Wertschwankung ist eine Frage der Zeit

Hohe Wertschwankungen schrecken viele ab. Geringe Wertschwankungen suggerieren Sicherheit, verdecken aber den Blick auf andere Risiken. Dieser Artikel hilft dir, das Wertschwankungsrisiko besser zu verstehen und die Relevanz der Zeit zu erkennen.

Wertschwankungs-Risiko ist eine Frage der Zeit

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Die Zeit ist nicht nur ein wichtiger Faktor der Rendite, sondern auch des Risikos.

Historische Wertschwankung und Rendite globaler Aktien

CHART
  • Laufzeit 50 Jahre
  • Keine lfd. Zahlung
  • € 15.000,00 Einmalzahlung
  • 11,22% Ø Marktrendite bis 31.05.2024

Globaler Aktienfonds in einer provisionsfreien Fondspolizze nach Abzug aller Kosten. Langfristig zählt die durchschnittliche Rendite, nicht die Wertschwankung.

Ab 15 Jahren 0 % Verlustrisiko

Aktien Volatilitaet Morningstar
Ab einer Behaltedauer von 15 Jahren war auch die minimale Rendite immer positiv

In den letzten 50 Jahren haben Aktieninvestoren noch nie einen Verlust erlitten, wenn sie länger als 15 Jahre durchgehalten haben (MSCI World, vor Abzug von Kosten). Die rote Linie zeigt die minimale Rendite in verschiedenen Zeiträumen. Ab 15 Jahren ist das schlechteste Ergebnis mit 1,5 % bereits positiv. Bei 25 Jahren liegt die minimale Rendite schon bei 5 %. Durchschnittlich lag die Rendite immer über 8 % pro Jahr (Blau). Zeit spielt daher eine entscheidende Rolle für die Auswahl der Anlageklasse!

Grafik in 2 Minuten erklärt

Lass dir die obere Grafik in 2 Minuten erklären: Starte bei Minute 4:51

3 Tipps wie du das Wertschwankungsrisiko reduzierst

Erstens: Durchschnittskosteneffekt mit Sparplan nutzen

Wenn du mit einem Sparplan investierst, gleichen sich die Einkaufspreise mit dem Durchschnittskosteneffekt (Cost-Average-Effekt) noch besser aus. Berücksichtige, dass günstige Preise (fallende Aktienkurse) gut für dich sind, solange du Käufer bist.

Mit einem Sparplan bist du zunächst über lange Zeit Käufer, es ist also gut, wenn die Preise fallen. Es ist vergleichbar mit Sonderangeboten im Supermarkt: Werden gute Waren mit 50 % Rabatt angeboten, ist es ein guter Zeitpunkt zu kaufen.

Zum Erklär-Video.

Zweitens: Einmalig investieren mit Strategie

Wenn du mit einem einmaligen Betrag investierst, solltest du mit einer Strategie vorgehen um das Einstiegsrisiko zu reduzieren: Solange Kurse im Vergleich zu vor 10 Jahren um über 100% gestiegen sind, wird der einmalige Betrag über einen Zeitraum von bis zu 36 Monaten investiert.

Dieser Zeitraum verkürzt sich um den Zeitraum zum letzten Höchststand. Sollten die Kurse vom letzten Höchststand bereits um 30% gefallen sein, wird die Hälfte sofort investiert. Sollten die Kurse vom letzten Höchststand bereits um 50% gefallen sein, wird alles investiert.

Mehr im Artikel Einmalig investieren mit Strategie (inkl. Video).

Drittens: Rechne mit der Genussphase

Die Investitions-Zeit besteht meist aus 2 Phasen: Der Spar-Phase UND der Genuss-Phase. Das gilt natürlich nur, wenn du das Ersparte nicht auf einen Schlag ausgibst, sondern über einen längeren Zeitraum. Damit reduzierst du das Wertschwankungsrisiko enorm, da zum einen der Zeitraum verlängert wird und zum zweiten das Risiko schlechter Kurse beim Verkauf komplett wegfällt.

Auf die Frage: „Was, wenn die Aktienkurse im Keller sind, wenn ich Geld benötige?“ antworten wir: „Wenn du nicht das gesamte Ersparte auf einmal ausgibst, sondern über einen langen Zeitraum, brauchst du keine Angst vor dem Zahltag zu haben.“

Sieh dir dazu folgendes Video an!

Du hast mehr Zeit als du denkst

Mit einer langen Spar- UND Genuss-Phase ist nur mehr die durchschnittliche Rendite entscheidend, Wertschwankungen spielen eine untergeordnete Rolle.

