Jetzt zum LIVE-Webinar anmelden:Gute Geschichte. Schlechtes Geschäft?

Zukunftsdepot für Kinder? Die steuerbegünstigte Vorsorge gibt es schon längst

Wolfgang Staudinger
Autor: Wolfgang Staudinger
Aktualisiert am 4. September 2026
Kanzler Stocker hat im ORF-Sommergespräch ein neues Sparmodell für Kinder vorgestellt, spesen- und steuerfrei bis zum 18. Geburtstag. Klingt nach einer guten Idee. Nur an einer Stelle lohnt sich ein genauerer Blick: Die steuerliche Begünstigung, um die es geht, gibt es in Österreich schon längst.

Was Stocker konkret vorschlägt

ORF Sommergespraeche2026 Stocker
Quelle: ORF

Im ORF-Sommergespräch mit Simone Stribl präsentierte Bundeskanzler Christian Stocker das Zukunftsdepot: Es soll ab 1. Jänner 2027 bei teilnehmenden Banken eröffnet werden können, gemeinsam umgesetzt von Familien- und Finanzministerium. Bis zu 5.000 Euro pro Jahr und Kind, keine Kapitalertragsteuer, keine Spesen, keine Gebühren bis zum 18. Geburtstag. Als Beispielrechnung nannte Stocker eine angenommene Rendite von 6,7 % pro Jahr, bei der die maximale Einzahlung bis zum 18. Geburtstag auf rund 175.000 Euro anwachsen würde.

Parallel dazu skizzierte er einen staatlichen Zukunftsfonds, der aus Dividenden von Staatsbeteiligungen langfristig Geld fürs Pensionssystem ansparen soll. Beide Vorhaben wurden in der anschließenden Analyse unter anderem für ihre Rechenbeispiele kritisiert, konkrete Umsetzungsdetails blieben bislang offen.

Warum wir nicht darauf warten würden

Zwei Vorhaben, zwei politische Prozesse, eine angespannte Budgetlage. Unsere Einschätzung: Selbst wenn eines oder beide Vorhaben tatsächlich beschlossen werden, wird das dauern, politische Einigung, Gesetzwerdung, praktische Umsetzung mit teilnehmenden Banken, die erst noch feststehen müssen.

Und ein Blick nach Norwegen, oft als Vorbild für einen Staatsfonds genannt, zeigt einen wichtigen Unterschied: Norwegen verfügt über ein großes Nettovermögen, Österreich ist Netto-Schuldner mit steigenden Schulden. Das macht die Ausgangslage nicht vergleichbar.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht „kommt das Zukunftsdepot?", sondern: Was kannst du schon heute tun?

Eine Warnung aus der Vergangenheit

fynup pzv kuendigen oder praemienfreistellen 6
Eigene PZV prüfen oder weiter draufzahlen?

Bevor wir zur Antwort kommen, lohnt sich ein Blick zurück. Österreich hatte schon einmal ein steuerlich gefördertes Sparprodukt mit ganz ähnlichem Versprechen: die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge (PZV), eingeführt 2003.

Die Hochrechnungen damals sahen auf dem Papier gut aus, weil sie ohne Fondskosten gerechnet wurden. In der Praxis flossen aus genau diesen nicht berücksichtigten Kosten hohe Provisionen an Banken und Versicherungen. In Kombination mit weiteren Konstruktionsfehlern blieb von den versprochenen Gewinnen nach 20 Jahren für viele Kundinnen und Kunden kaum etwas übrig. Bei einer Analyse mehrerer hundert Verträge gemeinsam mit dem Verein für Konsumenteninformation lag der aktuelle Wert häufig in etwa auf Höhe der Einzahlungen, ohne Inflation eingerechnet. Berücksichtigt man den Kaufkraftverlust der letzten sechs Jahre von rund 30 %, bedeutet das für viele einen realen Verlust trotz staatlicher Förderung.

Das Produkt gibt es noch. Laut aktuellem Bericht der Finanzmarktaufsicht (FMA) verwalteten die verbliebenen Anbieter Ende 2025 rund 729.000 PZV-Verträge mit einem Gesamtvermögen von 9,27 Milliarden Euro. Wenn du oder jemand in deiner Familie einen solchen Vertrag hat: Das ist kein Grund zur Panik, aber ein guter Grund, ihn einmal unabhängig prüfen zu lassen.

