieso immer gescheit. Deswegen lohnt sich ein Abo. Wir packen alle Links wieder in die Beschreibung. Schreibt uns in die Kommentare, was euch lieber ist, mieten oder kaufen. Wenn euch das neue Format gefällt, lasst uns ein Like da oder ein Dislike. Dann sehen wir es auch. Abonniert den Kanal, habe ich schon gesagt. Dann sehen wir uns in der nächsten Folge wieder. Also bis dann. Tschüss, Baba.
Ich freue mich drauf. Servus.
Praktisch veranlagt. Der Podcast für alle, die Finanzen lieber selber machen.