Geringe Wertschwankungen können trügerisch sein

Wertschwankungen werden allgemein als „schlecht“ angesehen, dabei entstehen diese lediglich durch den täglichen Handel. Preisvorstellungen von Käufer und Verkäufer werden gefunden um den Handel zu ermöglichen. Das ist per se nicht schlecht.

Im Gegenteil ist wichtig zu erkennen, dass ein geringes Wertschwankungsrisiko eine trügerische Sicherheit darstellen kann, wie folgendes Beispiel zeigt.

Beispiel Immobilienfonds

CHART
  • Laufzeit 30 Jahre
  • Keine lfd. Zahlung
  • € 15.000,00 Einmalzahlung
  • 2,31% Ø Marktrendite bis 31.05.2024

Der Chart zeigt in Rot den Verlauf des Immobilienfonds CS Euroreal. Der Fonds entwickelte sich bis zur Finanzkrise 2008 sehr stabil und erzielte seit Auflegung 1993 jährliche Renditen zwischen 3,5 % und 8 % pro Jahr. Obwohl auch während der Finanzkrise der Ausblick positiv war, verkauften mehr Investor*innen als üblich.

Da der Fonds die benötigten liquiden Mittel nicht aufbringen und Immobilien zu dieser Zeit nicht ausreichend verkaufen konnte, musste der Verkauf der Fondsanteile ausgesetzt werden. Vier Jahre lang wurde erfolglos versucht, Angebot und Nachfrage wieder in Einklang zu bringen, mit 31.05.2012 wurde der Fonds aufgelöst. Seither werden Immobilien Stück für Stück verkauft und die Einnahmen an Anleger*innen ausgezahlt.

Obwohl Immobilien 2012 bis 2022 stark gestiegen sind, haben Anleger*innen dieses Immobilienfonds hohe Verluste hinnehmen müssen. Die scheinbare Sicherheit ohne Wertschwankung zwischen 1993 und 2008 war wertlos.

Diese Geschichte könnte sich wiederholen: Am 24.10.2023 teilte der österreichische Immobilienfonds LLB Semper Real Estate mit, dass bis auf weiteres keine Anteile mehr zurückgenommen werden ...

Das Gummiband-Holzstock-Experiment

Binde ein Gummiband an einem Ende irgendwo fest und ziehe es mit einer Hand stramm. Drücke mit der zweiten Hand auf das Gummiband. Was passiert? Ein leichter Druck genügt und du drückst das Gummiband nach unten. Je stärker du drückst, desto weiter geht es nach unten. Lässt du den Druck wieder nach, geht's wieder nach oben.

Nimm nun einen Holzstock, lege ihn mit einem Ende auf eine Fläche (z.B. Tischkante), halte ihn mit einer Hand fest und drücke wieder mit der zweiten Hand auf die Stockmitte. Was passiert? Bei einem leichten Druck bleibt der Stock stabil. Die Stärke des Stocks im Verhältnis zur Stärke deines Drucks entscheidet, WANN der Stock bricht.

Was hat das alles mit Wertschwankung zu tun?

  • Das Gummiband ist wie der Aktienkurs*: Der leichteste Druck, sei es nur eine schlechte Prognose ohne unmittelbarer Auswirkung, reicht aus, um Druck auf die Aktienkurse zu erzeugen. Aktienkurse sind enorm sensibel, das Verhalten der Markteilnehmer manisch depressiv (Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt), wie es Benjamin Graham in seinem Buch Intelligent Investieren beschrieben hat. Das Schöne dabei: Dreht die Stimmung ins Positive, lässt der Druck nach, das Gummiband kommt wieder auf seine ursprüngliche Position zurück.
  • Der Holzstock ist wie eine „sichere“ Geldanlage ohne oder mit geringen Wertschwankungen: Diese Anlageklassen halten scheinbar jedem Druck stand - und das gibt scheinbare Sicherheit. Wenn der Druck jedoch eines Tages zu stark wird, bricht diese Anlageklasse ohne Chance auf Erholung. Der Stock ist gebrochen.
  • Fazit: Die Wertschwankung kann auch als flexibles Element gesehen werden, ähnlich einem Hochhaus, welches schwankt, damit es Stürmen und Erdbeben standhält. Stabilität, wie bei Geldwerten oder häufig auch bei Immobilienfonds, können eine trügerische Sicherheit vermitteln. Die Finanzkrise 2008 hat bereits gezeigt, was passiert, wenn der Druck zu groß wird. Wertschwankung ist kurzfristig unangenehm, kann aber langfristig Sicherheit bedeuten.

*Damit ist ein globaler Aktienfonds wie z.B. der MSCI World gemeint, der die Kursentwicklung von rund 1.500 Aktien aus 23 Industrieländern abbildet.

Könnte „der Stock“ auch bei anderen Anlageklassen brechen?