Die Vorsorge, die es längst gibt

Kein neues Produkt, kein neues Gesetz. Die fondsgebundene Lebensversicherung existiert in Österreich schon längst und bietet bereits heute eine steuerliche Begünstigung, die im internationalen Vergleich stark ist: Auf die Einzahlung fällt eine Versicherungssteuer von 4 % an, danach sind sämtliche Gewinne KESt-frei. Zum Vergleich: Beim neuen deutschen Vorsorgedepot werden zwar die Prämien gefördert und die Ansparphase bleibt steuerfrei, dafür wird in der Entnahmephase besteuert. In Summe schneidet das österreichische Modell besser ab.

Der entscheidende Punkt ist aber nicht das Steuerrecht, sondern der Vertrieb. Genau wie bei der alten Zukunftsvorsorge kann eine hohe Provisionsbelastung den steuerlichen Vorteil wieder auffressen. Erst wenn eine fondsgebundene Lebensversicherung konsequent provisionsfrei abgeschlossen wird, auf beiden Ebenen, also beim Produkt und bei der Beratung, spricht man von einer Doppel-Nettopolizze. Nur in dieser Form kommt der volle Vorteil auch tatsächlich an.

Schlechter Ruf durch hohe Provisionen

Laufzeit 30 Jahre - Einzahlung: € 200,00 monatlich
CHART
  • Rot: gezillmerte Fondspolizze mit einmaliger Abschlussprovision, tief und lang im Minus
  • Gelb: Fondspolizze mit laufender Abschlussprovision, mindert den Gewinn Jahr für Jahr
  • Blau: provisionsfreie Doppel-Nettopolizze

Kein Wunder, dass diese Sparform einen schlechten Ruf hat, trotz des enormen Steuervorteils.

Wenn der Steuervorteil voll wirken soll, geht das nur ohne Provision. Die provisionsfreie Doppel-Nettopolizze in Blau zeigt, wie viel mehr beim Sparer oder der Anlegerin tatsächlich bleibt. Den Effekt, den sich Stocker vom geplanten Zukunftsdepot erhofft, gibt es damit schon längst.

Was ein gutes Zukunftsdepot erfüllen müsste, falls es kommt

Sollte das Zukunftsdepot tatsächlich umgesetzt werden, hängt viel von der konkreten Ausgestaltung ab. Drei Punkte wären aus unserer Sicht entscheidend:

1. Wahlfreiheit statt Vorgabe. Es braucht mehrere Produktanbieter zur Auswahl, und die Wahl der Anlageklassen, Fonds, ETFs oder Einzelaktien muss frei bleiben. Eine Einschränkung auf einen oder wenige Anbieter wäre der falsche Weg.

2. Kosten müssen auf jeder Ebene transparent sein. Keine Spesen oder Gebühren ist ein guter erster Schritt, reicht aber nicht, wenn die eigentlichen Produktkosten intransparent bleiben, genau wie bei der alten Zukunftsvorsorge.

3. Beratung nur auf Honorarbasis. Wird eine Beratung in Anspruch genommen, egal ob bei Banken, Versicherungen oder freien Beratern, sollte diese transparent auf Honorarbasis erfolgen. Provisionen führen zu genau den Interessenkonflikten, die das Zukunftsdepot eigentlich vermeiden soll.

Was du jetzt tun kannst

Zwei Dinge, unabhängig davon, was aus dem Zukunftsdepot wird:

Hast du oder jemand in deiner Familie einen älteren Zukunftsvorsorge-Vertrag, lohnt sich eine Prüfung. Und wenn du für dein Kind oder für dich selbst langfristig vorsorgen willst, musst du nicht auf 2027 warten. Die Doppel-Nettopolizze steht dir schon heute offen, als Alternative, die in der Substanz seit fast 30 Jahren funktioniert.

Hast du noch eine alte Zukunftsvorsorge?

Über 700.000 Österreicher:innen haben einen PZV-Vertrag. Finde in wenigen Sekunden kostenlos heraus, was wirklich drinsteckt.

Fazit

  • Das von Kanzler Stocker vorgestellte Zukunftsdepot ist ein politischer Vorschlag, noch kein geltendes Recht, mit offenen Umsetzungsfragen
  • Die steuerliche Begünstigung, um die es dabei geht, existiert in Österreich mit der fondsgebundenen Lebensversicherung schon längst
  • Die alte prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge zeigt, wie wichtig echte Kostentransparenz ist, sonst frisst der Vertrieb den staatlichen Vorteil wieder auf
  • Nur eine konsequent provisionsfreie Doppel-Nettopolizze gibt den vollen steuerlichen Vorteil tatsächlich weiter
  • Wer einen alten PZV-Vertrag hat, sollte ihn unabhängig prüfen lassen, unabhängig davon, was aus dem Zukunftsdepot wird

Informationen in diesem Artikel sind allgemein und nicht als Beratung oder Empfehlung zu verstehen. Trotz größter Sorgfalt können wir keine Gewähr für die Eignung, Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität und Verfügbarkeit der unverbindlich zur Verfügung gestellten Informationen übernehmen. Eine Haftung der fynup GmbH ist daher in jedem Fall ausgeschlossen. Performanceergebnisse der Vergangenheit, Berechnungen und Aussagen über Gewinn und Rendite basieren auf Annahmen und lassen keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Jede Veranlagung bringt hohe Verlustrisiken – bis hin zum Totalverlust - mit sich. Es gelten alle Haftungsbegrenzungen der Funktionsbeschreibung.

Häufige Fragen

Eine fondsgebundene Lebensversicherung, bei der sowohl auf Produkt- als auch auf Beratungsebene keine Provisionen anfallen. Nur in dieser Form kommt der steuerliche Vorteil der Hülle vollständig bei dir an.
Sie ist zumindest schon heute verfügbar. Ob sie im direkten Vergleich besser abschneidet, hängt von der konkreten Ausgestaltung des Zukunftsdepots ab, die noch nicht feststeht. Der steuerliche Rahmen der fondsgebundenen Lebensversicherung ist im internationalen Vergleich bereits stark.
Die Hochrechnungen wurden ohne Fondskosten dargestellt. In der Praxis flossen hohe Provisionen an Vertrieb und Anbieter, wodurch von den versprochenen Gewinnen nach vielen Jahren oft wenig übrig blieb, real betrachtet sogar ein Verlust.
Nicht unbedingt. Eine Kündigung ist nur eine von mehreren Optionen und nicht immer die beste. Sinnvoll ist zunächst eine unabhängige Prüfung, um zu sehen, wie der Vertrag konkret aussieht.
Geplant ist ein Start mit 1. Jänner 2027, vorausgesetzt, das Vorhaben wird tatsächlich beschlossen und umgesetzt. Zentrale Details, etwa welche Banken teilnehmen, waren zum Zeitpunkt der Ankündigung noch offen.
Wolfgang Staudinger

Autor: Wolfgang Staudinger

Co‐Founder & CEO
Mehr über Wolfgang

Wenn Verbraucherschützer, Medien und Kunden übereinstimmen

Das ist kein Zufall. fynup ist das einzige Modell, das strukturell auf der Seite der Kunden steht. Und das merkt man.

Verein für Konsumenteninformation

Unsere Philosophie fußt auf unabhängiger Analyse und rechtlicher Durchsetzung – vom anonymen Vertragstest bis hin zu Musterprozessen. Durch die Zusammenarbeit mit fynup stärken wir diese Mission und sorgen dafür, dass Finanzdienstleistungen wirklich konsumfreundlich sind.

Experte Finanzdienstleistungen (VKI)

Arbeiterkammer Wien

Als Konsumentenschützer der AK Wien setze ich mich dafür ein, dass komplexe Finanzprodukte transparent und vergleichbar werden. Ein Beitrag dazu ist die gemeinsame Studie der AK-Wien und fynup „Provisionen vs. Honorare im Finanzvertrieb im Vergleich“.

Konsumentenschützer Finanzdienstleistungen (Banken, Versicherungen), AK Wien

Verbraucherschutz-Verein

Für mich als Obfrau ist klar: Lebensversicherungen mit verdeckten Provisionen sind keine faire Altersvorsorge – gemeinsam mit Partnern wie fynup zeigen wir einfache Honorarberatungslösungen, die ehrlich und nachvollziehbar sind.

Obfrau Verbraucherschutzverein Österreich (VSV)