Wie das Beispiel Immobilienfonds zeigt, können auch scheinbar sichere Anlagen „brechen“, wenn ein großer Verkaufsdruck entsteht. Bei Immobilien erhalten Anteilsinhaber*innen zumindest Verkaufserlöse, da Sachwerte immer einen bestimmten realen Wert haben. Das ist bei Geldwerten (Konto, Sparbuch, Anleihen) anders.

Bei Geldmarktpapieren (Sparbuch, Konto, ...) könnte ein plötzlicher, starker Verkaufsdruck (Bank run) zum Systembruch führen. Da den Forderungen keine realen Sachwerte entgegenstehen, könnte es sogar zum Totalverlust kommen. Dieses Szenario erscheint aktuell unwahrscheinlich, weil dieser „Holzstock“ sehr stark zu sein scheint.

Raimund Brichta beschreibt in seinem Buch Die Wahrheit über Geld sehr ausführlich, wie knapp das Geldsystem im Zuge der Finanzkrise 2008 vor einem Zusammenbruch gestanden ist. Um Vertrauen zu sichern und damit Druck (auf den Holzstock) zu nehmen, wurde die Einlagensicherung von vormals € 20.000 auf € 100.000 erhöht.

Wir wissen, dass mit dieser Maßnahme Verluste verhindert werden konnten. Jedoch bleibt die Frage zu welchem Preis? Weltweit wurden die Notenpressen angeworfen, selbst auferlegte Regeln für ein stabiles Geldsystem gebrochen. Viele Experten sehen den Inflationsanstieg auf bis zu 10 % ab 2022 als eine Auswirkung dieser Maßnahmen.

Die Geschichte hat bereits oft gezeigt, was mit scheinbar sicheren Geldwerten passieren kann: Hyperinflation, wie z.B. in Deutschland und Österreich zwischen 1919 - 1924 oder Währungsreformen, zuletzt 1947. Bei solchen Verwerfungen sind alle Geldwerte, auch alle Arten von Anleihen, betroffen.

An dieser Stelle wollen wir nicht tiefer in diese Thematik eintauchen, sondern lediglich sensibilisieren, dass auch bei Geldanlagen ohne, bzw. mit geringer, Wertschwankung ein Totalverlust-Risiko nicht ausgeschlossen werden kann. Das Ausfallrisiko vermeidet man am besten durch breite Streuung in verschiedene Anlageklassen und innerhalb der Anlageklassen wiederum durch breite Streuung in verschiedene Länder/Regionen.

Gib jedem Euro die richtige Aufgabe

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Für jedes zeitliche Ziel ein passender Fokus

Für kurzfristige Ziele solltest du auf Stabilität achten, Rendite ist unwichtig. Geeignet dafür sind Bankeinlagen oder kurzlaufende Geldmarktinstrumente.

Für mittelfristige Ziele eignet sich ein für dich passender Mix aus Stabilität und Rendite-Chancen aus Geldmarkt-, Anleihen- und Aktienfonds (evtl. inkl. Immobilien- und Rohstofffonds).

Für langfristige Ziele ab 15 Jahre kannst du den Fokus auf maximale Rendite-Chancen mit Aktienfonds setzten. Am besten mit einem Mix aus ETFs und Clean-Shares, jedenfalls provisionsfrei mit maximaler Kosten-Steuer-Effizienz. Du musst nur mit den Wertschwankungen umgehen können und die nötige Zeit dafür haben.

  • Verteile Risiken, indem du in unterschiedliche Anlageklassen investierst.
  • Achte darauf, dass die jeweilige Anlageklasse zur Veranlagungs-Zeit passt.
  • Gib jedem Euro die richtige Aufgabe, das gibt Stabilität und bringt Rendite.

Zusammenfassung

  1. Das Wertschwankungsrisiko ist eine Frage der Zeit
  2. Denke an die 3 Tipps zur Reduktion des Risikos
  3. Beachte die trügerische Sicherheit geringer Wertschwankung
  4. Gib jedem Euro die richtige Aufgabe, das gibt Stabilität und bringt Rendite.

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Informationen in diesem Artikel sind allgemein und nicht als Beratung oder Empfehlung zu verstehen. Trotz größter Sorgfalt können wir keine Gewähr für die Eignung, Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität und Verfügbarkeit der unverbindlich zur Verfügung gestellten Informationen übernehmen. Eine Haftung der fynup GmbH ist daher in jedem Fall ausgeschlossen. Performanceergebnisse der Vergangenheit, Berechnungen und Aussagen über Gewinn und Rendite basieren auf Annahmen und lassen keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu. Jede Veranlagung bringt hohe Verlustrisiken – bis hin zum Totalverlust - mit sich. Es gelten alle Haftungsbegrenzungen der Funktionsbeschreibung.
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